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Lukas Silbernagl: Weiter, immer weiter

Serie Jung & hungrig (8) – Enge widerstrebt Lukas Silbernagl seit jeher. Mit 20 Jahren machte er sich deshalb mit seiner Internetagentur selbstständig, um möglichst frei von Grenzen zu sein. Selbst deren Name verspricht Weite: webAlm.

Sabina Drescher von Sabina Drescher
2. August 2019
in Jung & Hungrig, Menschen & Unternehmen
Lesezeit: 3 mins read
Lukas Silbernagl: Weiter, immer weiter

Bozen – Draußen ist es drückend heiß an diesem Vormittag. Im Büro von webAlm in der Bozner Bruno-Buozzi-Straße kühlt eine Klimaanlage die Luft. Lukas Silbernagl sitzt im Konferenzraum an einem großen, runden Tisch. Silbernagl, Jahrgang 1988, ist Gründer der Internetagentur und erst vor wenigen Wochen mit seinem achtköpfigen Team hierher umgezogen – zu seinen neuen Partnern von hannomayr communication. Die Fusion ist in vollem Gange. „Ich arbeite sehr gerne im Team, denn ich bin überzeugt, dass man gemeinsam weiter kommt“, erklärt Silbernagl seine Beweggründe. Durch den Zusammenschluss könne das Angebotsspektrum für die Kunden einmal mehr erweitert werden. Neue Wege öffnen sich, alte Schranken fallen weg – und genau das ist es, wonach Silbernagl seit jeher strebt.

Das erste Mal zu eng wurde es ihm, als er nach Abschluss der Fachschule für Informatik in Brixen als Angestellter für ein IT-Unternehmen arbeitete. „Es war eine Situation, in der ich meine Ideen nicht richtig entfalten konnte“, erinnert sich der Kastelruther. Aus seiner Sicht gab es daher nur eine logische Konsequenz: den Schritt in die Selbstständigkeit. Gleich begeistert von seiner Idee wie er selbst war aber kaum ein anderer in seinem Umfeld. Ungeachtet des Risikos folgte er dem Weg, den er für richtig erachtete. „Die Unsicherheiten konnte ich gut einschätzen. Außerdem musste ich nur für mich selbst die Verantwortung tragen, da ich noch keine eigene Familie hatte“, blickt Silbernagl zurück.

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Anbieten wollte er mit seinem 2009 gegründeten Unternehmen IT-Services. 2011 schloss er sich mit zwei Partnern zusammen und erweiterte den Fokus auf Hotels und Webentwicklung. Zwei Jahre später kam es zu einer weiteren Fusion. 400 bis 500 Hotels zählten danach zu den Kunden des Unternehmens. Obwohl Silbernagl die Arbeit gefiel, hatte er das Gefühl „immer nur Brände zu löschen.“ Fällt etwa ein Server aus, kommt es oft auf Minuten an, um Umsatzausfälle und Reputationsschäden zu vermeiden. „Ich bewundere jeden, der diesen Job lange macht“, sagt Silbernagl. 2015 beschloss er schließlich, sein junges Unternehmen neu auszurichten und noch mal bei null anzufangen. Die Breite des Angebots sollte auch im Namen ersichtlich werden, der an eine weite Wiese erinnert: webAlm. Die Spezialgebiete: Onlinemarketing, Webdesign, Programmierung und Cloud-Dienste. „Wir können seitdem viel besser planen, und wenn wir gute Arbeit leisten, ist diese auch sichtbar“, erklärt Silbernagl. Die Kunden kommen kaum noch aus dem Tourismussektor, sondern sind bunt gemischt. Im Idealfall, sagt er, bringen sie ein gutes Produkt mit, verfügen über eine klare Unternehmensstruktur und verfolgen ein konkretes Ziel: erfolgreiche, umfassende Kommunikation – digital und analog.

Strukturiert und zielgerichtet soll es nicht nur bei den Kunden zugehen, sondern auch im eigenen Betrieb, darauf legt Silbernagl Wert. Seine Erfahrung sieht man ihm ob des jungen Alters nicht gleich an, doch in seinen Antworten wird diese ersichtlich. Wenn er das Zusammenspiel von SEO und Google AdWord erklärt – er ist einer von wenigen dafür offiziell zertifizierten Personen in Südtirol –, wenn er über organic und paid user spricht, und wenn er die Verfolgung des Webseiten-Traffics erklärt.

Die Schnelllebigkeit des Webs zwingt ihn praktisch dazu, sich dem ständigen Wandel zu stellen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln – diese Selbstmotivation erwartet er auch von seinen Mitarbeitern. Im Großraumbüro blicken viele junge Gesichter hinter den Bildschirmen hervor, das Alter, sagt Silbernagl, spiele im Grunde aber keine Rolle. „Wenn jemand Lust hat und selbstständig arbeiten kann, ist er bei uns richtig, völlig egal, wie alt er ist.“ Zuhören und Probleme gemeinsam lösen, das sei ihm wichtig. Ebenso die jungen Mitarbeiter zu motivieren und auf deren individuellen Bedürfnisse einzugehen – zum Beispiel bei den Arbeitszeiten. Wer lieber später kommen möchte, hänge eben hinten eine Stunde dran. Silbernagl selbst trifft man immer schon frühmorgens im Büro, die Zeit am Abend gehört seiner Frau und den beiden Kindern. „Das Handy wird dann verwendet wie früher – ausschließlich zum Telefonieren“, schmunzelt er. Mit binären Systemen ist Silbernagl bestens vertraut, daher gilt auch zu Hause in Völs 0 oder 1, entweder es wird ganz gearbeitet oder gar nicht.

Die Leidenschaft für alles Technische und insbesondere für die Informatik entwickelte er schon als Kind. Seine beiden Geschwister sind jünger als er. „Ich musste niemandem nacheifern und konnte mich frei entfalten“, sagt Silbernagl. Frei, ohne Grenzen, so wie er es gerne mag, für sich und für sein Unternehmen. Ende des Jahres soll dessen Fusion vollzogen sein. Lukas Silbernagl hofft, dass seine (web-)Alm dann noch ein bisschen weiter wird.

Schlagwörter: 131/19free

Info

Ästhetisch und funktional
SWZ: Suchmaschinenoptimierung ist für viele Unternehmen weiterhin ein großes Rätsel. Welche Tipps lassen sich ohne viel Aufwand umsetzen, um mehr Sichtbarkeit bei Google und Co. zu erhalten und so eine größere Reichweite zu generieren?
Lukas Silbernagl: Weiter oben im Ranking der Suchmaschinen zu erscheinen, ist keine Hexerei, wenn man grundlegende Fehler vermeidet. Meine Tipps würden also zuallererst darauf abzielen. Erstens sagen viele Unternehmen auf ihrer Website nicht konkret, was sie eigentlich machen. Das Wichtigste sind relevante Inhalte. Ein Familienhotel zum Beispiel sollte unbedingt die Keywords „Familie“, „Kinder“ usw. einbauen. Auch wenn längere Texte heute oft als wenig ästhetisch oder vielleicht sogar überflüssig gelten, muss man berücksichtigen, dass Suchmaschinen immer noch lesen. Daher ist die größte Herausforderung beim Webdesign, Ästhetik und Funktionalität zu verbinden.
Und zweitens vergessen viele, den kurzen Text zu hinterlegen, der bei der Suche unter dem Link aufscheint. Diese sogenannten Metadaten sollen den Inhalt der Seite zusammenfassen und den User so zum Klick auf die Website anregen. Ein optimierter Text wirkt sich also positiv auf die Klickrate aus, aber auch auf das Ranking.
Der Markt in Südtirol gilt als umkämpft. Wie haben Sie es geschafft, sich über Jahre zu behaupten?
Wir setzen auf Kompetenz und Erfahrung bei den Mitarbeitern und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kunden. Das schließt für mich ein, dass ich Kunden nicht zwingend an uns binde, indem ich zum Beispiel nur proprietäre Systeme anbiete, die nicht frei genutzt, verändert und verteilt werden können. Je nach Ziel des Kunden nutzen wir ausgewählte Software, die am besten passt, und nicht die, mit der wir den Kunden möglichst lange an uns binden können. Ich denke, das schätzen die Kunden.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Die Entwicklung von Websiten wird immer einfacher werden. Zugleich wird es wohl auch mehr interaktive Elemente geben und insgesamt mehr Bewegung, zum Beispiel mit animierten Icons, eingebetteten Videos und dergleichen. Für uns Internetagenturen könnten natürlich die amerikanischen Techkonzerne zur Bedrohung werden. Wenn morgen zum Beispiel der gesamte E-Commerce nur noch über Amazon laufen würde, hätte ich keine Aufträge für die Programmierung von Onlineshops mehr. Hier sehe ich die Politik in der Pflicht, uns europäische Unternehmen besser zu schützen bzw. uns die gleichen Rahmenbedingungen zu bieten wie den amerikanischen, für die es scheinbar keine Grenzen gibt.
Sabina Drescher

Sabina Drescher

Die Kaltererin hat in Innsbruck und Cagliari studiert. Sie blickt gerne hinter die Fassaden von Gebäuden, noch lieber hinter die von Menschen.

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