Italien hat derzeit viele Probleme, von den enormen Staatsschulden bis zur mangelhaften Wettbewerbsfähigkeit seiner Volkswirtschaft. Besonders aber krankt das Land daran, dass die optimistischen, lebensbejahenden Italiener mutlos geworden sind und die Flinte ins Korn geworfen haben. Die Stimmung ist gedrückt, die Menschen erwarten keine gute Zukunft, und entsprechend verhalten sie sich – als Verbraucher, als Unternehmer, als Sparer. Wo es jedoch kein Vertrauen gibt, ist keine gesunde wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung möglich.
Hauptverursacher des unübersehbaren Pessimismus, der sich breit macht, ist in Italien die Politik. Diese war zu lange nur darauf bedacht, an der Macht zu bleiben oder an die Macht zu kommen, statt dem Gemeinwesen zu dienen, und sie hat den Staat als Selbstbedienungsladen missbraucht. Heute sind die Italiener enttäuscht und gefährlich politikmüde.
Staatspräsident Giorgio Napolitano hat ein feines Gespür für Stimmungen und er weiß, dass Zuversicht gesät werden muss, um Erfolg zu ernten. Er ist sichtlich bemüht, dass ein Signal gegeben wird, um den Abwärtstrend zu stoppen: Wir haben Probleme, aber wir lösen sie, und dann wird es wieder aufwärts gehen, lautet seine Botschaft. Schon der Glaube daran, dass wir es schaffen können, wirkt Wunder, wie eine Placebo-Tablette Kopfschmerzen lindern kann. Die Regierung hat den Ball aufgenommen und erstmals seit vielen Jahren scheint es möglich, Italien wirklich zu reformieren, damit ein Ruck durch dieses Land geht, damit die Menschen nicht resignieren, sondern erneut anpacken. Zuerst müssen die Politiker und Parteien mit gutem Beispiel vorangehen (Stichwort: Parteienfinanzierung, Verkleinerung des Parlaments, Wahlrechtsreform); dann ist ein Entbürokratisierungsschub notwendig, der die bestehenden Unternehmen nachhaltig entlastet, damit sie wieder arbeiten können; und schließlich gilt es, fragwürdige Staatsausgaben zu senken und dafür Bürger und Unternehmen steuerlich zu entlasten, damit sie wieder Eigeninitiative entfalten.
Gelingt dies, werden jene Kräfte wieder geweckt, die zuletzt erlahmt sind.















