Bozen – Mehr als 46.000 Zivilinvaliden gibt es in Südtirol. Viele Betroffene müssen aufgrund ihrer Erkrankung eine längere berufliche Pause einlegen oder sind gezwungen, ihren erlernten Beruf ganz aufzugeben. Anschließend fällt die Wiedereingliederung in der Arbeitsmarkt oft schwer, wie ANMIC Südtirol, die Vereinigung der Zivilinvaliden, mitteilt.
Aus diesem Grund veranstaltete ANMIC in diesem Jahr bereits zum dritten Mal einen etwa einjährigen Buchhaltungskurs für arbeitssuchende Zivilinvaliden. Am Kurs nahmen acht Personen im Alter zwischen 37 und 67 Jahren teil. Die gute Nachricht: Fast alle Teilnehmenden wurden bereits erfolgreich in die Arbeitswelt reintegriert.
Über mehrere Monate lang kamen die Teilnehmer:innen aus verschiedenen Teilen Südtirols nach Bozen und nahmen an insgesamt 13 Modulen wie „Grundlagen der Bilanzierung“, „Digitalisierung im Rechnungswesen“ oder „Personen- und Vertragsrecht“ teil. Vermittelt wurden die Themen in insgesamt 342 Unterrichtsstunden von 10 Dozenten und Experten, darunter auch diverse Südtiroler Wirtschaftsberater und Rechtsanwälte. Im Laufe des Kurses erlernten die Teilnehmer vielfältige und umfangreiche Kompetenzen aus den Bereichen Buchhaltung, Bilanzierung, Computerwesen, Jahresabschlussanalyse oder dem Rechnungswesen, um so ihre Chancen auf einen erfolgreichen Berufseinstieg gezielt zu erhöhen.
Nach Ende der Schulung durfte das Erlernte in die Praxis angewandt werden: Hierfür organisierte ANMIC Südtirol für jeden Teilnehmenden ein mehrmonatiges Praktikum.
Ein Vater erlitt einen Schlaganfall
Einer der Teilnehmer am Kurs war Christian. Der 49-jährige Vater erlitt einen plötzlichen Schlaganfall. Vieles, was zuvor selbstverständlich war, war auf einmal nicht mehr möglich und musste schrittweise und durch Rehabilitation wieder erlernt werden. Obwohl Christian viele seiner motorischen Fähigkeiten zurückerhielt, musste er seinen Beruf als Malermeister, welchen er erlernt und sein Leben lang ausgeübt hatte, aufgeben.
Thomas Aichner, Präsident von ANMIC, sagt: „Wie Christian befinden sich viele in einer ähnlichen Situation: Sie haben ein Handwerk in jungen Jahren erlernt und dieses jahrzehntelang ausgeübt, oder waren in anderen Berufen tätig, die sie nicht weiter ausüben können. Bei vielen führt ihre Krankheit außerdem zu einer längeren beruflichen Pause und der Schritt zurück ins Arbeitsleben gestaltet sich auch deshalb schwierig, da der Arbeitsmarkt einem ständigen Wandel unterliegt und neue Kompetenzen und Arbeitstechniken vorausgesetzt werden.“
Über ANMIC
Die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) ist eine ehrenamtliche Organisation (EO) ohne Gewinnabsichten, die auf Staats- und Landesebene seit 1965 bzw. 1994 anerkannt ist. Als die einzige rechtliche und gesetzliche Vertretung der Zivilinvaliden und -versehrten vertritt die ANMIC Südtirol diese bei öffentlichen Ämtern sowie in privaten Betrieben, damit sie vollständig in den sozialen sowie beruflichen Alltag integriert werden. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern ist die ANMIC Südtirol die größte Interessensvertretung für Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung in Südtirol.
















