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Wirtschaftsbarometer: So geht es Südtirols Wirtschaft

STUDIE – Das neue Wirtschaftsbarometer des Wifo zeigt: Das Geschäftsklima in Südtirols Unternehmen verschlechtert sich. Die Stimmung ist von Unsicherheit geprägt.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
11. November 2022
in News
Lesezeit: 4 mins read
Wirtschaftsbarometer: So geht es Südtirols Wirtschaft

Foto: Shutterstock

Bozen – Die Konjunktur in Südtirol blieb im Sommer weiterhin positiv, fast jedes vierte Unternehmen beklagt aber eine unbefriedigende Ertragslage aufgrund der steigenden Kosten. Das geht aus dem neuen Wirtschaftsbarometer des Institutes für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervor. „Die Aussichten für 2023 sind von großer Besorgnis und Ungewissheit geprägt, da die Auswirkungen des Preisanstiegs auf die Nachfrage erst in den kommenden Monaten vollständig sichtbar werden“, so das Wifo. Die Unternehmen würden bereits mit erheblichen Umsatzeinbußen und sinkenden Investitionen rechnen. Hier die Ergebnisse des neuen Wirtschaftsbarometers.

Verschlechterung des Geschäftsklimas und Sorgen für 2023

Aus den Daten geht hervor: Der positive Effekt des Aufschwungs nach der Pandemie, der die Südtiroler Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte geprägt hatte, ließ in den Sommermonaten allmählich nach. Bis September blieb die Konjunktur jedoch auf einem hohen Niveau. Dies ergibt sich sowohl aus den Daten zum Stromverbrauch, der in den ersten drei Quartalen um 7,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2021 gestiegen ist, als auch aus den Daten zu den Touristenströmen, die sich nun dem Vorkrisenniveau von 2019 annähern.

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Die Herbstumfrage des Wifo-Wirtschaftsbarometers zeigt, dass 23 Prozent der Unternehmer:innen die Rentabilität im laufenden Jahr als unbefriedigend einschätzen.

Auch die Angaben zum Arbeitsmarkt zeigen eine nach wie vor positive Situation nahe der Vollbeschäftigung: In den ersten neun Monaten 2022 lag die Zahl der unselbständig Beschäftigten in Südtirol im Durchschnitt um 6,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum und um 3,0 Prozent über dem Vorkrisenniveau 2019. Im September lag die Zahl der unselbständig Beschäftigten bei knapp 238.000 und erreichte damit einen neuen Höchststand.

 Einschätzungen der Südtiroler Unternehmen zur Umsatzentwicklung

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Einschätzungen der Südtiroler Unternehmen zur Umsatzentwicklung wider: Mehr als die Hälfte berichten von einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, insbesondere auf dem Südtiroler Markt. Gleichzeitig haben aber die zunehmenden Energie- und Rohstoffpreise zu immer stärkeren Kostensteigerungen und damit zu einer Verschlechterung des Geschäftsklimas geführt. Die Herbstumfrage des Wifo-Wirtschaftsbarometers zeigt, dass 23 Prozent der Unternehmer:innen die Rentabilität im laufenden Jahr als unbefriedigend einschätzen.

Die Aussichten für 2023 sind von großer Unsicherheit geprägt und 23 Prozent der Befragten können keine Prognose zur Ertragslage abgeben. Von denjenigen, die sich dazu geäußert haben, erwarten 26 Prozent ein unbefriedigendes Betriebsergebnis. Für das kommende Jahr rechnen die Unternehmen mit einem Umsatzrückgang und einer allgemeinen Verschlechterung der Rahmenbedingungen: Aufgrund der verschärften Kostenlage wird es zunehmend schwierig, die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt zu erhalten und es wird eine Abnahme der Zahlungsmoral der Kundschaft erwartet. Ungefähr jedes dritte Unternehmen plant, seine Investitionen zu reduzieren.

Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftssektoren, so sind die Erwartungen zur Ertragslage im kommenden Jahr vor allem bei den Obst- und Molkereigenossenschaften, im Einzelhandel (insbesondere bei den Mini- und Supermärkten) sowie im Verkehrs- und Tourismussektor sehr verhalten. Ein besseres Geschäftsklima gibt es im Dienstleistungssektor, der weniger stark von den Energiepreiserhöhungen betroffen ist und wo fast neun von zehn Unternehmen eine zufriedenstellende Ertragslage erwarten.

Abschwächung der Weltwirtschaft im Jahr 2022, drohende Stagnation in Europa im Jahr 2023

Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, die durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine weiter angeheizt wurden, haben einen starken Inflationsschock ausgelöst und die Zentralbanken in aller Welt, allen voran die FED, gezwungen, die Zinssätze drastisch anzuheben. Die Auswirkungen des Kaufkraftverlusts der privaten Haushalte und der restriktiven Geldpolitik werden sich in den kommenden Monaten in vollem Umfang bemerkbar machen und die Nachfrage und die Investitionen dämpfen.

Nach den jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds wird das weltweite BIP-Wachstum im Jahr 2022 nur 3,2 Prozent erreichen und 2023 auf 2,7 Prozent sinken. Darüber hinaus sind die Schätzungen für das nächste Jahr aufgrund zahlreicher Faktoren, die zu einer weiteren Abschwächung der Konjunktur führen könnten, mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet. Dazu gehören die Entwicklung der Pandemie, die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, die anhaltend hohen Energiepreise, die übermäßige Aufwertung des Dollars gegenüber anderen Währungen, eine mögliche Eskalation des Krieges in der Ukraine und die mögliche Verschärfung anderer geopolitischer Probleme, wie z. B. die Lage Taiwans.

Europa ist nach wie vor besonders stark von der ungünstigen Dynamik der Energiepreise betroffen. Trotz des in den letzten Wochen beobachteten Rückgangs der Gaspreise am Spotmarkt, der auf die hohen Speicherbestände und das ungewöhnlich milde Wetter im Oktober zurückzuführen ist, bleiben die Terminpreise für die Wintermonate weiterhin hoch. Gleichzeitig bemühen sich die EU-Mitgliedstaaten weiterhin um eine Diversifizierung der Versorgungsquellen und um eine Einigung für die gemeinsame Gasbeschaffung und die Einführung einer dynamischen Obergrenze für die Gaspreise.

Laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone heuer um 3,1 Prozent, im Jahr 2023 aber nur noch um 0,5 Prozent steigen. Noch bescheidener ist die Entwicklung in Deutschland, wo 2022 ein Wachstum von 1,5 Prozent und 2023 sogar ein Rückgang des BIP um 0,3 Prozent zu erwarten ist.

Die Situation in Italien

In Italien hat das Wirtschaftswachstum in den ersten drei Quartalen des Jahres die Erwartungen übertroffen. Dies ist auf die positive Entwicklung von Konsum, Investitionen und Exporten sowie auf die Erholung der internationalen Touristenströme zurückzuführen. Auch der Arbeitsmarkt ist weiterhin im Aufschwung: Im September lag die Beschäftigungsquote bei 60,2 Prozent und die Arbeitslosenquote bei 7,9 Prozent. Die Prognosen für 2022 gehen von einem BIP-Wachstum von 3,2 bis 3,3 Prozent aus, angesichts der Daten für das dritte Quartal könnte aber der Anstieg noch höher ausfallen.

Deutlich weniger optimistisch sind die Schätzungen für 2023, die eine weitgehend stagnierende Entwicklung oder sogar eine leichte Rezession erwarten lassen. Um ein negatives Wachstum zu verhindern, hat die neue Regierung große Herausforderungen zu bewältigen, insbesondere im Hinblick auf die Ziele des Nationalen Plans für Aufbau und Resilienz (Pnrr) und die Beschaffung der notwendigen Geldmittel, um die Folgen der hohen Energie- und Kraftstoffpreise für Unternehmen und Haushalte zu mildern.

Im Hinblick auf die Stabilität der öffentlichen Finanzen wird der Zinsanstieg zwar kurzfristig eine Erosion des Nominalwerts der Verschuldung begünstigen, andererseits aber auch neue Finanzierungen verteuern. Die Ziele der Finanzstabilität dürfen daher nicht aus den Augen verloren werden.

Das Bruttoinlandsprodukt in Südtirol

Angesichts der derzeit verfügbaren Informationen sowie der positiven Anzeichen, die bis zum Sommer zu verzeichnen waren, wie die gute Auslastung der Produktionskapazität und die Erholung der Touristenströme, schätzt das Wifo ein Wachstum des Südtiroler BIP von 3,8 Prozent im Jahr 2022. Die wirtschaftliche Dynamik im Jahr 2023 wird stark von der Entwicklung des internationalen, wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds abhängen. Vorausgesetzt, dass die Gasreserven den Winter überstehen und die Rohstoffpreise in den kommenden Monaten keine weiteren größeren, dauerhaften Schocks erleiden, wird mit einem leichten Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet.

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