Selten rücken die Südtiroler über Partei- und Sprachgrenzen hinweg so eng zusammen wie in den vergangenen Tagen. Sie fühlten sich von der Rai-Polit- sendung „Porta a Porta“ und von dessen Moderator Bruno Vespa in ungerechtfertigter Form angegriffen, gedemütigt, ja beleidigt und diffamiert. Wer die Sendung am späten Montagabend verfolgt bzw. im Internet nachträglich geschaut hat, konnte sich davon überzeugen, dass da sehr voreingenommen und populistisch der Neid auf das privilegierte Südtirol geschürt wurde – zum Teil mit Un- und Halbwahrheiten, die gerade in Krisenzeiten die Stimmung anheizen. Und wer die Sendung nicht gesehen hat, schöpfte die eigene Empörung zumindest aus den zornigen Reaktionen auf die Sendung am Tag danach. Die Freiheitlichen und die Süd-Tiroler Freiheit durften sich eigentlich über die Sendung freuen, denn an den Stammtischen landauf, landab fiel das Urteil eindeutig aus: Diese ignoranten Italiener haben uns nicht verdient.
Nun können wir uns über die TV-Sendung ärgern, solange wir wollen. Fakt ist, dass „Porta a Porta“ genau jenes Bild wiedergegeben und bestärkt hat, das die meisten Italiener von uns Südtirolern haben. Was wir von Vespa gehört haben, müssen sich „unsere“ Parlamentarier in Rom von ihren Kollegen Woche für Woche anhören. Dass Südtirol dabei in einen Topf mit Sizilien gesteckt wird, schmerzt, ist aber eine Tatsache.
Das Argument, dass Südtirol aus Gründen des Minderheitenschutzes eine gut ausgestattete Autonomie zusteht, zieht bald 100 Jahre nach der Annexion nicht mehr. Genauso wenig zieht das Argument, dass Südtirol die Steuergelder überdurchschnittlich gut verwaltet. Die benachbarten Provinzen und Regionen mit Normalstatut haben schlicht nicht die Chance, das Geld ähnlich gut zu verwalten. Südtirol – und damit sind nicht nur die Politiker gemeint – muss davon abgehen, sein „Recht“ auf die Autonomie zu betonen und vielmehr auf jeder sich bietenden Bühne dieses Südtirol zu erklären. Arno Kompatscher hat dies am Montag versucht. Auch muss Südtirol sich ehrlich fragen: Sind wir wirklich privilegiert?














