Brixen – Für die Frage, wie eine gute Work-Life-Balance gelingt, sei er wohl nicht der Richtige, sagt Roger Pycha schmunzelnd. Der Psychiater und Psychotherapeut hat sein Leben lang gerne und viel gearbeitet. Ob es zu viel sei, sei Ansichtssache, sagt er in der neuen Podcastfolge von „Die SWZ trifft“.
Was macht Arbeit mit uns?
Wann wird Arbeit zur Belastung, wann sogar zur Droge? Darüber spricht Roger Pycha, für den mit 67 Jahren die Pensionierung immer näher rückt, genauso wie über Burnout, Depression, die Herausforderungen der modernen Arbeitsplätze zwischen Big Data und künstlicher Intelligenz.
Roger Pycha stammt aus Bozen und ist seit 2018 als Leiter des Psychiatrischen Dienstes am Krankenhaus Brixen tätig. Davor war er in derselben Funktion 20 Jahre lang am Krankenhaus Bruneck. Er ist unter anderem in der European Alliance Against Depression, dem Südtiroler Netzwerk Suizidprävention und dem Netzwerk für Essstörungen tätig.
Hilfe suchen kein Tabu mehr
Die Spezialisierung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie war nicht sein erster Berufswunsch – der hätte ihn ins Weltall geführt, verrät Pycha im Podcast. Und auch, dass er 130 E-Mails am Tag erhält, was er als Symptom für eine selbst geschaffene unmenschliche Arbeitswelt sieht, in denen Daten und Maschinen dominierten und die psychische Gesundheit leide.
Zugleich falle der Schritt, sich Hilfe zu holen, heute leichter als früher, sagt Pycha. Vor allem Männern, die auch von Frauen gelernt hätten, dass Herausforderungen nicht alleine bewältigt werden müssen.
Urlaub und Aristoteles
Dass zwei Wochen Sommerurlaub reichen, um sich vom Arbeitsstress zu erholen, davon ist Pycha nicht überzeugt. Er plädiert für einen Urlaubsmonat im Jahr, für einen bewussten Rollenwechsel und dafür, mehr nach seinem liebsten altgriechischen Philosophen zu leben.
Aristoteles habe gesagt, die höchste aller Tugenden sei es, Maß halten zukönnen: „Das klingt unglaublich langweilig“, sagt Pycha, „weil wir für den Exzess, für Höhepunkte, für den Rausch aber so was von zu haben sind. Doch am Ende bleibt diese Zufriedenheit, die dann entsteht, wenn ich alles halbwegs maßvoll unter einen Hut gebracht habe.“
Jetzt reinhören in „Die SWZ trifft“
Das Gespräch mit Roger Pycha ist über den Player unten abrufbar, ebenso über Spotify und Apple Podcasts. Alle bisher erschienenen Episoden gibt es auf swz.it/podcast. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Mittwoch.


















