OBERBOZEN – Die Übergabe eines Familienunternehmens ist ein Schlüsselmoment: Sie entscheidet über Kontinuität und Innovationskraft – und nicht zuletzt über den Zusammenhalt in der Unternehmerfamilie. Wer frühzeitig plant, Rollen klärt und Gespräche nicht aufschiebt, stärkt Betrieb und Beziehung gleichermaßen.
Genau darum dreht sich die Tagung „Brücken bauen: Generationsübergabe im Familienunternehmen“ am 9. März 2026 im Haus der Familie am Ritten. Unternehmerfamilien, Nachfolger:innen und Fachleute gehen einer zentralen Zukunftsfrage Südtirols nach: Wie gelingt eine Übergabe so, dass wirtschaftliche Stabilität, familiäres Miteinander und unternehmerische Weiterentwicklung zusammenpassen?

Wenn Eigentum, Führung und Familie zusammenlaufen
Familienunternehmen prägen die Südtiroler Wirtschaft – und sind zugleich ein Sonderfall. Univ.-Prof. Dr. Heiko Kleve, Geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) an der Universität Witten/Herdecke, bringt diesen Unterschied auf den Punkt: „Familienunternehmen unterscheiden sich grundlegend von anderen Betrieben, weil hier nicht nur Eigentum und Führung, sondern auch familiäre Beziehungen über Generationen hinweg weitergegeben werden.“ Nachfolge sei damit immer auch ein Prozess, der Stabilität in zwei Systemen sichern müsse: im Unternehmen und in der Familie. Entscheidend ist für ihn die Freiwilligkeit der nächsten Generation: „Nur wer auch Nein zur Nachfolge sagen darf, kann wirklich frei Ja dazu sagen.“
„Familienunternehmen unterscheiden sich grundlegend von anderen Betrieben, weil hier nicht nur Eigentum und Führung, sondern auch familiäre Beziehungen über Generationen hinweg weitergegeben werden.“ Heiko Kleve
Praxisblicke aus Südtiroler Betrieben
Neben der wissenschaftlichen Perspektive liefert das Symposium Erfahrungswissen aus unterschiedlichsten Branchen. Mit dabei sind die Südtiroler Wirtschaftsverbände: der Südtiroler Wirtschaftsring; der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister lvh und die Junghandwerker im lvh; der Unternehmerverband Südtirol; der Südtiroler Bauernbund; der Handels- und Dienstleistungsverband hds; der Hoteliers- und Gastwirteverband HGV; die Handels-, Industrie-, Handwerks-, Tourismus- und Landwirtschaftskammer Bozen.

Unternehmer:innen berichten aus ihrer Praxis, darunter Robert Pohlin (Elpo), Patrick Gampenrieder (Tischlerei Gampenrieder), Hannes Rottensteiner (Hans Rottensteiner GmbH), Antonia Egger (Landesbäuerin), Margit Schwärzer (Schlosserei Schwärzer), Raimund Ausserhofer (Nordwal AG), Eva Berger (Hotel Post Gries), Sofia Pallua (OBI Südtirol), Daniela Niederstätter (Niederstätter AG), Andreas Plaickner (My Arbor) und Simon Thun (THUN).
„Der Spagat zwischen Veränderungen und dem behutsamen Beibehalten von Traditionen, und das alles bei laufendem Betrieb, birgt ein besonderes Spannungsfeld.“ Patrick Gampenrieder
Was dabei auffällt: Erfolgreiche Übergaben sind selten „ein Schnitt“, sondern fast immer ein Lern- und Abstimmungsprozess. Robert Pohlin plädiert für Entwicklungsspielraum: „Nachfolger sollen Raum bekommen, sich auszuprobieren und ihren eigenen Weg zu finden.“ Sofia Pallua betont, wie sehr Klarheit entlastet – in Familie wie Betrieb: „Ein offener und aufrichtiger Austausch, Selbstreflexion und eine klare Trennung von familiären Angelegenheiten und unternehmerischen Entscheidungen sind dabei entscheidend.“ Daniela Niederstätter fasst Nachfolge als Langstrecke: „Nachfolge ist kein Ereignis, sondern ein Prozess: Er braucht Zeit, offene Kommunikation und den Mut, sich auch von außen begleiten zu lassen.“ Und Patrick Gampenrieder beschreibt das Spannungsfeld im laufenden Alltag: „Der Spagat zwischen Veränderungen und dem behutsamen Beibehalten von Traditionen, und das alles bei laufendem Betrieb, birgt ein besonderes Spannungsfeld.“
Informationen zur Tagung finden sich unter www.hdf.it. Die Anmeldung ist bis 5. März möglich. Beginn ist am 9. März um 9 Uhr im Haus der Familie am Ritten.

















