Meran – Die WFO „Franz Kafka“ Meran hat im heurigen Schuljahr 2026/27 eine neue Unterrichtsform eingeführt: den modularen Unterricht. Statt der bisherigen Semesterstruktur gliedert sich das Schuljahr nun in vier Module, die jeweils mit einer Prüfungswoche abgeschlossen werden. Der Unterricht erfolgt in 75-Minuten-Blöcken.
In jedem Modul arbeiten die Jugendlichen sowohl im klassischen Unterricht als auch im sogenannten „SegeLn“, abgekürzt für selbstgesteuertes Lernen. „Dabei erhalten sie für jedes Modul klare Ziele und Vorgaben zu den zu erwerbenden Kompetenzen“, erklärt die WFO Meran.
Ein Viertel aller Fachstunden ist für das „SegeLn“ reserviert: „In dieser Zeit arbeiten die Jugendlichen eigenständig an klar formulierten Arbeitsaufträgen, reflektieren Inhalte, schließen Wissenslücken und entwickeln eigene Ideen.“
Die Rolle der Lehrkraft verändere sich dabei: weg vom Frontalunterricht, hin zu einer coachenden Begleitung des Lernprozesses. Tabellen zur Zeiteinteilung sollen den Lernenden helfen, ihren Fortschritt im Blick zu behalten. „Wer bereits gut organisiert ist, arbeitet frei und flexibel. Wer Unterstützung braucht, wird enger begleitet. Besonders begabte Schülerinnen und Schüler erhalten Freiräume für zusätzliche Projekte“, so die Schule.
Auch die Leistungsbewertung wird neu gedacht. Nicht bestandene Module können in den neu eingeführten Aufholwochen im Jänner und kurz vor Schulschluss nachgeholt werden. Ein weiterer Termin wird Ende August angeboten. Sollten nur wenige Module fehlen, können diese Schüler:innen die nächsthöhere Schulstufe besuchen, während die nicht abgeschlossenen Module im neuen Schuljahr nachgeholt werden.
Konzept soll weiter ausgebaut werden
Das Modell, das sich an die sogenannte Dalton-Pädagogik anlehnt, soll langfristig in allen Jahrgängen des Trienniums umgesetzt werden. Neben einer stärkeren Differenzierung sollen künftig auch Fächer mit geringer Stundenzahl geblockt werden, um Lernprozesse weiter zu bündeln.
Entwickelt wurde das Konzept von der Professorin Elisabeth Siller und einer Arbeitsgruppe, die bereits das „SegeLn“ an der Schule etabliert hat. Dazu erklärt Siller: „In vielen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern wurde deutlich, wie sehr ihnen im Schulalltag die Möglichkeit zur eigenen Zeiteinteilung und zur Übernahme von Verantwortung fehlte. Viele erzählten, dass sie täglich sechs bis neun Stunden ausschließlich das erledigten, was Lehrpersonen vorgeplant hatten, ohne Raum für selbstbestimmtes Arbeiten.“
Auch das Modulsystem gehe direkt auf solche Rückmeldungen zurück: „Immer wieder berichteten Jugendliche, dass sie wegen eines einzigen nicht bestandenen Fachs die gesamte Klassenstufe wiederholen mussten. Die Module verhindern solche Wiederholungen und ermöglichen, Lücken gezielt zu schließen, ohne die gesamte Klassenstufe neu beginnen zu müssen.“
Gleichzeitig werde der Wunsch nach mehr Differenzierung immer lauter. „Die Lebenswege, Interessen und Zukunftspläne der Schülerinnen und Schüler sind unterschiedlich, und das soll sich auch im Lernen widerspiegeln“, meint Elisabeth Siller. Das modulare System könne dafür flexible Strukturen schaffen, „die individuelle Lernwege besser unterstützen und den Jugendlichen mehr Raum für ihre eigenen Schwerpunkte geben“.


















