Der ehemalige SVP-Landessekretär und Neolandesrat ist bei der Landesversammlung am Samstag mit einem überzeugenden Stimmenergebnis gewählt worden. Die Delegierten waren offensichtlich der Meinung, dass er zusammen mit Landeshauptmann Arno Kompatscher jene Selbstreinigung und jene Erneuerung verkörpert, nach denen das im Edelweiß vereinte Volk nach dem SEL- und dem Rentenskandal lechzt. Die Aufgabe, die Achammer übernimmt, ist anspruchsvoll, und er verdient wohl den Vertrauensvorschuss, mit dem er bedacht worden ist.
Allerdings ist der neue Obmann politisch ein noch wenig beschriebenes Blatt. Dass er jung ist, keiner Parteiströmung angehört und eine weiße Weste hat, spricht für ihn. Aber dies alleine qualifiziert ihn nicht dafür, der SVP Orientierung und damit Richtung zu geben. Die Antwort auf die Frage, für welche Werte und für welche Überzeugungen der neue Parteichef steht, können die, die ihn gewählt haben, nicht auf Anhieb beantworten. Die SVP ist auch nach dem Verlust der absoluten Mehrheit eine Sammelpartei, in der sich Menschen unterschiedlicher Weltanschauung finden, vor allem Konservative, Christlich-Soziale und Sozialdemokraten. Achammer darf aber nicht der kleinste gemeinsame Nenner sein, sondern muss die Partei an Zielen ausrichten und ihr Profil verleihen. Außenpolitisch mag die „dynamische Autonomie“, wie sie bisher propagiert wurde, ein überzeugendes Konzept sein. Aber nach innen verlangt unsere komplexe Gesellschaft nach neuen Lösungen und Strategien in vielen Bereichen, in der Schul- und Kulturpolitik etwa, oder in der Positionierung Südtirols als Wirtschaftsstandort, in der Gestaltung des Zusammenlebens der Volksgruppen untereinander und mit den Ausländern oder auch in der Definition der Rolle, die die öffentliche Hand in unserer Gesellschaft spielen soll. Wohin steuert die SVP mit Achammer?
Vielleicht soll der neue Obmann aber gar nicht prägen und gestalten, sondern mehr im Hintergrund wirken und die Spielführung dem Landeshauptmann überlassen. Man kann gespannt sein, ob und wie das neue Gespann harmoniert in einer Partei, in der es unter der Oberfläche stärker brodelt, als es scheint.


















