Bozen – Rund 800 Mal im Jahr beginnt er genau so: Am Flughafen, an Bahnhöfen und vor parkenden Autos rollen Koffer über den Asphalt – und immer häufiger gehören sie jungen Südtirolerinnen und Südtirolern, die ihre Zukunft anderswo suchen. Der Trend ist klar: Immer mehr gut ausgebildete junge Menschen kehren ihrer Heimat den Rücken. Besonders beliebt als Auswanderdestinationen sind laut der aktuellen Arbeitsmarktnews Österreich, Deutschland, die Schweiz und Italien. „Vor 15 Jahren sind in einem Fünfjahreszeitraum noch höchstens 1.500 Südtiroler und Südtirolerinnen der Altersgruppe 20 bis 49 Jahre in eines der deutschsprachigen Nachbarländer ausgewandert; inzwischen sind es rund 7.000 Personen“, erläutert Stefan Luther, Direktor des Arbeitsmarktservice Südtirol.
„Vor 15 Jahren sind in einem Fünfjahreszeitraum noch höchstens 1.500 Südtiroler und Südtirolerinnen der Altersgruppe 20 bis 49 Jahre in eines der deutschsprachigen Nachbarländer ausgewandert; inzwischen sind es rund 7.000 Personen.“ Stefan Luther
Die Dynamik dahinter ist deutlich: „Pro Jahr wandern etwa 800 Südtiroler und Südtirolerinnen mehr in diese Länder aus, als Menschen aus diesen Ländern nach Südtirol zuwandern“, so Luther mit Blick auf die jüngsten Auswertungen der Arbeitsmarktbeobachtung. Auffällig ist zudem: Wer nicht in Südtirol geboren wurde, zieht häufiger wieder weg – im Fall italienischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger oft zurück in die Herkunftsregionen.
Gut ausgebildet – und weg
Besonders stark ist der Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Abwanderung. Unter jungen Menschen, die eine Lehre oder eine berufliche Landesfachschule abgeschlossen haben, liegt der Anteil der 19- bis 34-Jährigen, die auswandern, bei vergleichsweise niedrigen 9 Prozent. Bei Maturantinnen und Maturanten dagegen beträgt er 24 Prozent.
„Besonders fällt auf, dass gerade Maturanten und Maturantinnen mit guten Abschlussnoten überproportional aus Südtirol auswandern.“ Stefan Luther
Luther präzisiert: „Dabei zeigt sich: Nicht nur Studierende, sondern auch rund 10 Prozent jener, die direkt nach der Matura in die Arbeitswelt eingestiegen sind, wandern aus. Besonders fällt auf, dass gerade Maturanten und Maturantinnen mit guten Abschlussnoten überproportional aus Südtirol auswandern.“
Der Arbeitsmarkt muss wettbewerbsfähig sein
Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wir müssen Jugendliche früh an attraktive Arbeitsplätze binden, etwa durch gute Orientierungspraktika oder hochwertige Sommer- und Einstiegsjobs. Der Südtiroler Arbeitsmarkt muss in allen Facetten wettbewerbsfähig sein: faire Entlohnung und transparente Karrierewege, Weiterbildungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, gute Vereinbarkeit und leistbares Wohnen für Beschäftigte. Das ist eine gemeinsame Herausforderung, um mehr Talente in Südtirol zu halten und für Südtirol zu gewinnen.“
Jeder vierte Rückkehrer
Ein Hoffnungsschimmer: Von den in Südtirol Geborenen, die zwischen 2011 und 2015 ausgewandert sind, sind zehn Jahre später rund 25 Prozent wieder im Land gemeldet.
Die Gründe fürs Weggehen wie fürs Zurückkehren sind vielfältig und werden derzeit im Rahmen einer Studie vertieft untersucht. Luther betont dennoch klar: „Unser Arbeitsmarkt kann nicht in allen Aspekten mit jenem der österreichischen und deutschen Bundesländer sowie der Schweizer Kantone mithalten. An einer Steigerung der Attraktivität des Arbeitsmarktes führt kein Weg vorbei.“















