Bozen – Frische Eier, Käse, Brot sowie Obst und Gemüse der Saison: All dies wird auf Südtirols Bauernmärkten verkauft. Bei den Konsumentinnen und Konsumenten werden diese Märkte immer beliebter – und auch die Höfe, die dort ihre Produkte anbieten, werden mehr.
Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo der Handelskammer Bozen waren im Jahr 2019 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) genau 455 Betriebe in der Direktvermarktung tätig – die meisten von ihnen am Bauernmarkt, einige mit einem eigenen Hofladen. Das ist zwar nur ein Bruchteil der 20.212 landwirtschaftlichen Betriebe, die es in Südtirol gibt. Aber die Zahl ist steigend.
Die Direktvermarkter erzielten 2019 laut Wifo einen Gesamtumsatz in Höhe von 44,7 Millionen Euro. Die Hälfte des Umsatzes entfiel auf Wein und andere alkoholische Getränke (20,6 Millionen Euro), gefolgt von Käse und Milchprodukten mit 7,2 Millionen Euro. Mit Produkten aus pflanzlichem Anbau wurden 6,1 Millionen erwirtschaftet.
Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo der Handelskammer Bozen waren im Jahr 2019 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) genau 455 Betriebe in der Direktvermarktung tätig – die meisten von ihnen am Bauernmarkt, einige mit einem eigenen Hofladen. Das ist zwar nur ein Bruchteil der 20.212 landwirtschaftlichen Betriebe, die es in Südtirol gibt. Aber die Zahl ist steigend.
„Wenn landwirtschaftliche Betriebe beschließen, in die Direktvermarktung einzusteigen, kommen neue Aufgaben wie die Produktentwicklung, Preisgestaltung und Kommunikation auf sie zu. Außerdem werden sie mit dem unternehmerischen Risiko konfrontiert. Daher sollten angehende Direktvermarkter den Schritt vorab gut abwägen und planen“, wird Handelskammerpräsident Michl Ebner in einer Aussendung zitiert. Zwei Drittel der Direktvermarkter:innen würden laut Wifo anderen Landwirten und Landwirtinnen den Einstieg in die Direktvermarktung empfehlen.
Das unternehmerische Risiko

„Die Arbeit der Direktvermarkter ist sehr zeitintensiv, da man sich neben dem Anbau zusätzlich noch um die Absatzförderung kümmern muss“, erzählt Antonia Egger Mair, die Landesbäuerin. „Es gibt immer etwas zu tun.“ Ihre Familie führt zwei landwirtschaftliche Betriebe, welche auf verschiedenen Bauernmärkten in Südtirol vertreten sind. Da sich der Hof auf 1.050 Metern Meereshöhe befindet, fängt das Setzen der Pflanzen bereits früh an. „Das Risiko besteht immer, dass der Frost uns einen Strich durch die Rechnung macht. Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, und man kann sich nie sicher sein, dass alles gut geht. Das Vertrauen in sich selbst spielt hier eine sehr große Rolle.“ Als Vorteil betrachtet Egger Mair die Selbstständigkeit. Sie ist ihre eigene Chefin und kann sich somit die Zeit selbst einteilen, trägt dafür aber das volle Unternehmensrisiko. „Dir wird nichts geschenkt“, meint Egger Mair.
„Ohne Zweitjob sind die meisten Bauernhöfe heutzutage nicht überlebensfähig. Nun kannst du dir aussuchen, ob du acht Stunden am Tag bei einer anderen Arbeit verbringst oder diese Zeit in deinen eigenen Hof investierst“, wirbt Elisabeth Patzleiner für die Direktvermarktung. Sie war Obfrau des Brunecker Bauernmarkts und betreibt dort einen Stand.
Robert Thurner ist vor vielen Jahren in die Direktvermarktung eingestiegen und ist Organisator des Bauernmarkts in Sarntal. „Verkäufer, Marketingmanager, Anbauer, Landwirt – du bist alles“, sagt er. Jeden Dienstag und Samstag verkaufen er und seine Familie Obst und Gemüse auf dem Bauernmarkt. „Hier läuft alles sehr familiär ab. Wir haben zwei Kinder, welche uns gerne auf dem Hof und im Verkauf unterstützen. Auch an den anderen Marktständen trifft man fast nie auf Angestellte. Würden nicht alle Familienmitglieder mithelfen, wäre das Ganze unmöglich.“
Er führt weiter aus. „Die Direktvermarktung bietet viele neue Chancen, dabei wird aber oft die Arbeit unterschätzt. Du musst dafür deine Komfortzone verlassen. Manche beginnen, ihre Produkte selbst zu verkaufen, merken dann aber erst, wie zeitaufwendig das Ganze ist, und rudern zurück.” Der direkte Kontakt zur Kundschaft entschädigt aber für die Mühen, findet Egger Mair.
Profitieren vom Regionalitätstrend?
Werden Bauernmärkte immer beliebter, weil die Verbraucher:innen stärker auf Regionalität achten? Hier spalten sich die Meinungen. „Wir bekamen nach Corona einen Zuwachs an Kunden“, berichtet Ramona Kuen, Leiterin von Schlanders Marketing. „Es ist für uns aber schwer abzuschätzen, ob dies auf ein Umdenken in der Bevölkerung zurückzuführen ist, oder aber daran liegt, dass wir umgesiedelt sind und uns nun in der Fußgängerzone befinden. So stolpern mehr Menschen über unseren Markt.“ Auch in Bruneck ist die Nachfrage nach lokalen Produkten gestiegen, während sich der Kundenstamm in Lana und Bozen nicht stark verändert hat.
Den Konsumentinnen und Konsumenten werde es jedenfalls immer wichtiger, wo das Produkt herkommt und wie es hergestellt wurde. Dabei räumt Antonia Egger Mair mit einer Fehleinschätzung auf: „Viele glauben, dass alles auf dem Bauernmarkt biologisch angebaut wird. Dem ist aber nicht so.“ Während in Bruneck fast die Hälfte der Standbetreiber:innen biologische Produkte anbietet, überwiegt insgesamt auf Südtirols Bauernmärkten die konventionelle Landwirtschaft. Egal, wie die Produkte hergestellt wurden: „Man weiß, wo die Produkte herkommen und dass sie keinen langen Transportweg hinter sich haben. Auch die Verpackung, die bei Waren im Geschäft oft aus Plastik besteht, fällt weg, und man unterstützt als Konsument die regionale Agrarwirtschaft“, ergänzt Egger Mair.
Elisabeth Patzleiner ist derselben Meinung. Sie fügt hinzu: „Es lässt sich nicht sagen, dass Bioprodukte besser sind als konventionell hergestellte Produkte oder umgekehrt. Dennoch ist es besser, eine konventionelle Tomate aus Südtirol zu kaufen, als eine biologische aus Spanien.“
Um das regionale Einkaufen zu fördern, gibt es südtirolweit Bemühungen, die Anzahl der Bauernmärkte zu erhöhen.
„Wünschenswert wäre vor allem ein Umdenken in der Hotellerie“, findet Antonia Egger Mair. „Die Gastbetriebe kaufen selten Produkte auf dem Bauernmarkt, da nicht alles jederzeit verfügbar ist und es bequemer ist, woanders zu bestellen. Hotels werben einerseits gerne damit, dass sie Regionalität unterstützen, sind aber andererseits nicht bereit, flexibler zu werden.“
Alles regional – oder etwa doch nicht?
Die Regel auf dem Bauernmarkt ist sehr simpel – das, was man selbst angebaut und hergestellt hat, darf man auch verkaufen. Die Lizenz wird von der Gemeinde ausgestellt. „Hier auf dem Markt wird miteinander gearbeitet, nicht gegeneinander“, so Antonia Egger Mair. Manchmal, wenn auch selten, trifft man trotzdem auf Standbetreiber:innen, welche nicht selbst hergestellte Produkte auf dem Bauernmarkt verkaufen, diese aber als regionale Produkte deklarieren. Dies ist für die Bauern und Bäuerinnen ein Ärgernis und für die Kunden und Kundinnen eine Herausforderung. „Es ist sehr schwierig für die Gemeinden, dies zu überprüfen, da der Überblick fehlt“, meint Egger Mair.
„Wie in jeder Branche gibt es einige schwarze Schafe, welche Produkte dazukaufen und diese als ihre eigenen ausgeben. Wir können das leider nicht kontrollieren“, bedauert Thurner, der für die Kundinnen und Kunden einen Tipp hat: Bei Produkten mit dem Qualitätssiegel „Roter Hahn“ könne sich „der Kunde sicher sein, dass die Produkte vom Hof stammen“. Thurner fordert eine verstärkte politische Unterstützung und Gehör für die Anliegen der Bauern und Bäuerinnen: „Es darf nicht toleriert werden, dass einige Landwirte nicht selbst hergestellte Produkte verkaufen, ohne dafür Konsequenzen zu tragen, während dadurch das Ansehen des gesamten Bauernmarktes in Mitleidenschaft gezogen werden kann.“
Die Organisation der Bauernmärkte ist ein weiterer Streitpunkt, der für Uneinigkeit sorgt. Jeder Bauernmarkt kann seine Regeln selbst festlegen, was zu einer Vielfalt an unterschiedlichen Marktstrukturen führt. Es fehlen klare Vorschriften, die südtirolweit gelten. Thurner betont die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung. Es brauche eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Bäuerinnen und Bauern sowie dem Land, um eine gemeinsame Lösung zu finden.
Nadia Tinkhauser
DIE AUTORIN studiert Soziologie und Komparatistik in Innsbruck und absolviert ein Sommerpraktikum in der SWZ-Redaktion. Sie hat im Wreaders-Verlag die Krimis „Regenschauer“ (2020), „Wir waren sieben“ (2021) und „Honigträume“ (2023) veröffentlicht.

















