Die „vox populi“, die Stimme des Volkes, ist ein gewichtiger Faktor. Die Menschen haben nämlich ein gutes Gespür für das, was notwendig und richtig ist. Seit Francis Galton (1822 – 1911) wissen wir, dass es so etwas wie eine Intelligenz der Masse gibt, und der US-Journalist James Surowiecki hat in seinem 2004 erschienenen Buch „Die Weisheit der Vielen – weshalb Gruppen klüger sind als Einzelne“ nachzuweisen versucht, dass die Zusammenführung von Informationen Gruppenentscheidungen ermöglicht, die oft besser sind als die Lösungen einzelner Fachleute.
„Das Volk“ (es waren immerhin 874 Personen) hat bei einer Online-Befragung des Internetportals stol.it darüber, wo das Land Südtirol sparen soll, angegeben, dass der Rotstift bei den Politikergehältern (89 %), der Errichtung von Landesgebäuden (62 %) und bei der Anzahl der Landesbeamten (53 %) angesetzt werden soll. Beim Straßenbau orten bloß 34 % Potenzial, im sozialen Bereich nur mehr 15 und im Gesundheitswesen gar nur 3 %.
Das zeigt, dass die in einer solchen Form erhobene öffentliche Meinung doch sehr stark von Emotionen geprägt ist statt von geballtem Wissen. So notwendig eine Verringerung der Politikkosten nämlich auch ist – es handelt sich dabei um eine moralische Pflicht angesichts der Lasten, die uns auferlegt werden. Finanzpolitisch ist eine Kürzung der Politikerbezüge und der Parteienzuwendung aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es überrascht, dass selbst Leute mit einer höheren Schulbildung meinen, die Haushaltsprobleme ließen sich durch eine Kürzung der Politikerbezüge lösen. Mehr bringt es da schon, die Standards bei öffentlichen Bauten herabzusetzen. Mit Blick auf die Landesbeamten ist die Stimme des Volkes schon deutlich leiser, denn da gibt es mehr Betroffene. Und den Straßenbau will aus Liebe zum Auto nur mehr jeder Dritte beschränken. Und da der Mensch auf Sicherheit programmiert ist, will kaum jemand, dass Hand an das soziale Netz (und die soziale Hängematte) gelegt wird oder an das Gesundheitswesen, das 1,3 Milliarden verschlingt.
Angesichts der aktuellen Sparzwänge scheint nicht einmal die Weisheit der Vielen gegen die Diktatur der Fakten bestehen zu können.
















