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Vitamin P für Südtirol

Südtirol-Image – In einem Monat läuft der Vertrag von Südtirol-Lobbyistin Francesca Puglisi aus, deren Beauftragung im Juni heftige Polemiken erzeugt hat. Ihr Chef, Marco Pappalardo, zeigt sich zufrieden mit der geleisteten Arbeit und sagt: „Das Projekt geht weiter.“ Auch ohne Puglisi.

Christian Pfeifer von Christian Pfeifer
30. November 2018
in Südtirol
Lesezeit: 3 mins read

Bozen/Rom – Marco Pappalardo, der Direktor der Landespresseagentur, redet nur ungern über Francesca Puglisi. Viel lieber spricht er über „das Projekt“. Er hat schlicht Angst, dass die heftige Polemik vom vergangenen Sommer neu entbrennt, sobald der Name Puglisi in Erinnerung gerufen wird.

Rückblende: Ende Mai 2018 erteilt die Landesregierung mit Beschluss Nr. 510 einen befristeten Auftrag an eine gewisse Francesca Puglisi, geboren in Fano (Marken) und wohnhaft in Bologna. Sie soll „durch Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung bei Einrichtungen, Unternehmen und Medien“ zur „Verstärkung und Verbesserung des Images von Südtirol in Italien“ beitragen. Mal abgesehen vom fehlenden Zweisprachigkeitsnachweis, passt Puglisi gut ins Anforderungsprofil. Blöd nur, dass die Journalistin bis März für die SVP-Freunde des PD im Senat saß (sie verpasste die Wiederwahl). Blöd auch, dass sie die Lebensgefährtin von PD-Schwergewicht Gianclaudio Bressa ist. Für die Opposition handelt es sich so kurz vor den Landtagswahlen um ein gefundenes Fressen. Sie spricht von SVPD-Freunderlwirtschaft. Andreas Pöder von der Bürgerunion fordert im Landtag per Beschlussantrag eine Annullierung der Beauftragung – allerdings ohne Erfolg, obwohl auch SVPler gegen Puglisi poltern. Der „Fall Puglisi“ schafft es bis in einige gesamtstaatliche Zeitungen.

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Dass die Optik schief ist, räumt selbst Landeshauptmann Arno Kompatscher ein. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich am Wettbewerb für die Stelle – die zum Organigramm der Landespresseagentur gehört – nur zwei Bewerber beteiligt hatten und Puglisi als Einzige zum Vorstellungsgespräch erschienen war. Kompatscher stellt sofort klar, dass der befristete Vertrag, der bis Ende Dezember 2018 läuft, ganz sicher nicht verlängert werde. Es ist die Notbremse in der unangenehmen Angelegenheit. Danach wird es still um Francesca Puglisi.

Mittlerweile rückt das Vertragsende näher. In genau einem Monat läuft der Vertrag von Francesca Puglisi aus. Hat sich ihre Beauftragung also für Südtirol gelohnt? Oder wurde da wirklich Freunderlwirtschaft betrieben? Auch stellt sich die Frage, wie motiviert jemand zu Werke geht, der genau weiß, dass der Vertrag eh nur ein paar Monate läuft und keine Chance auf eine Vertragsverlängerung besteht.

Von der SWZ darauf angesprochen, antwortet Marco Pappalardo: „Ich sage ganz offen: Ich bin zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Frau Puglisi ist ein Profi in diesem Bereich.“ Sie habe die Aufgabe gehabt, mit ihren Kontakten Türen zu öffnen, weniger bei den Medien, sondern vielmehr bei Institutionen – und das habe sie getan.

Jüngstes Beispiel sei jene zweitägige Studienreise, die vergangene Woche eine 25-köpfige Delegation mit dem Präsidenten der „Unione delle Provincie d’Italia“ (UPI), Achille Variati, an der Spitze nach Südtirol gebracht hat. Provinzpräsidenten und -vizepräsidenten informierten sich dabei über die Klimahausstandards und Energieeinsparungsstrategien in Südtirol. Puglisi habe den Kontakt zu UPI zuerst hergestellt und dann die Delegation in Südtirol betreut. „Unsere Strategie bei der Imagepflege ist es, Südtirols Know-how zur Verfügung zu stellen. Wir wollen hingegen nicht überheblich und besserwisserisch auftreten“, sagt Pappalardo.

Gegen die Vermutung, Puglisis Arbeit in Rom würde sich auf ein paar Telefonate und Besuche beschränken, wehrt sich Pappalardo entschieden: „Frau Puglisi ist eine Mitarbeiterin der Landespresseagentur wie jede andere, sie hat in der Außenstelle in Rom einen Schreibtisch, und sie stempelt ganz normal, wobei sich ihre Arbeit logischerweise stark im Außendienst abspielt.“ Zu Beginn der Beauftragung habe er, Pappalardo, mit ihr ein Arbeitsprogramm definiert, und das werde seither abgewickelt. Die Schwerpunkte lägen auf den zwei Themenbereichen Energie/Nachhaltigkeit (siehe Studienreise) sowie duale Ausbildung. „Wir hören oder schreiben uns fast jeden Tag“, versichert Pappalardo.

Ende Dezember ist das Vergangenheit. „Das Projekt“ aber geht weiter, sagt Pappalardo. Auch ohne Puglisi. Und ohne etwaige Nachfolger. Die Kontakte, die Francesca Puglisi bei ihrem Kurzeinsatz hergestellt habe, lassen sich laut Pappalardo gut nachbearbeiten. Zum Beispiel werde es voraussichtlich Anfang 2019 eine Studienreise mit Schwerpunkt duale Ausbildung geben. Im Übrigen sei die Arbeit am Südtirol-Image eine langfristige Angelegenheit, begleitet auch von der PR-Agentur Weber Shandwick.

Ob das Geld für Francesca Puglisi gut angelegt war, ob die sechs Monate wirklich genügten, um etwas zu bewegen, und ob dank Puglisi gelang, was ohne sie nicht gelungen wäre, ist schwer nachzuvollziehen. Genauso, ob Puglisi wirklich zu hundert Prozent für die Landespresseagentur gearbeitet hat, so wie im Beschluss der Landesregierung festgeschrieben. Für Pappalardo steht jedenfalls außer Frage, dass sich das Engagement von Puglisi gelohnt hat. Gleichzeitig wirkt er erleichtert, dass er bald keine Mitarbeiterin mehr hat, die derart viel Aufmerksamkeit erregt.

Schlagwörter: 46-18freenomedia

Ausgabe 46-18, Seite 5

Christian Pfeifer

Christian Pfeifer

Erste journalistische Gehversuche bei der Tageszeitung "Alto Adige", seit 1995 bei der SWZ, seit 2015 deren Chefredakteur. Moderiert nebenberuflich das Wirtschaftsmagazin Trend im Fernsehen von Rai Südtirol. Findet Ausgleich bei seiner Familie und beim Sport, vorwiegend bei Tennis, Ski und Langlauf.

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