Bozen/Rom – Zunächst zur Erinnerung: Das Gelände in Bozen Süd, auf dem das Stahlwerk der Valbruna-Gruppe angesiedelt ist, gehört dem Land. Vor 30 Jahren hat die Landespolitik mit dem Grundkauf das damals kriselnde Stahlwerk vor der Schließung gerettet. Nun ist der 30-jährige Pachtvertrag abgelaufen und es muss eine Lösung her. Zunächst hat die Landesregierung den Pachtvertrag behelfsmäßig um ein Jahr verlängert. In der Zwischenzeit soll eine Ausschreibung vorbereitet werden. Alles andere widerspreche dem europäischen Wettbewerbsrecht, heißt es beim Land.
Das Fazit der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften sind besorgt um die rund 500 Arbeitsplätze in Bozen und befürchten die Schließung des Valbruna-Werkes. Am Dienstag hat es in der Angelegenheit ein Treffen mit Minister Adolfo Urso in Rom gegeben. Anwesend waren eine Vertretung des Landes mit Wirtschaftslandesrat Marco Galateo an der Spitze sowie Exponenten von Valbruna sowie der Gewerkschaften.
Das Fazit der Metallarbeitergewerkschaft MAV/FIOM im AGB/CGIL: „Das Ergebnis des Treffens war sicherlich nicht positiv”, sagt Sekretär Marco Bernardoni. Ähnlich äußert sich die Gewerkschaft UIL-SKG: „Wir bringen unsere tiefe Enttäuschung über die Ergebnisse des Treffens zum Ausdruck, da eine klare Perspektive für die Produktionskontinuität des Werks in Bozen mit seinen 500 Beschäftigten sowie der angeschlossenen Zulieferer fehlt. Wir können die Dringlichkeit der Ausschreibung nicht nachvollziehen, ebenso wenig das Fehlen des Bewusstseins für die strategische Bedeutung des Standorts“, werden die Sekretäre Guglielmo Gambardella, Carlo Biasin und Giuseppe Pelella in einer Aussendung zitiert. Und weiter: „Wir sind besorgt über die von Eigentümer Amenduni gemachten Aussagen, die von der lokalen Politik ernst genommen werden sollten, über ein mögliches Abschalten der Öfen zum Ablauf des Verfahrens am 15. Januar 2026.“
Für AGB/CGIL-Generalsekretärin Cristina Masera ist es von grundlegender Bedeutung zu wissen, ob sich die Eigentümerfamilie Amenduni überhaupt an der Ausschreibung beteiligen wird oder nicht – „dies unabhängig von den verschiedenen Analysen darüber, ob und wie die derzeitige Situation hätte vermieden werden können“.
Was Minister Adolfo Urso sagt
Die Aussendung des Landespresseamtes klingt deutlich optimistischer: Das Ministerium für das „Made in Italy“ werde den Fall „aufmerksam begleiten und gemeinsam mit den zuständigen Regierungsstellen prüfen, ob die Sonderbefugnisse zum Schutz der nationalen Interessen angewendet werden können“. Minister Adolfo Urso wird mit den Worten zitiert: „Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen, dass die Produktionskontinuität des Standorts gewährleistet bleibt, damit er eine strategische technologische Lieferkette wie die der Stahlindustrie sichern kann und vor allem die derzeitigen Beschäftigungsniveaus erhalten bleiben.“
Im Oktober soll es ein weiteres Treffen geben.















