Bozen – Die jährliche Vollversammlung des Unternehmerverbandes (UVS) im Kongresszentrum MEC der Messe Bozen stand heuer unter dem Titel „Energie freisetzen. Zukunft sichern“. Tatsächlich ist die Energie eines jener Themen, die den UVS-Mitgliedsunternehmen derzeit besonders zu schaffen machen. „Industrie braucht verlässliche, bezahlbare und wettbewerbsfähige Energie“, mahnte UVS-Präsident Alexander Rieper. Derzeit würden die Südtiroler Unternehmen die Energie aber um bis zu 30 Prozent teurer bezahlen als im europäischen Schnitt – und noch deutlich teurer als die Mitbewerber in den USA und in China. Unter diesen Voraussetzungen wettbewerbsfähig zu bleiben, sei eine enorme Herausforderung.
Unabhängig von fremder Energie
Rieper mahnte zu Anstrengungen in Sachen Energiewende, denn die Energiewende diene nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Unabhängigkeit. Heute sei Europa – und damit auch Südtirol – nämlich gefährlich abhängig von fremder Energie. Das führe „die hochexplosive Lage im Nahen Osten“ seit Wochen vor Augen.
Südtirol besitzt laut Rieper beste Voraussetzungen für die Energiewende, denn es habe Wasser und reichlich Sonne. Allerdings müssten auch Speichermöglichkeiten geschaffen werden, denn die Wasserkraft reiche im Winter nicht aus und die Sonne scheine nicht ständig. Im Sinne der Technologieoffenheit müsse zudem auf Windkraft, Wasserstoff und Biomasse gesetzt werden. „Wir müssen nicht nur wettbewerbsfähige Energiepreise, sondern auch eine sichere Versorgung garantieren“, so Rieper.
Die Kritik an den Tiroler Alleingängen
Scharfe Kritik übte Rieper an der Brennerblockade am Samstag: „Blockaden helfen nicht – Zusammenarbeit schon.“ Denn: „Wir alle sind auf Mobilität angewiesen. Sowohl nördlich als auch südlich des Brenners, denn auch in Tirol wachsen keine Bananen.“ Der UVS-Präsident plädierte für eine gemeinsame Suche nach Lösungen, anstatt „Chaos zu stiften“.
Die Bürokratie als Energiefresserin
Auch ein altbekanntes Thema sprach Alexander Rieper an: die Bürokratie. Sie vernichte in den Unternehmen Energie, die gut anderweitig eingesetzt werden könnte. Rieper zog einen Vergleich zu einer Bergtour: „Viele Südtirolerinnen und Südtiroler sind gute Bergsteiger und extrem fit. Auch wenn unser Rucksack voller Bürokratie schwer auf unsere Schultern drückt, sind wir schneller am Gipfel als viele andere. Aber eines ist auch klar: Mit einem kleinen, leichten Rucksack wären wir noch schneller.“
Als aktuelles Beispiel nannte Rieper die neuen Bestimmungen zur Lohntransparenz: „Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit steht außer Frage. Aber eine Umsetzung, die Mehraufwand, Rechtsunsicherheit und neue Spannungen schafft, wäre der falsche Weg. Fairness entsteht nicht durch lähmende Regelwerke.“
Was Kompatscher und Galateo sagen
Zustimmung für seine Ausführungen erntete Rieper von Landeshauptmann Arno Kompatscher. Er, Kompatscher, bekenne sich zur Industrie und zur Klimawende. Wirtschaftslandesrat Marco Galateo erläuterte im Gespräch mit Moderatorin Verena Pliger einige wirtschaftspolitische Maßnahmen.

















