Bozen – „America First“. So lautete Trumps Devise, als er 2025 mit Zöllen auf Importe aus aller Welt für Aufsehen sorgte. Im Februar dieses Jahres kam der Dämpfer: Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte einen Teil der Abgaben für unrechtmäßig. Rund 166 Milliarden US-Dollar, die sich im Nachhinein als nicht rechtens erwiesen haben, soll die Zollbehörde kassiert haben.
Zumindest ein kleiner Teil davon stammt von Südtiroler Unternehmen. Die USA sind über die Jahre für viele Branchen zu einem wichtigen Handelspartner geworden, der US-Anteil an den Ausfuhren steigt kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von knapp 553 Millionen Euro in die USA exportiert. Das entspricht 7,1 Prozent aller Exporte. Damit sind die USA das drittwichtigste Zielland für Südtirols Wirtschaft, hinter Deutschland mit 2.256 Millionen Euro und Österreich mit 774 Millionen. Derzeit gilt aufgrund einer Einigung zwischen der EU und den Vereinigten Staaten für die meisten Waren ein Zollsatz von zehn Prozent.
Mit dem Gerichtsurteil vom Februar können sich die Unternehmen zumindest jene Zölle rückerstatten lassen, die unrechtmäßig erhoben wurden. Und tatsächlich haben zahlreiche Firmen, auch aus Südtirol, in den vergangenen Monaten einen entsprechenden Antrag bei der US-Zollbehörde eingereicht, wie ein Rundruf der SWZ bestätigt. Bei einigen ist die Summe bereits (teilweise) wieder auf dem Konto, andere warten hingegen noch auf ihr Geld. Und wieder andere glauben nicht daran, die bezahlten Zölle je wieder zu sehen.
So oder so: Die Erfahrungsberichte machen sichtbar, welche Konsequenzen Entscheidungen eines genauso erratischen wie mächtigen Präsidenten auch in Südtirol haben.
Wein: Es ist Verhandlungssache

Eines der wichtigsten Südtiroler Exportprodukte für den US-Markt ist Wein. 2024 – aktuellere Daten liegen nicht vor – ging laut Landesstatistikinstitut ASTAT Wein im Wert von 40 Millionen Euro über den Atlantik. „Nicht nur für Südtirol, für die gesamte italienische Weinwirtschaft sind die Zölle ein riesiges Thema“, sagt Karoline Walch, Geschäftsführerin des Weinguts Elena Walch. Laut einer Schätzung von Federvini, dem Verband der Hersteller und Exporteure von Weinen, Spirituosen, Destillaten und Essig, kosteten die Zölle die italienische Weinbranche zwischen April 2025 und April 2026 rund 180 Millionen Euro (bei einem Export im Wert von zwei Milliarden). In dieser Zeit variierten die Zölle zwischen zehn und 15 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rückerstattungen positiv verlaufen, schätzt die Organisation als „gering“ ein.
Karoline Walch erklärt die Hintergründe. In der Regel hat jeder Weinproduzent in den USA einen lokalen Importeur oder ein Netzwerk aus solchen. „Diese haben die Zölle an die entsprechende US-Behörde entrichtet und können die Rückerstattung nun beantragen“, sagt Walch. Damit die Weine am amerikanischen Markt nicht um den gesamten Zollbetrag teurer wurden, so Walch, wurde in der Praxis der Betrag häufig zwischen Importeur, Produzent und Konsument aufgeteilt. Das war beispielsweise die Strategie der Kellerei Terlan, sagt Klaus Gasser, der Direktor für Verkauf und Marketing. „Wir haben von einigen Produzenten gehört, die die Zölle zu 100 Prozent selbst getragen haben.“
Die Weinproduzenten müssen also mit ihrem jeweiligen Ansprechpartner vor Ort verhandeln, ob und in welchem Ausmaß sie die nicht rechtmäßigen Zölle zurückbekommen. Klaus Gasser ist zuversichtlich, dass der Importeur seiner Kellerei die Summe rückerstatten wird. „Vorausgesetzt, die Rückerstattung wird ihm gewährt. Als wir vor einigen Wochen im Austausch waren, wartete er noch darauf.“
Der Hersteller für Beschneiungsanlagen, TechnoAlpin, wartet noch auf die Rückerstattung der unrechtmäßigen Zölle.

Die Kellerei Elena Walch befindet sich zunächst in einer glücklicheren Situation. Ihr Importeur habe die Zölle antizipiert, als sich der Wahlsieg Trumps abzeichnete. „Wir haben deshalb beinahe die gesamte Weinmenge für das Jahr 2025 noch vor Einführung dieser Zölle in die USA exportiert und konnten dadurch eine Preisstabilität zumindest für 2025 garantieren“, sagt Walch. Die aktuellen Abgaben in Höhe von zehn Prozent treffen nun aber auch ihre Kellerei, die Weine werden in den USA entsprechend teurer. „Ich bleibe zuversichtlich, dass eine starke Marke und verlässliche Partner vor Ort auch höhere Preise am Markt tragen können. Die aktuellen Verkaufszahlen stimmen uns optimistisch, dass die USA auch künftig unser wichtigster Exportmarkt bleiben werden“, sagt Karoline Walch.
Klaus Gasser beobachtet einen angespannten amerikanischen Markt. Die Nachfrage sei begrenzt, es gebe ein Überangebot an Wein. Er sieht es ähnlich wie Walch: „Eine starke Marke zu haben, ist ein großer Vorteil. Aber zurücklehnen dürfen wir uns nicht.“ Es sei weiterhin notwendig, die Beziehungen zu Kunden und Partnern in den USA zu pflegen. „So ein Markt muss sehr stark bearbeitet werden.“
Dr. Schär: „Geht um Millionenbetrag“

Auch für den Diätproduktehersteller Dr. Schär sind die USA ein wichtiger Exportmarkt. Ein Teil der Waren wird von der amerikanischen Tochtergesellschaft vor Ort produziert, ein Teil wird nach wie vor von den europäischen Standorten des Unternehmens in die USA importiert. Infolgedessen ist auch Dr. Schär von Trumps Zollpolitik betroffen. Aufgrund der Zölle habe sich das Unternehmen im vergangenen Jahr gezwungen gesehen, die Preise in den USA teilweise zu erhöhen und einen Teil der Abgaben an die Kundschaft weiterzugeben, so CEO Hannes Berger. „Einen Teil hat Dr. Schär hingegen selbst finanziert.“
Als bekannt wurde, dass die Zölle nicht rechtens waren, hat das Unternehmen die Rückerstattung beantragt. „Es geht für uns um einen Millionenbetrag“, unterstreicht Berger. Einen Teil des Betrags hat Dr. Schär bereits zurückbekommen. „Einige offene Punkte gibt es aber noch. Wir hoffen, die ausstehende Summe noch zu erhalten und den Prozess bald abschließen zu können.“ Aufgrund Trumps Hin und Her bei den Zöllen hat Dr. Schär seine Strategie in den USA angepasst. Berger: „Wir versuchen, heute noch mehr Produkte vor Ort zu produzieren. Das war zwar immer schon unser Ziel, nun haben wir aber einen Grund mehr, das zu forcieren.“
Durst: „Nicht sonderlich optimistisch“

Zu den größten USA-Exporteuren Südtirols gehört weiters die Durst Group mit den beiden Unternehmen Durst und Alupress. „Wir haben im vergangenen Jahr sehr hohe Zollabgaben getätigt, insbesondere das Unternehmen Durst“, so der Präsident der Gruppe, Harald Oberrauch. Das Drucktechnologie-Unternehmen exportiert Drucksysteme in die USA. Alupress verfügt hingegen über eine Tochterfirma in den USA, sodass ein Teil der Ware vor Ort produziert wird und sich die zusätzlichen Zollabgaben in Grenzen hielten, wie Oberrauch erklärt. Insgesamt seien aber Abgaben in Millionenhöhe fällig gewesen.
Für jene Abgaben, die sich im Nachhinein als nicht rechtens erwiesen, haben sowohl Durst als auch Alupress eine Rückerstattung beantragt, über die entsprechende Webseite der US-Zollbehörde. Dafür mussten zahlreiche Dokumente eingereicht werden, Mitarbeitende des Unternehmens haben sich darum gekümmert. „Klassische Bürokratie eben“, so Oberrauch. Ein Teil der Summe ist bereits auf die Konten der Unternehmen eingegangen. „Wir sind aber nicht sicher, ob wir die Summe auch wirklich verbuchen können, denn verschiedene US-Institutionen fechten sie an.“ Er selbst ist „nicht sonderlich optimistisch“. In einigen Monaten wisse man wohl mehr.
TechnoAlpin: „Bis heute nicht eingegangen“

Der Hersteller für Beschneiungsanlagen, TechnoAlpin, wartet hingegen noch auf die Rückerstattung der unrechtmäßigen Zölle. „Bis heute ist noch keine Rückerstattung eingegangen. Es wurde uns mitgeteilt, dass wir sie bis Jahresende erhalten sollten“, sagt Nemanja Dogo, Executive Sales Manager.
Zölle, sagt Dogo, seien für sein Unternehmen stets ein wichtiges Thema, nicht nur, wenn es um Exporte in die USA geht. „Es ist Teil der täglichen Arbeit.“
Obwohl TechnoAlpin über einen Standort in den USA verfügt, werden die Schneekanonen in Bozen produziert und dann mit Containerschiffen in die USA gebracht. „Es handelt sich um einen riesigen Markt für uns“, sagt Dogo. Infolge der Zölle seien die Preise angehoben worden. „Unsere Systeme gelten als Premiumprodukt. Wenn sich ein Kunde dafür entscheidet, ist er auch bereit, etwas mehr dafür zu zahlen.“ Wichtig sei, offen mit der Kundschaft zu kommunizieren.
Dieser Artikel erschien in der gedruckten SWZ mit folgendem Titel: Geld zurück, ohne Garantie



















