Bozen – Mit dem Recruiting Event Südtirol versucht die BLS seit 2012 alljährlich im Herbst (siehe beigestellte Infobox 2), eine Plattform für Südtiroler Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte zu schaffen, mit dem Ziel, Angebot und Nachfrage im Bereich Arbeit zusammenzuführen. Doch gelingt das auch? Oder fehlt es an den Voraussetzungen und am Umfeld, damit Südtiroler Unternehmen überhaupt fähige Arbeitskräfte von außerhalb der Region anziehen können? Ist Südtirol als Arbeitsort attraktiv? Die SWZ hat bei Unternehmen, die am Recruiting Event teilgenommen haben bzw. teilnehmen, nachgefragt.
„Immer mehr Arbeitnehmer – gerade Fach- und Führungskräfte – sind heute nicht einfach auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Sie suchen das Gesamtpaket“, weiß Philipp Weifner, beim Bozner Personalberatungsunternehmen Business Pool für das Recruiting zuständig. Dieses Paket umfasse den Job und dessen Bezahlung, die Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb und die Zusatzleistungen, die ein Arbeitgeber bietet. „Außerdem ist das Umfeld wichtig, die Lebenshaltungskosten, die Freizeitmöglichkeiten.“ Nun sind die Lebenshaltungskosten in Südtirol bekanntermaßen hoch, dafür begeistert das Land manche Zu- bzw. Rückwanderer wegen der Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Doch reicht das, um ein attraktiver Arbeitsort zu sein?
Barbara Jäger, Gründerin und Gesellschafterin von Business Pool, ist sich sicher, dass Südtirol für Arbeitnehmer von außerhalb attraktiv ist. Ein Manko des heimischen Arbeitsmarktes sei jedoch die Unbekanntheit vieler Unternehmen. „Es gibt viele ganz, ganz tolle Unternehmen, die international sehr erfolgreich sind – die aber in Südtirol selbst kaum jemand kennt“, sagt Jäger. „Diese Unternehmen müssen beim Employer Branding ansetzen.“
Alexander Ploner, Leiter Personalwesen bei der Sterzinger Leitner-Gruppe, dagegen glaubt, dass der Südtiroler Arbeitsmarkt als Ganzes für Auswärtige durchschnittlich attraktiv ist. „Vor allem sind es einzelne Stellen, die wirklich attraktiv genug sind, damit Bewerber dafür umziehen“, sagt Ploner und fügt hinzu, dass es grundsätzlich schwierig und mit großem Aufwand verbunden sei, „als großes Unternehmen, das innerhalb eines kleinen Arbeitsmarktes viele qualifizierte Mitarbeiter braucht“, Mitarbeiter zu finden. „Was uns am meisten fehlt, ist die Auswahlmöglichkeit, denn gerne würden wir die Besten aus vielen Guten auswählen“, so Ploner. „Umso wichtiger ist es für uns, hochqualifizierte Mitarbeiter aus Südtirol anzusprechen.“
Doch letztlich hängt es wohl von der persönlichen und beruflichen Situation eines Bewerbers ab, ob er Südtirol als attraktiv empfindet. „Für Südtirol entscheiden sich jene Bewerber, welche insbesondere die gute Lebensqualität, den hohen Freizeitwert und die Interkulturalität schätzen. Qualifizierte Mitarbeiter, welche bereits zu Beginn ihrer beruflichen Karriere einige Jahre Erfahrung im Ausland gesammelt haben, sind nun motiviert, sich in Südtirol in Unternehmen einzubringen, welche durch innovative und qualitativ hochwertige Produkte und Lösungen überzeugen“, erklärt Kathrin Garbislander, Human Resources Manager beim IT-Dienstleister Würth Phoenix.
Durch die wirtschaftliche Lage der vergangenen Jahre gestaltet sich die Mitarbeitersuche für bestimmte Unternehmen mittlerweile weniger schwierig. „Aufgrund der veränderten Arbeitsmarktsituation erhalten wir immer mehr Rückmeldungen auf offene Stellen“, erklärt Andreas Dissertori, Bereichsleiter Human Resources der SEL Group.
Das wohl größte Hindernis für hochqualifizierte Bewerber, die von außerhalb nach Südtirol kommen möchten, sind die geforderten Sprachkenntnisse. „Für unseren Standort Bozen verlangen wir gute Deutsch-, Italienisch- und Englischkenntnisse“, sagt Kathrin Garbislander von Würth Phoenix. Die Mehrsprachigkeit stelle zwar eine Herausforderung für die Personalsuche dar, sei aber für ein Unternehmen gleichzeitig eine große Chance, um sich auf internationalen Märkten durchzusetzen und zu behaupten. „Die Mehrsprachigkeit unserer rund 130 Mitarbeiter ist Voraussetzung, um flexibel auf die Veränderungen im schnelllebigen IT-Geschäft reagieren zu können“, unterstreicht Garbislander. „Hinzuzufügen ist auch, dass die Schwierigkeit, geeignete Arbeitskräfte zu finden, in unserm Falle auch mit unserem hochspezialisierten Tätigkeitsfeld zusammenhängt: Im Bereich Consulting, Projektleitung und Entwicklung für ERP und CRM-Software auf Basis von Microsoft Dynamics sowie im Umfeld von Open-Source-Überwachungslösungen haben wir einen Personalaufbau von etwa zehn Prozent geplant.“
Auch der relativ abgelegene Standort hält manchen von einem Umzug nach Südtirol ab. „Dazu kommen familiäre Verbindungen und andere Besonderheiten, wie die hohen Lebenshaltungskosten, die Bewerber aus dem Ausland zögern lassen“, weiß Alexander Ploner von der Leitner-Gruppe. „Jene, die wirklich umziehen wollen, haben normalerweise bereits vorher einen Bezug zu unserem Land oder zu unserem Produkt und bewerben sich direkt bei uns.“
Die Leitner-Gruppe wird an der heurigen Ausgabe des Recruiting Events nicht mehr teilnehmen. „Es ist selbstverständlich, dass wir jede Möglichkeit prüfen, interessante Bewerber zu finden. Allerdings ist die Kombination aus Karrieremesse und gleichzeitigem Bewerbungsprozess vor allem für Bewerber mit Berufserfahrung problematisch, da der Bewerbungsprozess an sich ein hochsensibler und vertraulicher Prozess ist, der durch den Eventcharakter der Veranstaltung für uns nicht gewährleistet ist“, begründet Ploner. „Zudem glauben wir, dass gute Kandidaten wissen, was sie wollen, und sich direkt bei den Unternehmen oder bei der Personalagentur ihres Vertrauens bewerben.“
Der Kritikpunkt „mangelnde Vertraulichkeit“ war von mehreren teilnehmenden Unternehmen gekommen. Deshalb soll das Recruiting Event in diesem Jahr zumindest ohne mediale Beteiligung ablaufen.
Es gibt auch Lob für das Recruiting Event. Kathrin Garbislander bezeichnet die Veranstaltung als eine „gute Aktion“. „Die Recruiting Events der BLS sind mittlerweile über Südtirol hinaus bekannt“, sagt Andreas Dissertori und fügt an, dass die SEL durch das Event bereits Mitarbeiter gefunden hat und sich zudem einige „interessante Kontakte“ ergeben hätten. Und für Barbara Jäger ist der „Ansatz Recruiting Event nicht schlecht. Allerdings können sich die Unternehmen nicht alleine auf die BLS verlassen, sondern müssen auch das Ihre dazutun. Vielleicht könnte die BLS den Betrieben auch Hilfestellung geben, damit diese lernen, sich zu präsentieren.“
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