Bozen/Innsbruck/Brixen – Acht Auflagen hat das Südtiroler Wirtschaftsforum inzwischen hinter sich – acht Auflagen, bei denen unter anderem der ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus, Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, Mafia-Jäger Leoluca Orlando, Motivationskünstler Christian Bischoff und Persönlichkeiten wie Hermann Scherer, Michel Friedman, Marco Freiherr von Münchhausen, Anthony Fedrigotti, Susanne Riess-Passer, Riccardo Illy, Alberto Alessi und Dominik Neidhart jeweils mehrere Hundert Teilnehmer anlockten und begeisterte Zuhörer fanden. Vor einem Jahr referierten der Manager Peter Bettermann, Herr über 34.000 Mitarbeiter, der Extremkletterer Heinz Zak, n-tv-Chef Hans Demmel und die Parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche. Längst hat sich das Wirtschaftsforum als beliebter und exklusiver Treffpunkt für Unternehmer, Führungskräfte und Entscheider etabliert. Vor allem macht wohl das Konzept, das die Veranstalter (Management Center Innsbruck, Harrasser & Partner, Business Bestseller) gewählt haben, den besonderen Reiz aus:
Vier Referenten dienen als Impulsgeber für das eigene Berufsleben, wobei Wert auf eine gesunde Mischung zwischen Information und Unterhaltung gelegt wird.
Die Teilnehmer haben in ausführlichen Fragerunden die Möglichkeit, persönlich mit den Referenten zu kommunizieren – sozusagen auf du und du mit Charakterköpfen.
Äußerst beliebt ist das Wirtschaftsforum schließlich als Plattform für den Austausch und die Kontaktpflege untereinander.
Kurzum, das Nützliche wird mit dem Angenehmen verbunden. Bei der neunten Auflage der Topveranstaltung wird dies wohl nicht anders sein. Zwar ist die Zeit von Unternehmern und Führungskräften in der Regel ein knappes Gut, trotzdem werden sich wohl auch diesmal am 19. April mehrere Hundert Personen im Forum Brixen einen (Freitag-)Nachmittag reservieren, um sich Anregungen zu holen. Das diesjährige Thema lautet „Risiken zu Chancen machen – Gegen den Strom zum Erfolg“.
Das halb deutsche, halb italienische Referenten-Quartett – zwei international erfolgreiche Unternehmer, ein Ökonom und eine Sportlerpersönlichkeit – verspricht ein abwechslungsreiches Programm: Der Bekannteste im Bunde ist sicher Kristian Ghedina, der für seine Gesprächigkeit und Unterhaltsamkeit berühmt ist. Eine schillernde Persönlichkeit ist auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der als einer von Deutschlands Vorzeigeunternehmern gilt. Wie ein relativ kleines Unternehmen international erfolgreich sein kann, zeigt Alessandro Hausbrandt, Spross der gleichnamigen Triestiner Kaffeeröster-Dynastie. Als einer, der gegen den Strom fließt, darf schließlich der deutsche Ökonom Richard A. Werner bezeichnet werden, ein Kritiker von Zentralbanken und Banken.
Die Referate, die sich mit Fragerunden abwechseln, beginnen um 14 Uhr. Ab 18.30 Uhr bieten die Veranstalter einen kulinarischen Tages- und Wochenausklang.
Die Südtiroler Wirtschaftszeitung gehört wie der Unternehmerverband seit den Anfängen des Wirtschaftsforums zu dessen überzeugten Partnern. Die SWZ wird in den nächsten Wochen im Rahmen von Vorab-Interviews mit den einzelnen Referenten näher auf die Inhalte der diesjährigen Auflage eingehen.(cp)
Info
Die Referenten
Der Rebell
Der deutsche Ökonom Richard A. Werner, Jahrgang 1967, gilt als kreditpolitischer Querdenker. Er kritisiert seit Jahren die Geldpolitik der Zentralbanken und ganz allgemein das internationale Bankensystem. Schon 1991 warnte er vor dem Zusammenbruch des japanischen Bankensystems und vor der Gefahr der größten Rezession seit 1929. Sein Buch „Princess of the Yen“ über die japanische Zentralbank wurde 2001 zum Bestseller. Zwei Jahre später wählte ihn das Weltwirtschaftsforum in Davos zum „Global Leader for Tomorrow“.
Richard A. Werner lehrt derzeit Internationales Bankgeschäft an den Universitäten Southampton und Frankfurt am Main. Zuvor sammelte er weitreichende Erfahrungen in der Bankenwelt, vor allem in Japan, wo er unter anderem für die staatliche „Development Bank of Japan“, die japanische Zentralbank und das japanische Finanzministerium arbeitete. 1994 wurde er Chefökonom von Jardine Fleming Securities, bevor er sich 1998 mit einem Beratungsunternehmen selbstständig machte und selbst Gründer eines Hedge Fonds wurde.
Alessandro Hausbrandt, Jahrgang 1964, trägt einen berühmten Namen – vor allem Kaffeetrinkern ist der Name ein Begriff. Tatsächlich gilt Alessandros Urgroßvater Hermann Ernest Hausbrandt als Erfinder des Espresso. Der Aufstieg Triests zur „Hauptstadt des Kaffees“ ist eng mit dem Namen Hausbrandt verbunden.
Alessandro Hausbrandt ist Gründer und Geschäftsführer seines eigenen Kaffee-Unternehmens. Mit „Antica Tostatura Triestina“, kurz ATT Caffè, setzt er die Tradition seiner Vorfahren fort und macht vor, dass internationaler Erfolg nicht zwangsläufig eine Frage der Unternehmensgröße ist, sondern vielmehr eine Frage des Produkts und der Unternehmensphilosophie. Antica Tostatura Triestina exportiert seinen Kaffee in 26 Länder und konzentriert sich in erster Linie auf die gehobene Gastronomie. Hergestellt wird der Kaffee mit der traditionellen und weitgehend vergessenen Holzröstung, welche viel handwerkliches Geschick erfordert.
Die Marke Hausbrandt hat Alessandro Hausbrandts Vater 1988 an die Familie Zanetti verkauft.
Der schwäbische Industrielle Wolfgang Grupp, Jahrgang 1942, ist einer von Deutschlands Vorzeigeunternehmern. Seine Textilfirma Trigema produziert und vertreibt mit rund 1.200 Mitarbeitern Sport- und Freizeitbekleidung, wobei die Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgt – reichlich ungewöhnlich in der Textilbranche. Grupp kritisiert Manager, welche Arbeitsplätze ins Ausland verlegen, und tritt als Verfechter des Wirtschaftsstandortes Deutschland auf. 2005 erhielt Grupp für sein rhetorisches Engagement für Deutschland den Cicero-Rednerpreis in der Kategorie Wirtschaft. Manager sollten persönlich für ihre Entscheidungen haften, sagt er, und persönlich haftenden Firmeninhabern sei die Hälfte der Einkommenssteuer zu erlassen. Wegen seiner zum Teil exzentrischen Auftritte ist der Trigema-Alleininhaber ein zugleich beliebter und gefürchteter Talkshow-Gast. Bekanntheit erlangt hat Wolfgang Grupp auch durch Fernsehwerbung mit einem Schimpansen.
Grupp übernahm 1969 das Unternehmen von seinem Vater mit zehn Millionen D-Mark Schulden.
Kristian Ghedina, Jahrgang 1969, war während seiner Karriere als Skirennläufer der Mann für das Spektakuläre: der Autounfall samt neun Tagen Koma zu Beginn seiner Karriere 1991, die Begegnung mit einem Reh auf der Abfahrtsstrecke in Gröden 2004 und die Grätsche bei 140 Stundenkilometern am Zielsprung in Kitzbühel 2004 bleiben unvergessen, genauso wie die zwei Vize-Weltmeistertitel und 14 Weltcupsiege, die Ghedina zu einem der erfolgreichsten Abfahrer aller Zeiten machten. Wie süchtig er nach der Geschwindigkeit ist, zeigte Ghedina nach seiner Skikarriere, als er sich im Motorsport versuchte. Und auch der Skisport hat ihn nie ganz losgelassen – in der zu Ende gehenden Weltcupsaison war Ghedina beispielsweise Berater von Topathlet Ivica Kostelic.
Obwohl Ghedina seine Skikarriere bereits 2006 beendet hat, ist seine Popularität bis heute ungebrochen – nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland. Maßgeblich hängt dies mit der Lebensfreude zusammen, die der sympathische und für jeden Spaß zu habende Kristian Ghedina versprüht.
9. Südtiroler Wirtschaftsforum am Freitag, 19. April, 13.30 – 18.30 Uhr, Forum Brixen
„Risiken zu Chancen machen – Gegen den Strom zum Erfolg“
13.30 – 14 Uhr: Eintreffen und Registrierung der Teilnehmer
14 – 15 Uhr: Richard Werner, Finanzmarktökonom, Professor an der University of Southampton: Das Krisensystem, und wie wir uns wehren können
15 – 16 Uhr: Alessandro Hausbrandt, Spross der gleichnamigen Triestiner Kaffeeröster-Dynastie: Herausforderung Globalisierung für kleine und mittlere Unternehmen
16 – 16.30 Uhr: Pause
16.30 – 17.30 Uhr: Wolfgang Grupp, Inhaber und Geschäftsführer der Textilfirma Trigema: Gegen den Strom – Erfolgsprinzipien eines Mittelständlers
17.30 – 18.30 Uhr Kristian Ghedina, ehemaliger Skistar und Publikumsliebling: Mai zede – Niemals aufgeben
18.30 – 20 Uhr Ausklang mit Buffet
Moderation: Christian Pfeifer, SWZ
Simultanübersetzung: ins Italienische bzw. Deutsche für alle Vorträge
Tagungsgebühr: 240 Euro + MwSt.; Frühbucherbonus bei Anmeldung bis 26. März: 190 Euro + MwSt.
Informationen: www.wirtschaftsforum.it, E-Mail office@wirtschaftsforum.it, Tel. 0471-912 888