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SWZquergedacht

Wir rufen immer öfter nach der öffentlichen Hand, sind aber immer weniger bereit, uns zum Wohle aller einzubringen. Wer sich daran stößt, sollte Ursachenforschung betreiben: Was kriegen wir für unser Geld?

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
7. Februar 2014
in Allgemein
Lesezeit: 3 mins read

Ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.“ Dies hat John F. Kennedy in seiner berühmten Antrittsrede als US-Präsident im Jahr 1961 gesagt: Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt. Das war ein kluger und wahrer Satz zu seiner Zeit, und vielen Menschen guten Willens scheint, dass der Appell an den Gemeinsinn mehr als 50 Jahre nach der Rede Kennedys so aktuell ist wie noch nie.

Wir alle (oder die meisten von uns) rufen ständig nach der öffentlichen Hand: Der Staat, das Land, die Gemeinde sollen helfen, fördern, unterstützen, verbieten, ausbilden, absichern, vorsorgen. Und wir selbst? Was tun wir für unser Land? Wie sehr schauen wir nur auf uns, wie viel Gemeinsinn bringen wir auf, was geben wir über das hinaus, was wir geben müssen? Oder geben wir überhaupt das, was wir laut Steuergesetz geben müssten?

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Die Gewissenserforschung fällt diesbezüglich gar nicht so schlecht aus! Die meisten von uns tun viel für ihr Land, und da es einer Minderheit gelingt, nichts zu tun, muss die Mehrheit sogar sehr viel zum Unterhalt des Gemeinwesens beitragen. Die Tatsache, dass über 50 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts über öffentliche Haushalte fließen und Bezieher eines mittleren Einkommens (60.000 Euro brutto im Jahr) etwa 45 Prozent an direkten und indirekten Steuern abgeben müssen (die Sozialabgaben gar nicht eingerechnet), zeigt, wie stark wir für das Land (den Staat) da sein müssen.

Die USA waren vor 50 Jahren noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das vom Pioniergeist der Siedler und Goldgräber beseelt war, das nach Freiheit und Abenteuer roch, in dem jeder seines Glückes Schmied war und wo das Individuum noch zählte, nicht bloß das Kollektiv. Die Amerikaner hatten damals allen Grund, sich zu fragen, was sie für ihr Land tun können. Insofern war die Feststellung Kennedys ein Appell ans Gewissen freier, mündiger und leistungsfähiger Bürger, doch ein Mehr zum Allgemeinwohl beizutragen und die eigene Gemeinschaft zu stärken.

Müssen oder sollen wir uns in Südtirol bzw. in Italien heute auch fragen, was wir für unser Land tun können? Grundsätzlich ja – und viele Südtiroler fragen nicht nur, sondern handeln. Kaum in einer anderen Region sind so viele Menschen ehrenamtlich tätig und engagieren sich in gemeinnützigen Vereinen. Auch dann, wenn Not am Mann ist, wenn eine Mure Häuser verschüttet oder eine Bergbauernfamilie wegen des Todes des Bauern in finanzielle Bedrängnis kommt, lassen sich die Südtiroler nicht lumpen. Anderseits wird aber auch der Ruf nach öffentlicher Hilfe und öffentlichem Engagement immer lauter, obwohl Staaten und Regionen bereits seit vielen Jahren in fast allen Bereichen lenkend und in der Folge fördernd eingreifen. „L‘État, c‘est moi!“, der Staat bin ich, soll der absolutistische König Ludwig XIV. von Frankreich vor 300 Jahren gesagt haben. Die demokratischen Herrscher von heute stellen etwas anderes fest: Der Staat ist überall!

Was würde John F. Kennedy wohl sagen, wenn er aus dem Jenseits zurückkommen könnte und seine Rede heute in Südtirol halten müsste? Würde er die Südtiroler wie einst seine Landsleute auffordern, nicht zu fragen, was das Land für sie tun kann, sondern was sie für ihr Land tun können? Oder würde er nach einer gründlichen Analyse der Entwicklung und Lage heute etwas ganz anderes sagen, nämlich das genaue Gegenteil: „Ask not what you can do for your country – ask what your country can do for you“, also: Frag nicht, was du für dein Land tun kannst, sondern frag, was dein Land für dich tut!

Genau das tun heute immer mehr Bürgerinnen und Bürger. Sie fragen sich: Was kriege ich für mein Geld, das ich regelmäßig reichlich an den Staat (das Land) überweisen muss? Wie gehen die Verwalter damit um? Verteilen sie es zuweilen sehr ungerecht um? Schmeißen sie es teilweise unbedacht zum Fenster hinaus? Vergeuden sie es, finanzieren sie damit unsinnige Dinge? Setzen sie die Mittel effizient ein – oder lassen sie immer wieder jede Sorgfalt vermissen und erhöhen einfach erneut die Steuern, wenn es wieder einmal hinten und vorne nicht reicht, obwohl es eigentlich leicht reichen müsste?

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der gute alte Kennedy heute nicht mehr den Menschen ins Gewissen reden würde, sich stärker für ihr Land einzusetzen, sondern die Landespolitiker dazu auffordern würde, sich mehr für die Menschen einzusetzen, ihnen wieder mehr Eigenverantwortung zu geben und die erlahmten individuellen Kräfte zu reaktivieren.

Wir müssen nämlich längst mehr für unser Land tun, als diesem guttut.

Schlagwörter: 05-14Englishfreenomedia

Ausgabe 05-14, Seite 7

Robert Weißensteiner

Robert Weißensteiner

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