Bozen – Im Rahmen des neuen SWZ-Politbarometers wurde nicht nur die aktuelle politische Stimmung in Südtirol eingefangen (SWZ 34/26 und 36/26). In der repräsentativen Umfrage, welche das Institut Apollis im Auftrag der SWZ durchgeführt hat, wurde auch erörtert, wie die Südtiroler:innen über die lokalen Medien denken. Fakt ist, dass die klassischen Medien – Zeitungen, Fernsehen, Radio – tendenziell Nutzer:innen verlieren. Das hat eine ASTAT-Untersuchung im vergangenen Jahr bestätigt.
Klassische Medien bleiben gefragt
Wie ausgiebig informieren sich die Südtiroler:innen also in den Medien? Und was denken sie sich dabei? Nur ganz wenige Befragte – genauer: zwei Prozent – geben an, überhaupt keine Medien zu konsumieren, um über das aktuelle Geschehen Bescheid zu wissen. Informationsmuffel sind die Südtiroler:innen folglich keine, zumindest in der Selbstwahrnehmung.
Ein knappes Viertel – 23 Prozent – bevorzugt das Internet oder lässt sich in den sozialen Medien von den Algorithmen treiben. Drei Viertel der Befragten – 74 Prozent – informieren sich hingegen tatsächlich immer noch ganz klassisch über Fernsehen, Radio und Printmedien.
Davon sagen 28 Prozent, dass sie die gesamte Medienpalette nutzen, also sowohl Fernsehen, Radio und Zeitungen als auch das Internet und die sozialen Medien, während sich 46 Prozent eher auf die guten alten Kanäle verlassen: Fernsehen, Radio, Printzeitungen. Das tun übrigens öfter die Frauen (51 Prozent) als die Männer (43 Prozent).
Junge zieht es ins Internet
Freilich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Alterskategorien. Während sich die über 65-Jährigen zu 77 Prozent vorwiegend über Fernsehen, Radio und Zeitungen informieren, fällt dieser Prozentsatz bei den unter 50-Jährigen drastisch auf 27 Prozent. In dieser Altersklasse nutzt ein gutes Drittel der Befragten klassische Medien und das Internet parallel. Ein weiteres Drittel beschränkt sich eher auf das Internet.
Für die Medienhäuser sind diese Altersunterschiede im Nutzungsverhalten nichts Neues. Helmuth Pörnbacher von Apollis stellt die Frage in den Raum, was passiert, wenn die Jungen älter werden: „Wechseln sie dann auf klassische Medien oder bleiben sie bei ihren heutigen Gewohnheiten? Wenn Letzteres der Fall ist, dann wird sich der Stellenwert der klassischen Medien stark ändern.“ Es sei denn, es gelingt ihnen, online zu einer ähnlich starken Marke zu werden wie offline.
Sprachrohre der Mächtigen
Spannend wird es, wenn speziell auf Südtirols Lokalmedien Bezug genommen wird. Das Ergebnis, welches die Apollis-Umfrage ergibt, ist für die Medienhäuser passabel – und trotzdem nicht wirklich erfreulich. Immerhin 64 Prozent der Südtiroler:innen sind mit dem Medienangebot „sehr“ oder „eher“ zufrieden, ohne größere Unterschiede zwischen den Bildungsgraden, aber mit tendenziell sinkenden Werten, je jünger die Befragten sind.
„Sehr zufrieden“ sind allerdings nur 23 Prozent, also nicht einmal ein Viertel. In der ladinischen Sprachgruppe steigt der Wert auf ansehnliche 37 Prozent, in der italienischen Sprachgruppe sackt er auf elf Prozent ab. Die deutsche Mehrheitsbevölkerung liegt irgendwo in der Mitte (27 Prozent).
Mit den Lokalmedien zufrieden zu sein bedeutet noch lange nicht, ihnen auch zu vertrauen. Obwohl 64 Prozent der Befragten sagen, „sehr“ oder „eher“ zufrieden zu sein, geben nur 52 Prozent an, ihnen „sehr“ oder „eher“ zu vertrauen. Dass sie ihnen „sehr“ vertrauen, sagen quer durch alle Altersklassen sogar nur elf bis 13 Prozent.
Noch weniger erfreulich ist für die Lokalmedien ein anderes Ergebnis: 61 Prozent der Südtiroler:innen haben den Eindruck, die lokalen Medien seien „lediglich ein Sprachrohr der Mächtigen“. Helmuth Pörnbacher kommentiert: „Dieser Wert ist schon verdammt hoch.“ Und er sei höher als in vergleichbaren Umfragen etwa in Deutschland. In der deutschen und ladinischen Sprachgruppe ist er stärker ausgeprägt (64 Prozent) als in der italienischen (52 Prozent).
Bedenkliche Konzentration
Eine seit Langem schwelende Debatte ist jene über die Vielfalt der Südtiroler Medienlandschaft. Die Diskussion ist neu entbrannt, als die Athesia-Gruppe, der die Tageszeitungen Dolomiten und Alto Adige sowie das Onlineportal Stol gehören, im Frühjahr zusätzlich die meistgehörten Privatradios Südtirols (u. a. Südtirol 1, Radio Tirol, Antenne Südtirol und Radio 2000) sowie den Nachrichtenproduzenten RMI akquiriert hat. Selbst Landeshauptmann Arno Kompatscher äußerte sich kritisch, während der neue Athesia-Chef Georg Ebner im SWZ-Interview entgegnet: „Wir haben stets versucht, uns redaktionell so wenig wie möglich einzumischen.“ Aber man brauche Synergien (SWZ 35/26).
Die Südtiroler:innen sind geteilter Meinung. Für 50 Prozent von ihnen ist Südtirols Medienlandschaft durchaus bunt und spiegle verschiedene Sichtweisen wider. Die andere Hälfte ist anderer Ansicht. Und auch die Medienkonzentration halten 54 Prozent für bedenklich, 39 Prozent hingegen nicht (sieben Prozent können sich nicht entscheiden). „Die starke Konzentration scheint viele Südtiroler:innen nicht zu beunruhigen, auch wenn viele sagen, dass nur die Mächtigen in den Medien anschaffen“, analysiert Helmuth Pörnbacher.
Besonders kritisch äußern sich die Jungen: 61 Prozent der unter 34-Jährigen halten die Medienkonzentration in Südtirol für bedenklich. Bei den über 65-Jährigen sind es nur 50 Prozent. Am stärksten ausgeprägt sind die Bedenken in der deutschen Sprachgruppe (60 Prozent), während die Italiener:innen (45 Prozent) und Ladiner:innen (34 Prozent) gelassener sind.
Um die Unabhängigkeit der Lokalmedien machen sich ebenfalls 50 Prozent der Südtiroler:innen Sorgen, die Deutschen stärker als die Ladiner:innen und Italiener:innen. „Sehr besorgt“ sind 20 Prozent. Im europäischen Vergleich beschäftigt die Südtiroler:innen die Unabhängigkeit der Medien aber offenbar weniger stark.
Das Eurobarometer 2025 hat ergeben, dass sich beachtliche 81 Prozent der Bevölkerung Sorgen um die Unabhängigkeit der Medien machen: 56 Prozent sind „sehr besorgt“ und 25 Prozent immerhin „mäßig besorgt“. Wenngleich Gegenüberstellungen von verschiedenen Umfragen immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sind, weil die Methodiken abweichen könnten, ist der Unterschied doch eklatant.
In Südtirol wächst die Sorge übrigens mit abnehmendem Alter. Während sich 59 Prozent der unter 34-Jährigen besorgt äußern, tun dies bei den über 65-Jährigen nur 42 Prozent. Selbstständige sind etwas besorgter als abhängig Beschäftigte (57 zu 52 Prozent).
Die Schlussfolgerung aus all den Zahlen: Südtirols Lokalmedien schlägt eine gewisse Skepsis der Bevölkerung entgegen. Aber hoffnungslos verloren sind sie nicht.
IN DER NÄCHSTEN SWZ Wem die Südtiroler:innen die Nachfolge von Arno Kompatscher zutrauen. Bereits erschienen: Wie Südtirol wählen würde, wenn heuer Landtagswahlen wären – und wie zufrieden es mit der Arbeit von Landesregierung und Landeshauptmann ist (SWZ 34/26). Welche Landespolitiker:innen das höchste Ansehen genießen – und welche verlieren (SWZ 36/26).
Methodische Informationen
Auftraggeber: Südtiroler Wirtschaftszeitung SWZ
Durchführung: Apollis – Institut für Sozialforschung und Demoskopie
Erhebungszeitraum: Ende Juni bis Ende Juli 2026
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Südtirol
Auswahlverfahren: Geschichtete Zufallsauswahl aus amtlichem Telefonbuch, ergänzt um Apollis-Panel
Repräsentativität: Gewichtet nach Geschlecht, Altersklasse, Bezirksgemeinschaft, Stadt/Land, Bildungsgrad und Ergebnissen der Landtagswahlen 2023
Befragungsart: Telefoninterviews mittels CATI-Technik
Fallzahl: 1.005 Befragte
Vertrauensbereich: Die statistische Schwankungsbreite beträgt bei einem Anteilswert von 50 Prozent rund drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von fünf Prozent unter 1,4 Prozentpunkte.



















