Bozen – Viele Supermarktketten bieten heute spezielle Apps für das Smartphone an. Den Nutzenden winken Rabatte, exklusive Coupons, Bonusaktionen oder Gewinnspiele. Einige Apps umfassen auch eine Bezahlfunktion, wofür bei der Registrierung ein Zahlungsmittel bzw. die Kontodaten anzugeben sind. Primäres Ziel der Anbieter ist es, die Verbraucher:innen an das eigene Unternehmen zu binden, sodass diese häufiger dort statt bei der Konkurrenz einkaufen.
Silke Raffeiner von der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) betrachtet die Supermarkt-Apps kritisch: „Für mich als Verbraucherschützerin stellt sich die Frage, ob wirklich die Verbraucher:innen von der App-Nutzung profitieren oder nicht vielmehr die Handelsketten.“
Raffeiner verweist auf eine Untersuchung der Preisvergleichs-App Smhaggle für die Deutsche Presseagentur: Demnach liegt die tatsächliche Ersparnis durch die App-Rabatte lediglich zwischen 0,75 und maximal 2,29 Prozent, also zwischen 0,75 und 2,29 Euro pro 100 Euro.
Und eine repräsentative Befragung der deutschen Verbraucherzentralen kommt zum Schluss, Supermarkt-Apps würden die Nutzer:innen sogar dazu verleiten, mehr Geld auszugeben statt zu sparen: 67 Prozent der befragten App-Nutzer:innen gaben an, bereits zusätzliche Käufe getätigt zu haben, um eine bestimmte Anzahl an Punkten zu sammeln oder festgelegte Mindestsummen zu erreichen und dadurch erst von Angeboten oder Vergünstigungen zu profitieren. 60 Prozent der Nutzer:innen gaben an, ihr Einkaufsverhalten habe sich durch die Nutzung der App verändert.
„Kein Wunder: arbeiten die Anbieter doch mit psychologischen Tricks wie zeitlich befristeten Angeboten, angeblich begrenzten verfügbaren Mengen sowie spielerischen Elementen, die das Belohnungssystem im Gehirn ansprechen“, betont Silke Raffeiner. Auch ein manipulatives App-Design verleite die Nutzer:innen dazu, länger in der App zu verweilen und am Ende des Tages mehr Geld auszugeben.
Wichtige Daten für die Handelsketten
„Wer eine Supermarkt-App oder Treuekarte nutzt“, so Raffeiner, „sollte sich vor allem aber dessen bewusst sein, dass er oder sie dadurch zum gläsernen Menschen wird. Die üblichen Datenschutzeinstellungen sehen vor, dass man als Nutzer oder Nutzerin Informationen über Sonderangebote und Rabatte sowie personalisierte Werbung erhält, und dass die Daten für Marktanalysen verwendet werden.“
Dank der Nutzung der App oder einer Treuekarte würden die Handelsketten detaillierteste Informationen darüber erhalten, wann, wo, wie häufig und was diese Person in welcher Menge einkauft. „So ist es für die Händler ein Leichtes, ein Nutzungsprofil zu erstellen, das Kaufverhalten zu analysieren und in der Folge auch zu beeinflussen. Für minimale Preisvorteile verkaufen die Nutzer und Nutzerinnen ihre wertvollen Daten“, meint Raffeiner.
Sie rät: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich gut überlegen, ob sie unter diesen Bedingungen eine Supermarkt-App oder Treuekarte nutzen möchten. Wer sich dennoch dafür entscheidet, ist gut beraten, bei der Registrierung die Zustimmung zu einzelnen Bedingungen zu deaktivieren.“
Laut der VZS kann man durch den gezielten Einkauf von Aktionsangeboten verschiedener Händler mehr sparen als mit einem einzelnen Bonusprogramm.

















