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Süße und schwere Last

Die griechischen Staatsschulden betragen 320 Milliarden Euro und sind zu einem Politikum geworden. Aber die Euro-Partner stehen mit rund 9.740 Milliarden in der Kreide. Und um die USA und Japan steht es noch schlimmer.

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
17. Juli 2015
in International
Lesezeit: 3 mins read

Bozen – Das hoch verschuldete Griechenland bekommt wohl neues Geld zur Begleichung alter Schulden. Im Gegenzug muss das Land eine Rosskur über sich ergehen lassen, denn die Gläubiger wollen einen Boden im hellenistischen Fass sehen, bevor sie frisches Kapital hineingießen. Über der griechischen Tragödie wird aber oft das vergessen, was das „Handelsblatt“ kürzlich als „unbequeme Wahrheit“ bezeichnet hat: Die Schulden Griechenlands sind ein winziges Problem im Vergleich zu der Krankheit, die rund um den Globus grassiert. Die Schuldenuhren von Tokio über Peking und Rom bis nach Washington ticken ebenso unaufhörlich wie in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern: Zu Beginn dieser Woche wuchsen die Staatsschulden in den USA um 1.766 Dollar je Sekunde, in Frankreich um fast 2.200 Euro und in Großbritannien gar um 2.160 Pfund. Da gab sich Italien mit einem Zuwachs von 1.180 Euro je Sekunde noch bescheiden. Die 19 Euro-Staaten haben zusammen Schulden in Höhe von 9.750 Milliarden Euro, die 28 EU-Staaten bringen gar 12.500 Milliarden auf die Waage. Die gesamte Eurozone ist mit bald 95 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet. Um die griechischen Geldgeber und Bürgen ist es also gar nicht so gut bestellt.

Aber die Staatsschulden sind keine europäische Erscheinung. Absoluter Weltmeister ist Japan, das mit immer neuen Ausgaben zur Ankurbelung der Konjunktur Staatsschulden in Höhe von 9.560 Milliarden Euro angehäuft hat, das sind gut 250 Prozent seines BIP. In realen Zahlen führen aber die USA die Rangliste an: Über 17.600 Milliarden Euro an Krediten haben diese inzwischen laufen, das sind auch schon deutlich über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Und weiter geht die Reise: China steckt mit 4.450 Milliarden Euro in der Kreide. Mit einem Schuldenzuwachs von 250 Prozent im Zeitraum 2007 bis 2015 hat die Volksrepublik einen Rekord hingelegt und die USA sowie Spanien (je plus 180 Prozent) klar abgehängt. Allerdings ist die chinesische Wirtschaft in dieser Zeit ebenfalls stark gewachsen, und der Staat investiert sehr viel Geld in die dafür notwendige Infrastruktur. Die EU-Staaten, die USA, Japan und China haben zusammen gut 44.000 Milliarden Schulden – bei einer Weltwirtschaftsleistung von etwa 78.000 Milliarden Euro.

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Staatsschulden, hieß es lange Zeit, sind kein Problem. Sind sie auch nicht, wenn die Mittel so investiert werden, dass die Wirtschaft nachhaltig wächst, die Steuereinnahmen ohne Erhöhung des Steuerdrucks zunehmen und die Anleger darauf vertrauen, dass die Staaten pünktlich zahlen. Aber das ist seit Langem nicht mehr der Fall. Sowohl die EZB als auch die Fed und andere Notenbanken müssen Staatspapiere aufkaufen, die Zinsen nahe null halten und den Markt mit Liquidität überschwemmen, um das System am Laufen zu halten. Ohne diese Interventionen und ohne Garantien durch Partnerländer wären manche Staaten schon bankrott, mit Sicherheit Griechenland, vielleicht auch andere Eurostaaten. Müsste Italien noch heute sieben und mehr Prozent Zinsen auf seine langjährigen Schuldverschreibungen bezahlen wie 2012, hätten die Ausgaben für den Schuldendienst von derzeit etwa 85 Milliarden im Jahr schon längst ein bedrohliches, nicht bloß gefährliches Ausmaß angenommen. Und Japan kann mit seinem Schuldenberg nur deshalb leben, weil es die eigenen Bürger sind, die dem Staat Kredit zu lächerlich niedrigen Zinsen eingeräumt haben. Aber wie lange noch? Was ist, wenn die überalterte japanische Bevölkerung das Geld für sich selbst benötigt? Nicht von ungefähr hat der japanische Zentralbankchef Haruhiko Kuroda die Haushaltssanierung als größte Herausforderung bezeichnet.

Alle Maßnahmen, die getroffen worden sind, bedeuten einen wertvollen Zeitgewinn, aber keine Problemlösung. Manche Volkswirte heben warnend den Zeigefinger, andere entdramatisieren. Dabei ist klar, dass die derzeitige Strategie nicht auf Dauer eingesetzt werden kann. Dazu kommt, dass auch Unternehmen und Privathaushalte stark verschuldet sind, laut einer McKinsey-Studie mit insgesamt fast 200 Billionen Dollar. Noch bezweifeln die Gläubiger die Solidität der Schuldner nicht. Die geschlossenen griechischen Banken haben gezeigt, was passiert, wenn dieses Vertrauen verloren geht.

Schlagwörter: 28-15freenomedia

Ausgabe 28-15, Seite 1

Robert Weißensteiner

Robert Weißensteiner

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