Bozen – Nachdem im Vorjahr die SWZ die Wirtschaftsgesinnung in Südtirol erhoben hatte, hat sich heuer auch das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen (Wifo) des Themas angenommen, wobei die beiden Umfragen aufgrund unterschiedlicher Fragestellungen nicht direkt miteinander verglichen werden können.
Ein zentrales Ergebnis der Wifo-Erhebung, für die im Juni 2025 rund 1.500 Südtiroler:innen befragt wurden: 95 Prozent haben eine gute oder sehr gute Meinung über die Wirtschaft. Ebenso werden die Unternehmen als sozial und ökologisch verantwortungsvoll wahrgenommen.
Nicht alle Sektoren sind gleich
Zwischen den einzelnen Wirtschaftssektoren zeigen sich jedoch Unterschiede: Der Tourismus gilt als attraktiver Sektor und wichtiger Motor für Wohlstand, wird aber auch mit negativen Aspekten wie Wohnungsnot, Verkehr und Lebenshaltungskosten in Verbindung gebracht. Die Industrie punktet mit Innovationskraft, hat aber ein schwächeres Umweltimage.
Das Handwerk wird als unterschätzt wahrgenommen, während die Landwirtschaft als wenig attraktiver Arbeitgeber gesehen wird, der jedoch stark zur Erhaltung des ländlichen Raums beiträgt.
Nicht nur die Löhne als Kritikpunkte
In Bezug auf die Südtiroler Unternehmen werden die Arbeitsplatzsicherheit und interessante Tätigkeiten besonders positiv hervorgehoben. Kritischer werden hingegen die Bereiche Gehalt, Karrierechancen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gesehen (siehe Grafik).
Eine Ausnahme bilden hier die Unternehmen im Tourismus: Laut der Bevölkerung stehen sie bei fast allen Merkmalen der Arbeitgeberattraktivität an der Spitze – nur nicht bei der Work-Life-Balance. „Der öffentliche Sektor wird im Vergleich dazu als deutlich attraktiverer Arbeitgeber bewertet, insbesondere was die Arbeitsplatzsicherheit und die Work-Life-Balance betrifft“, so das Wifo.
Sorgen um den Wohlstand
Die große Mehrheit (89 Prozent) stuft laut der Umfrage die eigene aktuelle wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut ein, allerdings blickt ein erheblicher Teil mit Skepsis in die Zukunft. Zwei Drittel derjenigen, die Veränderungen erwarten, gehen von einer Verschlechterung des Wohlstands aus.
Entsprechend steht das Thema Soziales bei 45,7 Prozent der Südtiroler:innen an erster Stelle der Prioritäten für die Landespolitik, gefolgt von Wirtschaft (32,4 Prozent) und Umwelt (21,9 Prozent).
Die Reaktionen
Handelskammer-Präsident Michl Ebner zeigt sich erfreut, dass über 95 Prozent der Bevölkerung der Südtiroler Wirtschaft und den Unternehmen positiv gegenüberstehen: „Dieses Vertrauen ist ein starkes Signal und bestätigt das Engagement unserer Betriebe für Stabilität, Innovation und gesellschaftliche Verantwortung.“
Wirtschaftslandesrat Marco Galateo sieht die starke Gewichtung sozialer Themen als „Auftrag an uns, Wohlstand breiter abzusichern – durch gute Arbeit, faire Löhne und Innovation, die allen zugutekommt“.
Und Tourismus- und Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher sieht die gute Lage der Südtiroler Wirtschaft als „Erfolg, der vor allem der starken sektorenübergreifenden Zusammenarbeit zu verdanken ist“. Gleichzeitig zeige sich, „dass gerade im Tourismus gemeinsame Anstrengungen unternommen werden müssen, um auf die Sorgen und Anliegen der Südtiroler Bevölkerung zu reagieren“.















