Bozen – Neue Strategien im Klimakampf für Südtirols Weinberge. Zwei Studien der Freien Universität Bozen zeigen, wie der Weinbau in Berglagen klimaresistenter werden könnte. Entscheidend seien vor allem die Steuerung zweier Faktoren: Traubenreife und Wasserversorgung.
Denn eine verfrühte Traubenreife hat zur Folge, dass sich in der Frucht schneller Zucker einlagert und gleichzeitig Säure verlorengeht. Dadurch können die Alkoholgehalte steigen und das Geschmacksprofil unharmonischer werden. Zudem setzen immer häufiger auftretende Trockenperioden die Rebstöcke unter Wasserstress.
Besonderheit Südtirols
Laut der Forschungsgruppe für Baum-Ökophysiologie an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Freien Universität Bozen biete Südtirol für den Weinbau besondere Voraussetzungen: Viele Weinberge lägen an sonnigen Hängen mit Böden, die Wasser nur begrenzt speichern könnten. Obwohl die Niederschläge im Vergleich zu vielen anderen europäischen Weinbauregionen relativ häufig seien, setzten bereits wenige Tage intensiver Hitze die Reben unter Stress.
„Unser Ziel war es herauszufinden, ob diese Maßnahmen auch in Weinbergen in Berglagen wirksam sind, deren Klima- und Bodenverhältnisse ganz andere Voraussetzungen mitbringen.“ Carlo Andreotti

„Viele der in den vergangenen Jahren entwickelten Anpassungsstrategien stammen aus deutlich wärmeren und trockeneren Weinbauregionen“, so Carlo Andreotti, Professor für Obst- und Weinbau an der Uni Bozen und Koordinator der Forschungsarbeiten. „Unser Ziel war es herauszufinden, ob diese Maßnahmen auch in Weinbergen in Berglagen wirksam sind, deren Klima- und Bodenverhältnisse ganz andere Voraussetzungen mitbringen.“
Ein besonders vielversprechender Verbündeter im Klimakampf sei laut ihren Ergebnissen der Einsatz eines Antitranspirationsmittels auf Basis von Pinolen, einem natürlichen Wirkstoff aus Kiefernharz. Wird er auf die Blätter der Rebe gespritzt, verzögert sich die Traubenreife um rund zehn Tage.
Rebsorten reagieren unterschiedlich auf Trockenstress
Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung ist die Frage, wie sich Trockenheit auf zwei der am häufigsten angebauten Weißweinsorten Südtirols – Sauvignon Blanc und Chardonnay – auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem der Zeitpunkt des Wasserstresses entscheidend ist. Tritt der Wassermangel direkt nach der Blüte oder in frühen Entwicklungsstadien der Beeren auf, sind die Ertragseinbußen schwerwiegender als bei einer Trockenperiode in späteren Reifephasen.
Zudem zeigte sich, dass Sauvignon Blanc deutlich empfindlicher auf Trockenheit reagiere, als Chardonnay.
Zukunfts-Fahrplan

Die Studienergebnisse liefern also eine Art Fahrplan für die Zukunft des Weinbaus in Südtirols Berglagen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Wasser: Sensoren können den Wasserhaushalt von Böden und Reben laufend erfassen und zeigen, wann die Pflanzen in besonders sensiblen Entwicklungsphasen gezielt bewässert werden müssen. Doch Technik allein reicht nicht aus. Ebenso gefragt sind widerstandsfähige Rebsorten und Maßnahmen, die den Reifeprozess der Trauben bremsen – damit Qualität und Charakter der Bergweine auch unter veränderten Klimabedingungen erhalten bleiben.
Eine Patentlösung gäbe es aber nicht, so Damiano Zanotelli, Professor für Obstbau an der Freien Universität Bozen und Mitautor beider Studien. „Die Anpassung an den Klimawandel wird nur gelingen, wenn verschiedene Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert und auf die Eigenschaften des jeweiligen Weinbergs abgestimmt werden – etwa auf Bodenbeschaffenheit, Rebsorte, Unterlage oder Reberziehung.


















