Bozen – Der Name Pierre de Coubertin ist in der aktuellen Sportwelt in Vergessenheit geraten. Dabei war es der Franzose gewesen, der im fernen 1894 beim Gründungskongress des IOC jene drei Wörter proklamierte, die den Geist der Olympiaden über Jahrzehnte prägen sollten: „schneller, stärker, weiter“. Dieses Motto ist aus der Mode gekommen. Heute heißt es viel mehr „Dabei sein ist alles“, wenn vom olympischen Geist gesprochen wird. Auch wenn die beinharte Realität hinter dem Wettkampf anders aussieht, wollte die institutionelle Sportwelt zumindest nach außen hin mit dem Fest des Sports und seinen verbindenden Gedanken und nicht mit dem puren Siegeswillen werben.
Sich nicht am Wettbewerbsgedanken festzuklammern, ist auch die Selbstvorgabe der SWZ bei der Erstellung der alljährlichen Rangliste der umsatzstärksten Südtiroler Unternehmen. Die Rangliste soll die Kräfteverhältnisse der Südtiroler Wirtschaftswelt abbilden, ohne dabei zu vergessen, dass die nackten Umsätze mitunter nicht die ganze Wahrheit über die Stärke eines Unternehmens sagen. In diesem Sinn sind die 65 umsatzstärksten Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen mit Rechtssitz in Südtirol in dieser SWZ-Ausgabe auf Seite 20 abgedruckt. Detaillierte Analysen dazu gibt es ab Seite 17.
Eines vorneweg: Die „Stärksten“ im Land sind enger zusammengerückt. Während auf Platz eins immer noch unangefochten der Lebensmittelkonzern Aspiag steht, hat der Zusammenschluss von SEL und Aew den neuen Energieriesen Alperia mit einem Umsatz von 1,38 Mrd. Euro auf Platz zwei gespült. Auf Rang drei landet wie schon in den letzten Jahren der Stahlproduzent Valbruna.
Die spannenderen Positionsverschiebungen ergeben sich dahinter. Die Leitner-Gruppe stößt auf Platz vier vor und bleibt größtes privates Unternehmen in Südtiroler Hand. Mit dem Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG und der Rubner-Gruppe schaffen es gleich zwei Unternehmen neu in die Top Ten. Dicht dahinter, auf Platz 11, folgt bereits Dr. Schär. Die Burgstaller Diätexperten schaffen es wie schon in den vier Jahren zuvor, zweistellig zu wachsen, und weisen 2015 einen Umsatz von 315,2 Mio. Euro aus.
Ähnlich stark zeigt sich Schweitzer. Das Unternehmen aus Naturns sorgt weltweit mit seinen Geschäftseinrichtungen für Furore und wächst dank der internationalen Aufträge nach zweistelligen Umsatzsteigerungen in den vergangenen beiden Jahren heuer gleich um fast vierzig Prozent.
Die Wachstumsrate von Schweitzer ist absolute Spitze, aber es fällt auf: Mehr als ein Fünftel der umsatzstärksten Südtiroler Unternehmen wachsen zweistellig. Das passt ins Gesamtbild einer äußerlichen Herz-Nieren-Kontrolle der größten heimischen Betriebe, die durchwegs positiv ausfällt. Zwölf von 50 Unternehmen weisen am Ende eines zwölfmonatigen Geschäftsjahres Umsatzrückgänge aus.
Die gesamte Wirtschaftsleistung wirkt auf den ersten Blick imposant: Die 50 größten Unternehmen Südtirols erwirtschaften zusammen einen Umsatz von 14,3 Milliarden Euro, wobei die ersten zehn Unternehmen der Rangliste mit 7,7 Milliarden Euro maßgeblichen Anteil daran haben. Ein kleiner Vergleich: 21,5 Milliarden Dollar (19,2 Mrd.) an Umsatz erwirtschaftete die Google-Mutter Alphabet in den ersten drei Monaten des Jahres 2016.
Während die oberen Plätze fest vergeben sind, haben viele Unternehmen im unteren Drittel der Rangliste und jene auf den Plätzen 50 bis 65 noch Luft nach oben. Drei Aufsteiger stechen heraus, weil sie es erstmals in die Top 50 der größten Südtiroler Unternehmen schaffen. Darunter ist zum einen die SAD, die vor Kurzem erst ihre spektakulären Pläne für den Ausbau des Südtiroler Nahverkehrssystems präsentiert und für Aufsehen gesorgt hatte. Mit einem Umsatz von 87,4 Millionen schafft es die SAD auf Platz 50 und zieht damit die untere Wertschöpfungsschallmauer in der Rangliste ein. Davor steht auf Platz 48 der Vertriebsableger des Informationstechnologie-Händlers Arrow ECS. Auf Platz 47 und damit erstmals unter die Top 50 kommt die Autotest-Gruppe.
Zwei Unternehmen müssen sich hingegen aus diesem Kreis verabschieden. Während das Straßenbau-Unternehmen Oberosler nach einem Umsatzminus von 6,9 Prozent von 50 auf 59 abfällt, liegt der Fall beim Podini-Unternehmen Maxi (Zuckerhandel) anders. Wie schon im Vorjahr teilte die Podini-Holding weder zu Maxi noch zur gesamten Gruppe Bilanzzahlen mit und hinterlegte diese auch nicht in der Handelskammer Bozen. In der SWZ-Unternehmensrangliste 2015 kam Maxi mit dem letztgenannten Umsatz aus 2013 von 413,8 Mio. Euro immerhin noch auf Rang zehn.
Anwärter auf eine Top-50-Platzierung im nächsten Jahr gibt es viele. Allen voran die Autoindustriale-Gruppe, die sich gleich um 28 Prozent steigert. Erfreuen dürfte vor allem die Bauern die Entwicklung der Milchhöfe von Sterzing (51) und Brixen (56): Trotz dem Ende der Milchquoten Ende April 2015 und folgendem Preisverfall halten sich die beiden Molkereigenossenschaften ebenso wie Bergmilch Südtirol (Platz 19) wacker. Das Schreckensszenario mit hohen Umsatzeinbußen ist (noch) ausgeblieben. Weitere Details auf den Seiten 17-22.















