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Südtirols Raiffeisenkassen: Klein, aber standhaft

BANKEN – In Südtirol gibt es noch 41 Raiffeisenkassen, inklusive der „Abtrünnigen“ Ritten und St. Martin. Die letzten Fusionen liegen schon einige Jahre zurück – und weitere Zusammenschlüsse sind derzeit nicht absehbar. Mittel- und langfristig dürften die Schwierigkeiten für die kleinen Kassen aber wieder zunehmen.

Heinrich Schwarz von Heinrich Schwarz
19. September 2025
in Geld, Südtirol
Lesezeit: 3 mins read

Blickt man nur gut 15 Jahre zurück, hat es gleich zwei Raiffeisen-Fusionswellen gegeben.

Bozen – In den vergangenen Jahren war es in der Südtiroler Raiffeisenwelt äußerst ruhig. Zuvor hatte es einiges an Bewegung gegeben. So gab es – wenn man nur gut 15 Jahre zurückblickt – gleich zwei Fusionswellen.

Mit 1. Jänner 2009 schlossen sich die Raiffeisenkassen Karneid-Steinegg, Völs und Tiers zur Raiffeisenkasse Schlern-Rosengarten zusammen. Ein Jahr später entstand aus den Kassen Branzoll-Auer und Leifers die Raiffeisenkasse Unterland. Und weitere zwei Jahre später wurde aus den Raikas Prad und Taufers im Münstertal die Raiffeisenkasse Prad-Taufers.

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Nach einer Pause wurde 2017 dann die Raiffeisenkasse Welschnofen in „Schlern-Rosengarten“ inkorporiert. Gleichzeitig vereinten sich die vier Kassen Terlan, Andrian, Nals und Mölten zur Raiffeisenkasse Etschtal. Und seit 2018 gibt es die Raiffeisenkasse Untervinschgau als Zusammenschluss von Naturns, Tschars und Schnals.

Während die Fusionen recht reibungslos über die Bühne gingen, sorgte zu dieser Zeit ein anderes Thema für Turbulenzen – mit dem Resultat, dass der Südtiroler Raiffeisenverbund zwei Kassen „verlor“: Infolge neuer gesetzlicher Vorgaben gründeten 39 der 41 verbliebenen Raikas einen Haftungsverbund, während sich die beiden anderen – die Raika Ritten und die Raika St. Martin in Passeier – einer nationalen genossenschaftlichen Bankengruppe anschlossen. Seit 2019 sind sie Teil der Gruppe „Cassa Centrale Banca“ mit Sitz in Trient.

„Eine gewisse Beunruhigung“

Nach zahlreichen Fusionen innerhalb weniger Jahre ist seit 2018 jedenfalls Ruhe eingekehrt. Die Fusionen wurden in der Regel mit dem steigenden Kostendruck und den immer komplexer werdenden rechtlichen Auflagen begründet. Durch Zusammenschlüsse könne man Synergien nutzen und die Effizienz der kleinen Banken steigern, so die einfache Rechnung.

Sind die Fusionswellen nun abgeschlossen, weil alle verbliebenen Raiffeisenkassen – obwohl es noch viele sehr kleine gibt – die täglichen Herausforderungen meistern können? Oder sind weitere Fusionen nur eine Frage der Zeit? Ist schlichtweg der Leidensdruck gesunken, weil die Banken angesichts des gestiegenen Zinsniveaus gute Gewinne schreiben?

Robert Zampieri, der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, sagt: „Zurzeit sind alle 39 Kassen kerngesund und entwickeln sich gut. Ich kann aber nicht leugnen, dass es eine gewisse Beunruhigung über die mittel- und langfristige Entwicklung gibt.“

Die Auflagen werden strenger

Die normativen Auflagen, so Zampieri, seien nach wie vor eine große He­rausforderung. „Die Europäische Zentralbank macht die Arbeit der Banken immer komplizierter, und die nationalen Aufsichtsbehörden werden immer strenger. Auch unsere Kollegen in Österreich und Deutschland beobachten mit Argusaugen, was auf europäischer und nationaler Ebene passiert“, berichtet Zampieri.

Ärgerlich sei es, wenn es für kleine Banken keine Vereinfachungen gegenüber großen Banken gibt. „Große Banken stöhnen zwar auch unter den strengen Auflagen, sie können diese aber aufgrund ihrer Struktur leichter bewältigen als kleine Banken“, so der Verbandsdirektor.

Der Südtiroler Raiffeisenverbund – mit Verband, Landesbank, Haftungsverbund und dem IT-Partner Ris – habe die Aufgabe, den Kassen bei diesen Herausforderungen unter die Arme zu greifen. „Für einen Zeithorizont von fünf Jahren kann ich sagen, dass wir dahingehend sehr gut organisiert sind. Aber niemand weiß, wie sich die normativen Auflagen über einen längeren Zeitraum hin entwickeln“, erklärt Robert Zampieri. Zudem würden für alle Banken weitere Herausforderungen ins Spiel kommen.

Die Sache mit dem Personal

Zampieri nennt etwa den demografischen Wandel und den damit einhergehenden, wachsenden Mangel an Fachkräften. Sprich: In den nächsten Jahren werden viele Angestellte in Rente gehen, aber es kommen vergleichsweise nur wenige junge Leute nach. Hinzu komme in diesem Zusammenhang die Zweisprachigkeit, die angesichts der starken lokalen Verwurzelung der Raiffeisenkassen ein hohes Gut sei, aber bei rückläufiger Verfügbarkeit von zweisprachigem Personal mitunter nicht immer garantiert werden könne.

„Es besteht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die Frage, wie die Qualität der Bankdienstleistungen weiter hochgehalten werden kann“, sagt Zampieri. Digitalisierung und künstliche Intelligenz könnten etwas Abhilfe schaffen, doch die genaue Entwicklung sei nicht absehbar.

Nur eine Frage der Zeit?

Derzeit stehen laut Robert Zampieri jedenfalls keine Fusionen in der lokalen Raiffeisenwelt auf der Tagesordnung. Auch gebe es dahingehend keinerlei Diskussionen. „Im Genossenschaftswesen gibt es diese erst, wenn eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit besteht. Und diese besteht aktuell nicht“, erklärt der Generaldirektor des Verbandes.

Dazu habe sicherlich die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre beigetragen, die praktisch allen Banken hohe Einnahmen beschert. Zuletzt war das Zinsniveau zwar wieder rückläufig, aber mit einer Rückkehr zur herausfordernden Nullzinspolitik rechnet derzeit niemand. „Nichtsdestotrotz ist es die Aufgabe eines jeden Direktors und Verwaltungsrates, effizienter zu werden“, betont Zampieri.

Alles in allem will er nicht ausschließen, dass das Thema Fusionen mittelfristig wieder aktuell wird. Man werde aber alles daransetzen, das Raiffeisen-Landschaftsbild zu bewahren. „Während sich nämlich nationale Banken aus der Peripherie zurückziehen, ist es die große Stärke von Raiffeisen, auch in entlegenen Tälern und Dörfern ein Ansprechpartner zu sein, obwohl das teurer und aufwendiger ist“, so Robert Zampieri.

Schlagwörter: 36-25free

Info

„Ich bin zuversichtlich“

Michael Bacher

SWZ: Wie schwierig ist es, als kleine Bank bei all den strengen Auflagen und anderen Herausforderungen zu bestehen?
Michael Bacher *: Kleine Banken müssen die gleichen regulatorischen Standards erfüllen wie größere Banken. Das bedeutet, dass sie relativ höhere Kosten für die Einhaltung von Vorschriften stemmen müssen. Um als kleine Raiffeisenkasse in einem strengen regulatorischen Umfeld und angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen bestehen zu können, sind mehrere Erfolgsfaktoren entscheidend.

Und zwar?
Zwei dieser Faktoren möchte ich hervorheben: Einerseits sind starke Partner im Raiffeisenverbund notwendig, die durch umfassende Dienstleistungen dafür sorgen, dass die Raiffeisenkasse sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren kann. Andererseits sind treue Mitglieder und Kunden essenziell, die von motivierten Mitarbeitern mit passenden Finanzdienstleistungen versorgt werden.

War eine Fusion mit einer anderen Raiffeisenkasse nie ein Thema?
Ende 2021 ist mein Vorgänger in den Ruhestand getreten. Ein Führungswechsel an der Spitze bietet immer eine gute Gelegenheit, die Gesamtsituation der Bank zu bewerten. Deshalb haben wir im Jahr 2020 zusammen mit dem Raiffeisenverband eine umfassende Unternehmens- und Umfeldanalyse sowie eine Kunden- und Mitgliederbefragung durchgeführt und die objektiven Zahlen sorgfältig analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: Die Raiffeisenkasse Freienfeld stand und steht gut da. Eine Fusion wurde somit nicht in Betracht gezogen. Die Studie hat zudem ergeben, dass die Kunden und Mitglieder zu ihrer kleinen Bank stehen.

Wird die Raiffeisenkasse Freienfeld langfristig selbstständig bleiben können?
Uns gibt es seit über 130 Jahren – ursprünglich als Raiffeisenkasse Stilfes-Trens, später umbenannt zur Raiffeisenkasse Freienfeld. Wir haben zwei Weltkriege überstanden, und unsere Eigenkapitalausstattung ist nach wie vor sehr gut. Wir stehen im direkten Wettbewerb mit großen Banken und zunehmend mit FinTech-Unternehmen, die oft agiler sind und innovative Lösungen anbieten. Dies erhöht den Druck, sich zu differenzieren und unseren Kunden und Mitgliedern einzigartige genossenschaftliche Werte zu bieten. Dazu gehören eine ausgeprägte Kundennähe, spezialisierte Dienstleistungen, eine starke lokale Präsenz sowie gute Erreichbarkeit.

Wie können Sie sich differenzieren?
Unser Erfolg liegt in der lokalen Präsenz und der freundlichen, familiären Atmosphäre. Wir bieten zwar vermehrt digitale Vertriebskanäle an, aber viele Kunden und Mitglieder bevorzugen bei anspruchsvolleren Bankgeschäften immer noch einen direkten und vertrauensvollen Ansprechpartner. Genau darin liegt unser Vorteil. Ich bin zuversichtlich, dass die Raiffeisenkasse Freienfeld ihre Selbstständigkeit bewahren kann.

* Michael Bacher ist Direktor der Raiff­eisenkasse Freienfeld, der kleinsten Raiffeisenkasse Südtirols.

Ausgabe 36-25, Seite 2

Heinrich Schwarz

Heinrich Schwarz

Der Passeirer arbeitete ab 2013 bei der „Südtiroler Tageszeitung“ in den Bereichen Wirtschaft und Politik und ist seit 2022 Teil der SWZ-Redaktion. Er liebt die Recherche und Aufbereitung wichtiger und spannender Themen.

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