Bozen – Wenn die Direktoren der drei Landesevaluationsstellen im Pressesaal des Landhauses Eins zusammenkommen, geht es um mehr als bloße Zahlen: Es geht um unsere Zukunft. Genauer gesagt, um die Südtiroler Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie. Klaus Niederstätter (deutschsprachige Schulen), Terence Leone (italienischsprachige Schulen) und Olimpia Rasom (ladinische Schulen) hatten eine gemeinsame Botschaft. Zuversicht, aber Handlungsbedarf.
Südtirol punktet über dem Durchschnitt
Im internationalen Vergleich zeigt sich das Südtiroler Bildungssystem von seiner starken Seite: In allen drei getesteten Disziplinen – Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen – erreichen die 15-Jährigen im Land Ergebnisse, die sowohl den weltweiten OECD-Schnitt als auch den italienischen Gesamtdurchschnitt übertreffen. Im Vergleich mit der wirtschaftlich und bildungspolitisch starken Makroregion Nordostitalien bewegt sich Südtirol auf Augenhöhe.

Ein Blick in die Fächer
Bei den Naturwissenschaften zeigen sich die deutlichsten sprachgruppenübergreifenden Unterschiede:
- Deutschsprachige Schulen führen das Feld mit sehr guten 508 Punkten an – deutlich über dem OECD-Schnitt mit 482 Punkten und dem Italien-Schnitt mit 483 Punkten.
- Ladinische Schulen folgen mit starken 494 Punkten.
- Italienischsprachige Schulen liegen mit 474 Punkten unter dem nationalen und internationalen Mittelwert.
In Mathematik zeigt sich ein stabiler Trend:
- Die deutschsprachigen Schulen bewegen sich mit 491 Punkten nahezu gleichauf mit Nordostitalien (489 Punkte) und liegen über dem OECD-Schnitt mit 463 Punkten.
- Die ladinischen Schulen erreichen 476 Punkte und
- die italienischsprachigen Schulen 459 Punkte.
Hohes Niveau beim Lesen:
- In der Schlüsselkompetenz für alle Bildungswege, dem Lesen, unterstreichen die deutschsprachigen Schulen mit 481 Punkten ihr hohes Niveau. Im Vergleich: Nordostitalien erreicht 491 Punkte, der gesamtstaatliche Durchschnitt liegt bei 474 Punkten.
- Die ladinischen Schulen liegen mit 473 Punkten über dem OECD-Durchschnitt von 461 Punkten,
- genauso wie die italienischsprachigen Schulen mit 464 Punkten.

Die Lesekompetenz ist vor allem bei den deutschsprachigen Schulen im Vergleich zu 2022 gesunken. (Screenshot Pisa Ergebnisse Provinz Bozen)
Vergleich mit 2022
Im Vergleich zur vorherigen PISA-Erhebung von 2022 zeigen die Südtiroler Ergebnisse von 2025 ein differenziertes Bild auf weiterhin hohem Niveau: Während die Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften leicht zulegen konnten, blieb das Ergebnis in Mathematik weitgehend stabil.
Beim Lesen dagegen ist, auf jeden Fall bei den deutschsprachigen Schulen, ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. „Wir haben viele Handlungsfelder, in denen wir ansetzen müssen“, so der Direktor der Landesevaluationsstelle für die deutschsprachigen Schulen, Klaus Niederstätter.
Die Schüler und Schülerinnen der ladinsichen Schulen konnten sich dagegen in allen drei Bereichen im Vergleich zu 2022 deutlich steigern. Insgesamt liegt Südtirol in allen drei getesteten Bereichen weiterhin über dem gesamtstaatlichen sowie dem OECD-Durchschnitt.
„Wir haben viele Handlungsfelder, in denen wir ansetzen müssen.“ Klaus Niederstätter
Reaktionen der Politik
Die Bildungslandesräte sehen in den Daten sowohl Bestätigung als auch einen klaren Auftrag für die Zukunft.
Philipp Achammer, Landesrat für deutsche Bildung und Kultur, hob die hohe Chancengerechtigkeit und die niedrige Dropout-Quote hervor. Bildung dürfe nicht von der Brieftasche der Eltern abhängen. „Wir haben eine gute Schule, wir haben ein gutes Bildungssystem. Die Chancengerechtigkeit steht über allem, das Bildungssystem hat die Aufgabe, zu einem Abschluss zu führen.“ Als konkrete Zukunftsaufgaben nannte er die Frühförderung, Lesekompetenz und den Umgang mit Medien: „Die gesunkene Lesekompetenz gibt uns sehr zu denken, da gilt es, genauer hinzuschauen.“
Daniel Alfreider, Landesrat für ladinische Bildung und Kultur, sah in den Resultaten den Beleg für die Vorteile des eigenen Schulmodells: „Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen eine positive Entwicklung an unseren ladinischen Schulen: Mehrsprachigkeit ist kein Hindernis, sondern eine Stärke unseres Schulsystems.“
Marco Galateo, Landesrat für italienische Bildung und Kultur, betonte die Verantwortung aller Akteure und das Ziel der Chancengleichheit: „Uns verbindet eine gemeinsame Verantwortung: allen jungen Menschen, die in Südtirol aufwachsen, die bestmöglichen Bildungs- und Zukunftschancen zu gewährleisten. PISA hilft uns zu erkennen, wo wir stehen und wo wir uns verbessern müssen.“


















