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Südtiroler Start-ups: Wie geht es ihnen nach fünf Jahren?

SERIE START-UP SÜDTIROL (7) – Zweien ist ein Exit gelungen, einer hat die Anteile an einen Mitgründer verkauft, ein Unternehmen macht weiter, aber mit geringerem Tempo: Die SWZ hat sich unter Start-ups umgehört, die sie vor fünf Jahren vorgestellt hat. Was ist aus ihnen geworden?

Silvia Santandrea von Silvia Santandrea
25. September 2026
in Start-ups, Südtirol
Lesezeit: 5 mins read

Foto: Shutterstock / HobbitArt

Bozen – Die ersten Jahre sind für Start-ups die kritischsten. In dieser Zeit gilt es für sie, viele Herausforderungen zu meistern: ihre Businessidee entwickeln, den Bedarf am Markt richtig interpretieren, zahlende Kundschaft finden, ein Team aufbauen. Und obendrein müssen sie auch noch schauen, dass ihnen das Kapital nicht ausgeht. Ist die Anfangszeit einmal überwunden, nimmt statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Start-up scheitert, deutlich ab.

Diese ersten Jahre sind nun bei den Start-ups, die die SWZ im Jahr 2021 in der Serie „Start-up Südtirol“ vorgestellt hat, vorüber. Zeit also, nachzufragen, wie es den Unternehmen und ihren Gründerteams geht. Notiz am Rande: Nicht alle Start-ups waren für die SWZ erreichbar. Mindestens zwei dürften ihre Tätigkeit eingestellt haben.

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Alex Antonioli, fittastic

„Bis zum Jahr 2022 hat es viel Nachfrage nach den Dienstleistungen meines Start-ups gegeben, da waren die Themen Sport und Outdoor sehr gefragt“, sagt Alex Antonioli. Er gründete 2019 fittastic. Das Unternehmen stellt Fitnessparks aus Edelstahl für den Außenbereich her, sogenannte Calisthenics-Parks. Seine Kunden sind Gemeinden, aber auch Universitäten oder Hotels.

Nach einem anfänglichen Hoch hat die Nachfrage etwas nachgelassen. Nicht, weil Fitnessanlagen im Freien nicht mehr gefragt wären, sagt Antonioli: „Es wurden in den letzten Jahren viele Unternehmen mit ähnlicher Businessidee gegründet. Wenn etwas funktioniert, ist Konkurrenz bald da.“ Der Architekt entschloss sich deshalb vor einigen Jahren, seine Tätigkeit – fittastic ist nach wie vor ein Einzelunternehmen – breiter aufzustellen. Heute bietet er Projektentwicklung im Bereich Sport und Außenanlagen an sowie klassische Immobilienentwicklung.

Alexander Valtingojer, Coinpanion

Coinpanion, das Start-up von Alexander Valtingojer, gibt es noch – aber er ist nicht mehr Teil davon. Im Jahr 2023 verkündete die Kryptoplattform mit Sitz in Wien, dass sie von einem südafrikanischen Unternehmen, einer ähnlichen Plattform, übernommen worden sei. „Es hat in der Zeit bei Kryptobörsen viel Konsolidierung stattgefunden“, erinnert sich Alexander Valtingojer. Das Unternehmen gebe es nach wie vor; über Zahlen zum Deal hält sich der Südtiroler bedeckt.

„Wir haben uns stark darauf fokussiert, die Kundenzahl nach oben zu bringen, und zu wenig darauf geschaut, wie viel Profit wir auf den einzelnen Kunden machen und wie wir höhere Profite erreichen können.“

Im Nachhinein, sagt er, habe er gemerkt, dass das Start-up stark getrieben worden war von kurzfristigen Trends und von dem, was andere Unternehmen machen. Der Fokus nach innen habe gefehlt. „Wir haben uns stark darauf fokussiert, die Kundenzahl nach oben zu bringen, und zu wenig darauf geschaut, wie viel Profit wir auf den einzelnen Kunden machen und wie wir höhere Profite erreichen können.“

Die Start-up-Welt hat es Alexander Valtingojer angetan. Derzeit baut er in Wien ein neues Start-up mit auf: Heizma. Dieses spezialisiert sich auf die Elektrifizierung von Häusern. Was macht er bei diesem anders als bei seinem ersten Start-up? „Mein Fokus ist heute ganz klar: Ich muss ein funktionierendes Unternehmen aufbauen. Und wie funktioniert ein Unternehmen? Indem es profitabel ist. Und profitabel wird es, indem ich streng auf die Kosten schaue, und auf die Einnahmen.“

Luciano Delmastro, Truckscreenia

„Uns gibt es noch“, sagt Luciano Delmastro. Er gründete 2019 Truckscreenia. Dieses entwickelt und verkauft digitale Werbebildschirme, die an der Rückseite von Lkw, Bussen und Lieferwagen angebracht werden. Einige Bildschirme wurden bereits auf Fahrzeugen montiert, unter anderem in Rom. Truckscreenia sieht er heute nicht mehr als Start-up, sondern „eher als ein Projekt“. Er sowie die weiteren Teammitglieder gehen allesamt anderen Jobs nach, doch das Projekt laufe weiter, auch mithilfe mehrerer Anteilseigner aus der Südtiroler Transportbranche. „Südtirol war für uns als Gründungsort perfekt. Wir hatten hier die Möglichkeit, mit mehreren wichtigen Unternehmen aus der Branche in Kontakt zu treten und sie als Investoren zu gewinnen“, sagt Delmastro. Sie hätten sich im Nachhinein als Glücksgriff erwiesen: „Investoren, die nicht nur Kapital, sondern auch ihr Know-how zur Verfügung stellen, sind unglaublich wertvoll. Deshalb mein Rat: Ein Start-up sollte sich stets genau überlegen, wen es als Geldgeber gewinnen will. Geld allein reicht nicht.“

Zurzeit ist Truckscreenia dabei, die Produktion seiner Werbebildschirme von Italien ins Ausland zu verlegen, um die Produktionskosten zu senken, wie Delmastro sagt. 2027 soll das Projekt mittels einer Kapitalspritze wachsen. Die Ambitionen sind nach wie vor groß: „Langfristig wollen wir auch außerhalb Europas aktiv sein“, so Delmastro.

Dominik Ebenkofler und Felix Keser, Bergmensch

Das Bekleidungslabel Bergmensch ist erfolgreich geblieben und zählt heute inklusive Freelancer knapp 15 Mitarbeitende. Anfangs waren T-Shirts mit Sprüchen der Schwerpunkt, mittlerweile bietet das Start-up, das rein im E-Commerce tätig ist, ein breites Sortiment an Outdoorbekleidung an, darunter Windjacken, Hosen und Rucksäcke.

Vor einigen Monaten hat Bergmensch einen wesentlichen Südtirol-Bezug verloren: Dominik Ebenkofler, aufgewachsen im Pustertal und ansässig in Passeier, hat seine Anteile an Mitgründer Felix Keser verkauft. Dieser lebt in Baden-Württemberg, wo das Start-up schon bisher seinen Rechtssitz hatte. „Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen“, begründet Ebenkofler, der Bergmensch von Passeier aus mit aufgebaut hat, die Entscheidung. Er will weiterhin im E-Commerce tätig bleiben und etwas Neues aufbauen.

Andrew Sentance, Bluetentacles

Beim Start-up Bluetentacles hat es einen Wechsel an der Spitze gegeben: CEO Marco Bezzi verließ das Unternehmen im Herbst 2021; an seine Stelle trat Andrew Sentance. Das Start-up hat sich auf intelligente und präzise Bewässerungsautomation für die Landwirtschaft spezialisiert. Die Technologie sei mittlerweile fertig entwickelt, nun gehe es darum, Kundinnen und Kunden zu gewinnen. „Unsere Kunden befinden sich vorwiegend im Trentino“, sagt Sentance. Noch befindet sich der Sitz des Unternehmens in Bozen, bald will Bluetentacles in die Nachbarprovinz umziehen. Das Team besteht aus fünf Leuten. Dazu arbeiten einige Freelancer für das Unternehmen.

Die ersten Jahre seien nicht einfach gewesen, sagt Sentance. Seit etwa zwei Jahren läuft es aber besser. „Ich würde nicht sagen, dass unsere Präsenz wirklich gefestigt ist, aber man kennt uns mittlerweile.“ Im vergangenen Jahr gelang es dem Unternehmen, einige Kunden in Norditalien zu akquirieren und „wichtige Projekte fertigzustellen“. Das Problem, sagt Sentance, sei, dass die Nachfrage nach der Technologie stark vom Wohlwollen der öffentlichen Hand abhängig sei. Das mache das Geschäft unvorhersehbar. „Was die Zukunft bringt, müssen wir erst sehen“, sagt Sentance. Die vergangenen Jahre hätten ihm eines gezeigt: „Man benötigt immer mehr Zeit und Geld, als man ursprünglich erwartet hat.“

Alexander Engl, ihopa

Alexander Engl, Mitgründer des schwedischen Start-ups ihopa, hat sein Start-up verkauft, und zwar an ein anderes Start-up. „Wir sind damit aber nicht reich geworden“, unterstreicht er. Mit ihopa hat Engl eine Plattform mitsamt Infrastruktur entwickelt, die dazu anregen soll, Güter mit anderen zu teilen, von Bohrmaschinen bis hin zu Rasenmähern. Das Start-up gebe es noch immer, sagt Engl. Gelegentlich berate er es.

„Wir hätten uns früher eingestehen sollen, dass das Projekt nicht in die Richtung verläuft, die wir uns gewünscht hätten.“

Dem Verkauf waren herausfordernde Jahre vorausgegangen. „Nach der Pandemie wurde es sehr schwierig, Kapital zu bekommen“, so Engl. Das sei in einer Phase gewesen, als das Start-up eigentlich hätte stark wachsen wollen. „Wir wollten ein Unicorn bauen – haben aber nur das Kapital für ein KMU bekommen“, sagt Alexander Engl. Irgendwann habe dann auch die Motivation nachgelassen.

Gründerinnen und Gründern rät er, nicht mit ihrem Herzensprojekt zu starten: „Man macht beim ersten Start-up viele Fehler, die man beim zweiten nicht mehr machen würde.“ Rückblickend, sagt er, hätten er und sein Team das Start-up schon vorher verkaufen sollen. „Wir hätten uns früher eingestehen sollen, dass das Projekt nicht in die Richtung verläuft, die wir uns gewünscht hätten.“ Diesen Ratschlag gebe er heute oft weiter: Fail fast („brich früh ab“). Engl ist in der Start-up-Szene geblieben: Er ist bei Amazon Web Services (AWS) im Bereich Start-ups tätig und arbeitet dort mit Gründerinnen und Gründern zusammen.

Umfrage: Silvia Santandrea und Heinrich Schwarz

DIE SERIE In den vergangenen Wochen stellte die SWZ junge Unternehmen und deren Gründer:innen vor, so wie bereits in den vergangenen Jahren. Die Sommerserie wird mit dieser Umfrage abgeschlossen. Alle Artikel können hier und in der SWZapp nachgelesen werden.

Dieser Artikel erschien in der gedruckten SWZ mit folgendem Titel: Fünf Jahre danach

Schlagwörter: 37-26free

Ausgabe 37-26, Seite 6

Silvia Santandrea

Silvia Santandrea

Die Eppanerin hat in Innsbruck Politikwissenschaft und Sprachwissenschaft studiert und hat nach mehreren Praktika bei Südtiroler Printmedien sowie in Radio- und TV-Redaktionen ihren Weg in die SWZ gefunden. Herausforderungen liebt sie – im Job und auch am Berg.

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