Innsbruck – Die Bauindustrie zähle zu den größten Verursachern von CO₂-Emissionen weltweit. „Allein die Zementherstellung verursacht rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen“, erklärt das Innsbrucker Start-up ParaStruct, das die Branche zu mehr Nachhaltigkeit führen will.
ParaStruct wurde von zwei Südtirolern mitgegründet: der Chemikerin und Materialwissenschaftlerin Freia Ruegenberg und dem Bauingenieur Georg Breitenberger. Sie entwickeln zusammen mit dem dritten Gründer Kilian Rießbeck und ihrem neunköpfigen Team Verfahren und Baustoffe, die die CO₂-Emissionen deutlich reduzieren sollen.
Freia Ruegenberg widmete ihre bisherige wissenschaftliche Laufbahn der Entwicklung neuer mineralischer Bindemittel. Georg Breitenberger bringt jahrzehntelange Erfahrung aus dem Bauwesen und der Projektentwicklung mit.
Bundesagentur sieht großes Potenzial
Jetzt hat das Start-up eine Förderung der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) erhalten. SPRIND finanziert laut eigenen Angaben „bahnbrechende Technologien und Themen, die das Potenzial haben, unser Leben von Grund auf zu verbessern“.
ParaStruct hat einen sogenannten Validierungsauftrag im Ausmaß von 170.000 Euro erhalten. In dieser Phase wird untersucht, ob die Technologie tatsächlich das Zeug zu einer disruptiven Innovation hat.
Im konkreten Projekt entwickelt ParaStruct ein Verfahren weiter, mit dem sich der im Altbeton enthaltene Zementstein reaktivieren und erneut als hochwertiges Bindemittel einsetzen lässt. „Damit könnte aus einem heute überwiegend downgecycelten oder deponierten Abfallstrom künftig ein wertvoller Rohstoff werden“, erklärt das Start-up.

Die nun gestartete Zusammenarbeit mit SPRIND markiere den nächsten Entwicklungsschritt und die Expansion nach Deutschland. 2027 sei die weitere Expansion in Italien geplant. Ziel sei es, „die bisher im Labormaßstab erfolgreiche Technologie auf reale Bau- und Abbruchabfälle zu übertragen und damit den Grundstein für einen geschlossenen Materialkreislauf im Bausektor zu legen“.
Bereits Finanzierungen und Auszeichnungen erhalten
Bereits vor dem aktuellen SPRIND-Projekt entwickelte das Start-up erste kreislauffähige Baustoffe, die mineralische Bindemittel mit pflanzlichen Reststoffen kombinieren. Unterstützt wurde es dabei von Förderungen des Austria Wirtschaftsservice (aws) und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).
ParaStruct wurde bereits mit dem „EU Circular Economy Community Award“ und dem „Seal of Excellence“ der EU-Kommission ausgezeichnet.
Gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Aroundtown werden in Berlin erste Pilotprojekte umgesetzt, in denen die neu entwickelten Baustoffe unter realen Bedingungen getestet werden.


















