Lajen – Ein schwarzes Fläschchen, 60 Milliliter Inhalt, tropisch-zitroniger Geschmack: der onors Performance-Shot. Wir treffen die Gründer in Lajen, dem Heimatort von Maximilian Rabanser. Gemeinsam mit Patrick Prosch verkauft er seit November letzten Jahres ein neues Produkt. Beide haben während ihrer Zeit als Leistungssportler ein solches Produkt vermisst, das sie vor dem Training und vor den Spielen mental und physisch unterstützt. Genau das haben sie versucht zu entwickeln.
Was drin ist – und was nicht
„Man muss es nur kurz schütteln und kann es einfach trinken, man muss es nicht mixen – es soll so praktisch und einfach wie möglich sein“, sagt Patrick. Die Zielgruppe sind laut den Gründern ambitionierte Hobbysportlerinnen und -sportler, mittlerweile ist onors aber auch im Hochleistungsbereich bei den Profis angekommen. Der Shot enthält eine Kombination aus Aminosäuren, Citicolin, einem patentierten Mangoblattextrakt namens „Zynamite“ sowie etwa 50 mg Koffein – was etwa einer Tasse Kaffee entspricht. Die Rezeptur soll körperliche und mentale Leistung gezielt unterstützen – dabei wird auf eine lange Wirkungsdauer gesetzt.
Spitzensportlerinnen und -sportler müssen bei Nahrungsergänzungsmitteln immer besonders vorsichtig sein, da schon kleine Mengen verbotener Substanzen zum langjährigen Ausschluss von Wettkämpfen führen können. Deshalb ließ onors auch früh in der Entwicklung sein Produkt von der Sporthochschule Köln erfolgreich gegen mögliche Dopingrisiken untersuchen. „Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen und auf der sogenannten Kölner Liste erscheinen – dort wird gegen einen jährlichen Beitrag die Sicherheit der Formulierung gewährleistet“, sagt Maximilian.
Die Idee entstand im November 2023, erinnert sich Patrick. Damals waren beide noch 18 Jahre alt. Sie kennen sich aus der Schulzeit, in der sie drei Jahre zusammen an der Sportoberschule Sterzing verbrachten. Zudem wohnten sie im selben Heim und spielten gemeinsam in der Jugendabteilung des FC Südtirol. Doch beide kamen nicht über die sogenannte „Primavera“, also die U19, hinaus. Trotzdem verbrachten sie ein ganzes Jahr zusammen – zwischen Schule, Heim, Zugfahrten von Sterzing nach Bozen zum Training und wieder zurück. Auch am Wochenende sahen sie sich oft bei Spielen. So merkten sie, dass sie gut miteinander auskamen. Außerdem hatten sie, wie sich später herausstellen sollte, dieselbe Vorstellung von ihrer Zukunft.
„Unser Traum war es schon immer, etwas Eigenes zu entwickeln“, antwortet Patrick auf unsere Frage, wie die Idee entstanden sei. Allgemeine Nahrungsergänzungsmittel, vor allem im Fitnessstudio-Bereich, gab es schon viele, jedoch war der Markt im Leistungssport noch nicht so dicht besetzt wie gedacht. Beide kommen vom Fußball und haben sich in der Vergangenheit viel mit gesunder Ernährung auseinandergesetzt, aber das Produkt, das sie beim Training und den Spielen unterstützt, fehlte ihnen.
Wachsende Netzwerke im Profisport
Trotz begrenzter Mittel gelang der Einstieg in den Leistungssport. Heute ist onors unter anderem Partner von Rapid Wien, Waldhof Mannheim, den Eisbären Berlin, LUBE Volley, Friedrichshafen Volleyball und dem deutschen Triathlon-Meister. „Bereits Top-Vereine aus der Serie A und der Bundesliga testen unser Produkt – mal sehen, ob sie es dann auch in ihren Nahrungsergänzungsmittel-Bestand aufnehmen“, sagt Patrick. Den Kontakt zu den Vereinen stellten die Gründer zunächst selbst her – klassisch über Telefonate. „Langsam bekommen wir eine gewisse Reputation, man kennt uns in der Branche der Ernährungsberater und Sportmediziner vieler Profivereine“, sagt Maximilian.
Das Feedback aus dem Profisport war von Beginn an wichtig für die Weiterentwicklung. Auch heute ist der Austausch Teil der Arbeit. „Wir sind in ständigem Kontakt mit Athletinnen und Athleten – das ist für uns essenziell, um die Formulierung weiter zu verbessern“, sagt Maximilian. Der onors Performance-Shot wirkt laut den Gründern bis zu fünf Stunden lang und sollte etwa eine Stunde vor der sportlichen Belastung eingenommen werden.
„Die Prototypen gingen in Richtung Motoröl“
Die Produktentwicklung dauerte rund neun Monate. „Es ist relativ schnell gegangen. Wir haben Bücher gelesen, das Internet durchstöbert und etliche Studien zum Thema Ernährung und Leistungssteigerung geprüft“, sagt Patrick. Beide haben keinen Abschluss in Ernährungswissenschaften oder Chemie und kommen zwar aus dem Leistungssport, sind aber keine Experten in diesem Feld.
„Dort, wo unser Wissen nicht gereicht hat, haben wir versucht, die Meinung von Fachleuten dazuzuholen. Wir interessierten uns sehr für das Thema, und uns war es wichtig, Neues dazuzulernen und uns weiterzubilden“, sagt Maximilian. Verträglichkeit, Wirkung und auch Geschmack wurden etwa von der italienischen Ski-Nationalmannschaft getestet. „Die ersten Prototypen gingen eher in Richtung Motoröl – vom Geschmack und vom Aussehen her“, erinnert sich Patrick.
Von Südtirol nach Irland und zurück
Heute arbeiten Patrick und Maximilian beide von zu Hause aus. Sie sehen sich regelmäßig, erledigen aber vieles remote. Ein eigenes Büro gibt es bewusst nicht. „Wir wollen kein Büro – uns macht es beiden Spaß, remote zu arbeiten“, sagt Maximilian. Patrick kümmert sich vor allem um den Onlinehandel, Maximilian betreut den B2B-Vertrieb.
Der Arbeitsalltag beginnt meist früh. „Wir stehen um fünf oder sechs Uhr auf und erledigen das, was gemacht werden muss. Manchmal dauert das nur den Vormittag lang – aber oft kommen wir auch auf 15+ Stunden am Tag“, so Patrick. Entschieden wird immer gemeinsam, aber stets in Absprache mit den entsprechenden Fachleuten: „Wir arbeiteten immer im Ping-Pong: Wir hatten eine Idee, holten uns Feedback und änderten, was nötig war – und das so lange, bis wir mit dem finalen Prototyp zufrieden waren.“
Hergestellt wird onors von einem irischen Produzenten, den die beiden Gründer auf einer Schweizer Messe kennengelernt haben. Die Fläschchen werden dort abgefüllt und in 12er-Boxen verpackt. Von Irland aus gelangen sie in ein Lager bei Mailand, von wo aus der Versand organisiert wird. Zurzeit planen die beiden, einen zweiten Lagerstandort in Berlin zu eröffnen. „Uns war es wichtig, einen schnellen und zuverlässigen Versand zu gewährleisten – deshalb haben wir uns für ein externes Lager entschieden“, sagt Maximilian.
Bei der Entwicklung arbeiteten sie nach einem strikten Zeitplan: Sie wollten in neun Monaten verkaufen. Die rechtlichen und bürokratischen Prozesse drohten jedoch, ihr eng getaktetes Vorhaben in die Länge zu ziehen – vor allem vom Land hätten sich die beiden Jungunternehmer mehr Hilfe gewünscht. „Zum Beispiel, wenn es darum geht, was man auf das Fläschchen draufschreiben muss, damit man rechtlich abgesichert ist – wir haben mehrfach beim entsprechenden Dienst angerufen, doch es dauerte alles zu lange“, erzählt Patrick. Am Ende mussten sie auf einen privaten Anwalt zurückgreifen, der alles in kürzester Zeit, aber natürlich sehr viel teurer erledigte.
Auch die Finanzierung gestaltete sich als schwierig. Sie haben bei etlichen Banken angefragt, aber nur eine gab den Zuschlag. „Eine Bank zu finden, die zwei 19-Jährige ohne Erfahrung unterstützt, war nicht einfach“, sagt Maximilian. „Aber man darf sich nicht entmutigen lassen.“
Der Vertrieb läuft derzeit über einen eigenen Onlineshop. Die meisten Kundinnen und Kunden stammen aus dem deutsch- und italienischsprachigen Raum. Saisonbedingt verändert sich die Nachfrage – im Sommer sind es eher Radsportler:innen, im Winter Wintersportarten. Die breite Anwendbarkeit bringt zwar viele Vorteile, macht allerdings gezieltes Marketing nicht einfach. „Es ist kompliziert, Kunden gezielt anzusprechen, wenn man so breit aufgestellt ist“, sagt Patrick.
Parallel laufen Gespräche mit Apotheken, um den stationären Vertrieb aufzubauen. Zusätzlich arbeiten die Gründer an einem zweiten Produkt, einem Granulat, das die Regeneration fördern soll. Die Entwicklung ist bereits abgeschlossen. „Unser Ziel ist es, das perfekte Produkt für jede Phase des Profisports zu haben“, sagt Patrick.
„Wenn Jannik Sinner sich bei uns meldet, ist er sehr willkommen“
Im nächsten Jahr wollen sie um ein Vielfaches wachsen: „Wir haben gerade erst mit der Werbung angefangen und sehen in den letzten Monaten einen großen Zuwachs von Neukunden.“ Bis Ende 2026 wollen sie einen Kundenstamm von über 50.000 erreichen.
Auf aktiver Suche nach Investoren sind die Gründer nicht, sie sind aber offen für Angebote – diese müssen jedoch auch strategischen Mehrwert bieten. „Wenn die richtigen Angebote von sportinteressierten Geschäftsleuten kommen, dann wägen wir ab – nicht nur auf finanzieller Ebene, sondern auch in Sachen Markenpräsenz und Kontakte“, sagt Maximilian. Patrick fügt lächelnd hinzu: „Wenn Jannik Sinner sich bei uns meldet, ist er sehr willkommen.“
Das Ziel in den nächsten fünf Jahren ist für beide klar: „Wir wollen, dass man über onors spricht, wenn es um Leistung geht. Wir sind sehr überzeugt von unserem Shot und sind uns sicher, dass er ein Mehrwert für die Sportwelt ist – und sein wird.“
Emil Pernter
DER AUTOR studiert europäisches und internationales Recht in Trient und absolviert gerade ein Sommerpraktikum bei der SWZ.


















