Bruneck – Eine neue Studie zeigt, dass die Stärke der Südtiroler Automobilindustrie nicht in ihrer Größe liege, sondern in ihrer Spezialisierung und Leistungsfähigkeit. Die Studie wurde vom „Sustainable Manufacturing Lab“ der Freien Universität Bozen gemeinsam mit dem Netzwerk „Automotive Excellence Südtirol“ (AES) durchgeführt. Dabei wurde erstmals die Entwicklung der Südtiroler Automobilindustrie aus der Perspektive der lokalen Unternehmen und von internationalen Fachleuten analysiert.
Berücksichtigt wurden GKN Driveline, GKN Sinter Metals, Intercable Automotive Solutions, Intercable Tec, Tratter Engineering, Alupress, Abuscom, Röchling und Autotest. Aus der Studie geht hervor, dass die neun untersuchten Unternehmen ihren Umsatz in 20 Jahren um insgesamt 90 Prozent steigerten. Die Zahl der Beschäftigten nahm hingegen nur um ein Drittel zu.
Genau in dieser Differenz liegt die zentrale Erkenntnis der Studie: Die Unternehmen sind nicht nur gewachsen, sondern haben ihre Produktivität um 44 Prozent gesteigert und erzeugen heute deutlich mehr Wertschöpfung pro Mitarbeiter:in als noch vor 20 Jahren. Es zeige sich das Bild einer Südtiroler Automobilindustrie, die ihren Wettbewerbsvorteil nicht durch Größe, sondern durch eine kontinuierliche Entwicklung hin zu höherer Wertschöpfung aufgebaut hat.
Die Südtiroler Automobilindustrie beschäftigt rund 5.200 Menschen, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 3,1 Milliarden Euro. Sie trage mit rund einem Drittel der gesamten regionalen Exporte wesentlich zum Wohlstand und zur wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols bei, geht aus der Studie hervor.
Ungewisse Zukunft
Gleichzeitig verschweigt die Studie die bestehenden Herausforderungen nicht: Fachkräftemangel, steigender Kostendruck und bürokratische Hürden zählen demnach zu den größten strukturellen Herausforderungen der Branche.
Als wichtigste externe Herausforderung wird zudem der internationale Wettbewerb – insbesondere aus China – genannt. 56 Prozent der Unternehmen bewerten dessen Einfluss bereits heute als stark oder sehr stark. 78 Prozent erwarten in den kommenden drei bis fünf Jahren eine weitere Verschärfung.
Nach Einschätzung des Autorenteams lassen sich diese Herausforderungen nicht von einzelnen Unternehmen allein lösen. Vielmehr seien sie genau jene Themen, bei denen ein Innovationscluster durch gemeinsame Kompetenzentwicklung, Kooperation und vorwettbewerbliche Zusammenarbeit einen entscheidenden Mehrwert schaffen könne.
Auch die befragten internationalen Fachleute kommen zu einem klaren Schluss: Europas entscheidender Wettbewerbsnachteil liege heute weniger bei Technologie oder Know-how, sondern vor allem bei Geschwindigkeit, Agilität und Umsetzungskraft – genau dort, wo regional vernetzte Innovationsökosysteme einen entscheidenden Unterschied machen könnten.
Netzwerk AES will sich wandeln
Für AES markiert die Studie einen bewussten Entwicklungsschritt: Sie sei der erste sichtbare Beleg für den Wandel des Clusters von einer Plattform für Austausch hin zu einem Thinktank. Dieser solle Unternehmen, Wissenschaft und Politik zusammenbringen und strategische Entscheidungsgrundlagen für die Region entwickeln.
Die Schlussfolgerung der Studie seitens AES fällt klar aus: „Südtirol muss nicht in jeder Hinsicht größer werden. Entscheidend ist vielmehr, in jenen Bereichen stärker und unverwechselbarer zu werden, in denen langfristig die größte Wertschöpfung geschaffen werden kann.“

















