Innsbruck – Der Klimawandel könnte in Zukunft auch für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele zum Problem werden. Eine neue internationale Studie der Universitäten Waterloo, Innsbruck und Toronto analysiert, wie steigende Temperaturen und unsichere Schneeverhältnisse die Auswahl an möglichen Austragungsorten einschränken. Laut den Autorinnen und Autoren sind Anpassungen nötig, damit die Spiele auch in Zukunft fair und sicher ausgetragen werden können.
In der Studie jene 93 Standorte untersucht, die das Internationale Olympische Komitee IOC als mögliche Austragungsorte für Olympische Winterspiele führt. Das Team um den Klimaforscher Daniel Scott von der University of Waterloo und Robert Steiger vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck hatte bereits in einer früheren Arbeit gezeigt, dass bei Beibehaltung der aktuellen Klimapolitik von diesen 93 Orten langfristig nur noch 52 als verlässliche Gastgeber für Olympische Spiele und 22 für die Paralympics gelten. Das Ergebnis fällt auch in der neuen Studie deutlich aus: Entlang des aktuellen Emissionspfads verliert ein großer Teil dieser Orte bis 2050 seine Tauglichkeit als Austragungsort für Winterspiele. Besonders betroffen ist Europa: In Westeuropa, wo heute noch fast alle potenziellen Austragungsorte für Olympische Spiele als schneesicher gelten, sinkt der Anteil verlässlicher Standorte in den Szenarien der Studie auf rund 40 Prozent.
Für die später terminierten Paralympics fällt die Bilanz noch drastischer aus. In Westeuropa sind bis zur Mitte des Jahrhunderts nur noch etwa 20 Prozent der Austragungsorte in diesem Zeitraum als schneesicher einzustufen. „Wir sehen, dass die Klimakrise nicht nur einzelne schlechte Winter bringt, sondern das Fundament des Wintersports verändert“, sagt Robert Steiger. „Die Risiken für Fairness und Sicherheit im Wettkampf nehmen zu, da Phasen mit ungewöhnlich warmem Wetter während der Spiele wahrscheinlicher werden und die Schneequalität stark beeinträchtigen können. Je besser es gelingt, den Temperaturanstieg zu begrenzen, desto seltener und weniger ausgeprägt treten solche Ereignisse auf. Klimaschutz reduziert daher ganz konkret das Risiko für problematische Bedingungen während der Spiele.“
Frühere Termine sinnvoll
Die Autor:innen der Studie zeigen mehrere Stellschrauben auf, mit denen sich die Winterspiele robuster aufstellen lassen. Ein besonders wichtiger Hebel ist laut ihnen der Zeitpunkt der Bewerbe. Eine vollständige Zusammenlegung von Olympischen und Paralympischen Winterspielen im Februar wäre aus klimatischer Sicht zwar attraktiv, die Forschenden halten sie wegen der Größe und Komplexität eines gemeinsamen Programms jedoch für schwer umsetzbar.
Deutlich realistischer erscheint eine Vorverlegung beider Veranstaltungen um zwei bis drei Wochen. Die Modellrechnungen von Steiger, Scott und ihrem Team zeigen, dass eine solche Anpassung die Zahl klimatisch verlässlicher Austragungsorte stark erhöhen würde, vor allem für die Paralympics. Wenn die Olympischen Spiele bereits Ende Januar beginnen und die Paralympics im späten Februar stattfinden, steigt die Zahl der verlässlichen Orte für die Paralympics in manchen Szenarien von 22 auf 38, während die Verluste bei den Olympischen Spielen gering bleiben
Keine Winterspiele ohne Kunstschnee
Eine zweite Schlüsselfrage betrifft den Umgang mit Kunstschnee. Die Studie zeigt, dass Olympische Winterspiele ohne technische Beschneiung in Zukunft nicht mehr verlässlich planbar wären. Ohne Kunstschnee sind von den 93 untersuchten Standorten schon heute nur noch wenige für sichere und faire Bewerbe im Schneesport geeignet. Die Modelle zeigen, dass die Zahl der potenziellen Gastgeber ohne Beschneiung bis in die 2050er Jahre auf nur noch vier Orte weltweit sinken würde.
Robert Steiger betont, dass Beschneiung effizient und möglichst klimafreundlich organisiert werden müsse, mit moderner Technik, sparsamem Einsatz von Wasser und Energie und einem möglichst geringen Ausstoß von Treibhausgasen.
Relevanz für den Wintertourismus
Viele der genannten Überlegungen lassen sich direkt auf den Wintertourismus übertragen. „Regionen, die ihr eigenes Klimarisiko kennen, können ihre Strategien gezielt anpassen. Dazu gehören eine stärkere Fokussierung auf höher gelegene und klimatisch robustere Flächen, eine sorgfältige Planung der Beschneiung und der Ausbau von Angeboten, die nicht zwingend auf Schnee angewiesen sind“, so Steiger.



















