Bozen – Fotovoltaikanlagen sollen wesentlich dazu beitragen, die Energiewende hin zu nachhaltiger Stromproduktion zu schaffen. Wie groß das Potenzial an geeigneten Flächen für Fotovoltaik ist, hat nun das Landesamt für Landesplanung und Kartografie erhoben. Dabei wurden Satellitenfotos ausgewertet und die geeigneten Flächen nach deren urbanistischen Widmungen kategorisiert (etwa öffentliche Parkplätze, Zonen für öffentliche Einrichtungen oder private Grundstücke).
Das Amt ist zum Ergebnis gekommen, dass in Südtirol auf einer Gesamtfläche von mehr als 575 Hektar fast 3.000 Fotovoltaikanlagen installiert werden könnten. 40 Prozent dieser Fläche gehören der öffentlichen Hand.
Vorrangig versiegelte Flächen nutzen
Berücksichtigt wurden bei der Erhebung nur eher größere Flächen mit mehr als 500 Quadratmetern und dabei ausschließlich bereits versiegelte Flächen. „Die Anbringung von Fotovoltaikmodulen auf verbrauchtem Boden erspart nämlich den Eingriff in die Naturlandschaft und in landwirtschaftliche Flächen“, erklärt Amtsdirektor Giorgio Gottardi den Hintergrund. Zuerst sollten bereits versiegelte Flächen genutzt werden, um nachhaltige Energie zu produzieren, lautet das Credo. Dies im Sinne des Landschaftsschutzes und eines geringeren Flächenverbrauchs.
Gottardi betont, dass es sich um eine empirische Studie handelt. Das heißt, es könne durchaus weitere Flächen geben, die nicht erhoben wurden. So sei die Dachlandschaft, die ein enormes Potenzial biete, in der Analyse nicht einbezogen worden. Andererseits müsste von Fall zu Fall überprüft werden, ob die in der Studie ermittelten Standorte tatsächlich für Fotovoltaik geeignet sind. Denn tiefergehende Faktoren wie die Sonneneinstrahlung wurden nicht berücksichtigt.
„Es ging darum, eine erste Größenordnung zu definieren – und zu verstehen, wie groß das Potenzial auf öffentlichen Flächen ist“, erklärt der Amtsdirektor. Und mit rund 230 Hektar an potenziell geeigneten öffentlichen Flächen sei das Potenzial für Fotovoltaikanlagen sehr groß, kommt man im Landesamt zum Schluss.
So wurden etwa in der Bezirksgemeinschaft Pustertal öffentliche Flächen im Ausmaß von fast 60 Hektar ausgemacht (siehe Südtirol-Karte).
Mögliche Win-win-Situation auf Parkplätzen
Von besonderem Interesse seien Parkplätze. „Hier könnte durch die Anbringung von Leichtstrukturen, also Überdachungen, eine Win-win-Situation entstehen. Denn gleichzeitig zur Energieerzeugung auf den Überdachungen würden die parkenden Fahrzeuge beschattet“, erläutert Giorgio Gottardi. Zudem könne der produzierte Strom direkt vor Ort für Ladestationen für E-Fahrzeuge zur Verfügung gestellt werden.
Gottardi denkt etwa an die Großparkplätze der Krankenhäuser oder an Autobahnraststätten. Auch die Pendlerparkplätze an den Bahnhöfen würden in Frage kommen.
Inwiefern es zu einer Realisierung von Fotovoltaikanlagen durch Land, Bezirksgemeinschaften, Gemeinden oder Sanitätsbetrieb kommt, müsse letztendlich die Politik gemeinsam mit Experten und Expertinnen entscheiden.
Auch Unternehmen mit großem Potenzial
Großes Potenzial haben laut der Erhebung auch die Unternehmen. „Einige Firmen haben große versiegelte Flächen“, sagt Amtsdirektor Gottardi. Insgesamt wurden fast 350 Hektar in Privatbesitz als geeignete Flächen ausgemacht. Dazu gehören auch die Rangierflächen der Obstgenossenschaften.
Die Studie soll aber nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. „Ein Unternehmer weiß um das eigene Potenzial selbst Bescheid“, meint Giorgio Gottardi. Auch wolle man mit der Studie keine falschen Hoffnungen machen. Es gehe um eine erste, unverbindliche Quantifizierung des Potenzials.
Das Fazit dieser Quantifizierung lautet jedenfalls: Das Fotovoltaik-Potenzial auf bereits versiegelten Flächen ist riesig – allein schon auf öffentlichem Grund.

















