Südtirol ist schon ein tolles Fleckchen Erde!“, schwärmte Frank-Walter Steinmeier am 1. Jänner auf Facebook. Der deutsche Außenminister ist angetan von den landschaftlichen Schönheiten, an denen sich auch die Einheimischen erfreuen. Faszinierende Berggipfel, Spaß auf Skipisten, gutes Essen, Spitzenweine und Gegenden mit einem mediterranen Klima: Es gibt wenige so vielfältige Regionen.
Aber Südtirol bietet mehr. Bei etwa 520.000 Einwohnern gibt es rund 250.000 Beschäftigte; mit diesem Wert liegt Südtirol über dem norditalienischen Schnitt und gar nicht einmal so weit hinter Deutschland, das derzeit einen Beschäftigungsboom erlebt. Arbeitslosigkeit ist zwar auch hierzulande kein Fremdwort mehr, aber im Vergleich befinden wir uns in einer beneidenswerten Lage. Die hohe Beschäftigungsquote bedingt ein ansehnliches Pro-Kopf-Einkommen – und dies wiederum ermöglich Konsum auf einem hohen Niveau. Der Wermutstropfen: Gut ausgebildete junge Südtiroler gehen ins Ausland, während die weniger attraktiven Stellen in Südtirol mit Ausländern besetzt werden.
Wenn wir hierzulande von Krise reden, geschieht dies vielfach nicht aus gutem Grund. Es stimmt zwar, dass manche Sektoren leiden und die allgemeine Lage in Italien Südtirol in vielerlei Hinsicht negativ beeinflusst. Aber Tatsache ist auch, dass viele Unternehmen derzeit wachsen und sich die Südtiroler Wirtschaft insgesamt gut schlägt. Schwierigkeiten hat es auch in den 1980er- und 1990er-Jahren gegeben.
Die Südtiroler Gesellschaft ist in den letzten Jahren zusammengewachsen. Die politischen Differenzen zwischen den Volksgruppen, die das Klima lange Zeit vergiftet haben, sind weitgehend überwunden, die italienische Volksgruppe identifiziert sich immer stärker mit Südtirol. Auch die starke Einwanderung ist bisher gut verkraftet worden, vielleich weil wir schon Erfahrung im Zusammenleben haben. Spannungsfrei ist die Entwicklung nicht, aber „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) gehen hierzulande noch nicht auf die Straße.
Wer schaut und vergleicht, kann nur einen Schluss ziehen: Wir Südtiroler können zufrieden sein!














