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Shops für die Welt

Vor acht Jahren hat Bernhard Schweitzer die Leitung der Schweitzer Project AG übernommen. Seither ist das bereits damals etablierte Unternehmen in neue Dimensionen gewachsen. Allein im vergangenen Geschäftsjahr wurden über 80 neue Mitarbeiter eingestellt. Junge Südtiroler werden gesucht.

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
1. August 2014
in Südtirol
Lesezeit: 4 mins read

Naturns – Am 8. September 2007 feierte die die Firma Schweitzer ihr 80-jähriges Bestehen. Seniorchef Norbert Schweitzer konnte dabei eine stolze Bilanz ziehen, denn unter seiner Führung war das Unternehmen gewachsen – und er hatte es international ausgerichtet. Damals erzählte er, sein Sohn Bernhard, an den er zwei Jahre vorher die Geschäftsführung abgetreten hatte, habe ihm bei dieser Gelegenheit begeistert gesagt, es gäbe noch viel zu tun und zu expandieren, und er habe geantwortet: „Mach du“. Der Junior hat die Aufforderung, Gas zu geben, offenbar als Auftrag verstanden, denn er hat die Gruppe seither sehr stark entwickelt und vor allem weiter internationalisiert. Norbert Schweitzer hat leider nicht mehr erlebt, mit welcher Geschwindigkeit das Unternehmen unter seinem Sohn wächst, denn er ist allzu früh im November 2008 verstorben,

Bernhard Schweitzer, Jahrgang 1969, hat an der Universität Bocconi in Mailand studiert und bei Ferialjobs das Unternehmen von der Pike auf kennengelernt. Nach seinem Einstieg in das Unternehmen wurde er mit verschiedenen Aufgaben betraut, und schließlich überantworteten ihm Vater und Onkel die operative Leitung der Schweitzer Gruppe, zu der heute 25 Gesellschaften weltweit und Sitze in Zentren wie London, Paris, Moskau und Hongkong gehören. Gut 700 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe, in der 14 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Etwa 50 Prozent der Kunden sind englischsprachig, und derzeit erfolgt der Einstieg in den US-amerikanischen Markt. Schweitzer hat ein Büro in San Francisco eröffnet und plant, die Aktivitäten auch auf die Ostküste auszuweiten. Englisch und Deutsch sind die Geschäftssprachen in der Gruppe, über die die Verständigung erfolgt, wobei alle Mitarbeiter von jedem Gerät aus mit allen anderen über ein Skype-System verbunden sind und gemeinsam Projekte einsehen können. Bernhard Schweitzer ist heute Alleininhaber der Gruppe, zu der auch das Planungsunternehmen Interstore Design und die Firma Interforce gehören, die schlüsselfertige Objekte realisiert. „Allein bestimmen zu können, hat den Vorteil, dass man schneller entscheiden und effizienter arbeiten kann, und das ist mit Blick auf die Kundenwünsche ungemein wichtig“, sagt er.

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Die letzte Zeit war gekennzeichnet von einem enormen Wachstum: „Wir haben in den letzten vier bis fünf Jahren unseren Umsatz verdoppelt, ebenso die Zahl unserer Mitarbeiter – und wir wachsen weiter, weil wir in neue Märkte gehen, neue Großkunden gewinnen oder von bestehenden Kunden mehr Aufträge erhalten“, erzählt Schweitzer. 89 Millionen hat die Gruppe im Jahr 2012 umgesetzt, 2013 waren es 118, und das nächste Umsatzziel liegt zwischen 140 und 160 Millionen. „Es kann sein, dass wir einen neuen großen Kunden dazubekommen und mit diesem schon 2015 um 30 Prozent mehr Umsatz generieren“, betont Schweitzer. In den nächsten Jahren, so der Entwicklungsplan, soll der Umsatz noch einmal verdoppelt werden.

Starkes Wachstum, das wissen Betriebswirte, ist erstrebenswert, hat aber auch seine Tücken, da es umfangreiche Investitionen mit entsprechend viel Fremdkapital erfordert und die Organisation zuweilen stark fordert oder gar überfordert, so dass sich Fehler und Mängel häufen. Bernhard Schweitzer beruhigt: „Die Firmengruppe Schweitzer hat null Nettoverschuldung, und sie wächst profitabel, das heißt, auch das Betriebsergebnis stimmt. Dies erlaubt es uns, jedes Jahr an die zehn Millionen Euro zu investieren – in den Ausbau von Werken, in Marktaktionen oder die IT.“

Produziert wird

im Metallwerk in Ungarn, wo 300 Mitarbeiter beschäftigt sind und sich neben einer Niederlassung auch die Logistik befindet, die 18.000 Quadratmeter umfasst und jetzt auf 30.000 ausgebaut wird;

im Holzwerk in Polen, an dem die Schweitzer Project zu 45 Prozent beteiligt ist (die 200 Mitarbeiter dort sind nicht in den 700 Beschäftigten der Gruppe enthalten) und

im Kühlmöbelwerk in Padua, wo 70 bis 80 Mitarbeiter eigene Möbel für den Frischesektor im Food-Bereich fertigen.

Am Hauptsitz in Naturns sind 220 bis 240 Mitarbeiter beschäftigt. Hier laufen die Fäden zusammen, hier wird gesteuert und entwickelt. Manche Fenster sind verklebt, die Türen mit Fingerprint-Geräten gesichert. „Wir entwickeln für Kunden und oft auch mit diesen gemeinsam neue Produkte, und diese Arbeiten sind top secret“, erzählt Schweitzer und verrät, dass derzeit neue Warenträger für eine bekannte Kette entwickelt werden, die in ein neues Marktsegment eintreten will, was aber niemand wissen darf. In Naturns sitzt auch die Schweitzer Manufaktur, eine Werkstatt mit kleinen, aber hochmodernen Maschinen, die zu 70 Prozent Prototypen herstellt, zu 30 Prozent für den kleinen lokalen Markt fertigt, der mit der Übernahme der Umdasch Italien (siehe eigene Meldung) wachsen soll. Das Headquarter ist erst vor wenigen Jahren großzügig erweitert worden, doch zeichnet sich erneut Platzmangel ab. Im letzten Geschäftsjahr wurden über 80 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, die meisten davon im Ausland, aber jetzt plant Schweitzer, weitere Südtiroler Mitarbeiter zu engagieren. Vor einigen Jahren wurden in erster Linie Techniker gesucht und ausgebildet, jetzt sind es Projektleiter (und Logistiker). Diese werden 18 Monate lang intern ausgebildet, als Junior-Projektleiter eingesetzt und – wenn sie sich bewähren – Projektleiter. Man kann bei Schweitzer Karriere machen (siehe eigenen Info-Kasten), „aber wir verlangen sehr viel Einsatz, darüber hinaus Sprachenkenntnisse und die Bereitschaft zu reisen und auch einmal außerhalb Südtirols zu arbeiten. Englisch ist Standard, dazu ist entweder Spanisch, Russisch oder Portugiesisch von Vorteil, denn wir nehmen jetzt Lateinamerika ins Visier. Der Job bei uns ist hart, aber dafür bieten wir ein spannendes Umfeld und die Zusammenarbeit mit Weltkonzernen wie H&M, Nespresso, C&A und vielen anderen, die ich teilweise gar nicht nennen darf. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Südtirolern gemacht, sie sind gut ausgebildet, kompetent und einsatzfreudig“, sagt Schweitzer. Und deshalb hat die Gruppe jetzt eine Kampagne gestartet, um junge Mitarbeiter aus Südtirol zu finden, die mehr wollen, als einen geregelten Achtstundenjob mit pünktlichem Feierabend.

Schlagwörter: 30-14freenomedia

Info

Übernahme
Die Schweitzer Project AG hat mehrheitlich den italienischen Markt der Umdasch Shopfitting Srl übernommen, die sich aus dem lokalen Markt zurückzieht. Die Umdasch ist vor 25 Jahren bei der Firma Amonn eingestiegen, um als Umdasch-Amonn den italienischen Markt zu erobern, hat später das Unternehmen allein übernommen und einen Betriebssitz im Gewerbegebiet Wurzer in Steinmannwald (Leifers) errichtet. In den letzten Jahren ist der Umsatz unter anderem wegen der Krise in Italien ständig geschrumpft, Umdasch übersiedelte in kleinere Räume nach Bozen und hat jetzt das Handtuch geworfen. Nach der mehrheitlichen Übernahme des italienischen Marktes von Umdasch blickt Schweitzer optimistisch in Richtung Marktentwicklung in Südtirol. Adalbert Hillebrand – ehemaliger Mitarbeiter der Firma Umdasch Shopfitting – wird das bestehende Team um Helmut Innerhofer in Südtirol ergänzen. Zusätzlich wird man bei Schweitzer weitere Mitarbeiter zur Verstärkung des Teams einstellen, um dadurch die Betreuung und das Augenmerk auf den lokalen Markt noch weiter ausbauen zu können.
Drei Karrieren bei Schweitzer
Fabian Falser, Jahrgang 1985, stammt aus Karneid, hat an der Landwirtschaftlichen Oberschule in Auer maturiert und dann sechs Jahre in der Baubranche (Planung) gearbeitet. In dieser Zeit hat er seine Englischkenntnisse durch Sprachaufenthalte verbessert. 2011 kam er zu Schweitzer, weil er eine neue Herausforderung in einem internationalen Arbeitsumfeld suchte, Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen nutzen und Verantwortung übernehmen wollte. Nach einer internen Ausbildung ist Falser heute Projektmanager und betreut als solcher einen US-Konzern. Mindestens einmal im Monat fliegt er für ein paar Tage oder eine Woche nach San Francisco, einmal im Monat kommt der Kunde nach Naturns. „In meiner Funktion bin ich ein Unternehmer innerhalb des Unternehmens, und das gefällt mir“, sagt er.
Walter Volani, Jahrgang 1979, stammt aus Lana, hat die Gewerbeoberschule besucht und dann Logistik und Produktionsingenieurwesen an der Universität Bozen studiert. Im November 2005 hat er seine Arbeit als Junior Projektleiter bei der Schweitzer Project aufgenommen und war in mehreren Abteilungen tätig, besonders lange in der Kalkulation. Dann wurde ihm die Verantwortung für einen wichtigen Kunden, ein italienisches Textilunternehmen, übertragen. Als Seniorprojektleiter betreut er heute Projekte von der Bestandsaufnahme bis zum Abschluss und trägt die Verantwortung für Zeit, Kosten und Qualität. Zusammen mit seiner Kollegin Suzana Jotovic betreut er als Head of MPR (Multiplikative Product Rollouts) die Niederlassung in Ungarn und leitet dort ein Team von 90 Mitarbeitern. Die beiden verwalten zusammen an die 25 Millionen Euro. Sie haben innerhalb von drei Jahren ein Geschäftsfeld für Rollout aufgebaut – inklusive Logistikzentrum in Sopron. „Der Job ist anstrengend, aber sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Ich bin gefordert – und das gefällt mir“, sagt Volani, der weiterhin auch als Projektleiter arbeitet und als solcher derzeit häufig nach Stockholm zum Sitz des Großkunden H&M muss.
Suzana Jotovic, Jahrgang 1982, stammt aus Serbien, lebt aber schon seit vielen Jahren in der Schweiz. Ursprünglich war sie Schuhverkäuferin, doch wurden ihre Fähigkeiten früh entdeckt, und sie arbeitete bei Unternehmen in der Schweiz bzw. Deutschland, zuerst als Managementassistentin, später im Verkaufsinnendienst und als Projektleiterin. 2011 kam sie als internationale Projektleiterin zur Schweizer Group, 2012 stieg sie zum Head of MPR auf.

Ausgabe 30-14, Seite 4

Robert Weißensteiner

Robert Weißensteiner

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