Bozen – Eine neue Umfrage der nationalen Verbraucherverbände zur finanziellen Kompetenz und zum Zahlungsverhalten zeigt: Italiener sind im Umgang mit Geld selbstbewusst – aber nicht immer sattelfest.
Teilnehmende aus allen Regionen beteiligten sich an der Online-Erhebung „PRONTI A CONTARE – ZAHLREICH“, initiiert von Adiconsum, Codacons, Confconsumatori, Movimento Consumatori, Movimento Difesa del Cittadino und der Verbraucherzentrale Südtirol.
Das Stimmungsbild: hohes Vertrauen in die eigene Finanzkompetenz – bei zugleich spürbaren Wissenslücken.
Viel Selbstvertrauen, begrenzte Kenntnisse
83 Prozent der Befragten bewerten ihre Finanzkenntnisse als „gut, hoch oder sehr hoch“. Konkrete Sachfragen zeigen jedoch deutliche Defizite – im Einklang mit Eurobarometer 2023 und OECD-PISA.
48,9 Prozent geben an, Einnahmen und Ausgaben stets zu kontrollieren. Doch die gefühlte Kontrolle übersteigt häufig die tatsächliche Kompetenz.
Unsicherheiten im digitalen Zahlungsalltag
Zwischen Kredit- und Debitkarte bestehen weiterhin verbreitete Unklarheiten. Unterschiede, Funktionen und Risiken werden oft nicht korrekt eingeordnet.
Nur 20 Prozent fühlen sich im Umgang mit digitalen Zahlungen „sehr sicher“, während mehr als 70 Prozent (sehr) besorgt über Online-Betrug sind. Gleichzeitig erkennen 38,9 Prozent, dass digitale Zahlungen das Finanzmanagement erleichtern – Skepsis bleibt dennoch stark.
22 Prozent der Befragten nutzen Buy-Now-Pay-Later-Angebote. Besonders hoch ist der Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen mit 44 Prozent sowie bei den 24- bis 35-Jährigen mit 34,3 Prozent.
In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen führen nur 50 Prozent systematisch Buch über Einnahmen und Ausgaben (bei den über 65-Jährigen sind es 77 Prozent). Nur 20 Prozent der 18- bis 34-Jährigen lesen und verstehen die Vertragsbedingungen von Krediten, Karten und BNPL-Angeboten ohne Schwierigkeiten.
Mikrotransaktionen und Gaming betreffen 13 Prozent der Haushalte. 75 Prozent halten solche Ausgaben für riskant, wenn sie nicht überwacht werden. Auffällig: Regelmäßige Nutzer:innen vertrauen digitalen Zahlungen stärker – und zeigen zugleich geringere Risikosensibilität.
Geschlecht, Alter, Region
53 Prozent der Männer schätzen ihre Finanzkompetenz als hoch ein, 20,3 Prozent fühlen sich „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten. Bei Frauen liegen diese Werte bei 43,6 Prozent beziehungsweise 12,2 Prozent.
77 Prozent der über 65-Jährigen führen systematisch Buch über Einnahmen und Ausgaben – bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 50 Prozent.
Auch regional zeigt sich ein Gefälle bei der Fähigkeit, unerwartete Ausgaben zu bewältigen: Norden 53,5 Prozent, Mitte 35,8 Prozent, Inseln 35,4 Prozent, Süden 23,9 Prozent.
Beim Einkommen gilt: Bei einem Jahreseinkommen über 50.000 Euro fühlen sich 31,4 Prozent „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten; unter 15.000 Euro sind es 15 Prozent.
Klare Erwartungen an Politik und Finanzsektor
64,9 Prozent sprechen sich für Finanzbildung in Schulen aus, 47,7 Prozent für Kurse für Erwachsene, 46,4 Prozent für mehr Transparenz durch Banken und Finanzdienstleister. 36,5 Prozent wünschen sich individuelle Beratung durch Organisationen des Dritten Sektors – mehr als doppelt so häufig wie durch Kreditinstitute.
Die Verbraucherverbände fordern strukturierte Finanzbildungsprogramme mit Fokus auf junge Menschen und Frauen, unabhängige Beratungsstellen gemäß EU-Richtlinie 2023/2225, gemeinsame Informationskampagnen zur Sicherheit digitaler Zahlungen und zum digitalen Euro sowie ein ständiges Koordinierungsgremium zwischen Institutionen und Verbraucherverbänden.

















