Bozen – Landeshauptmann Arno Kompatscher hat ausführlich auf eine Landtagsanfrage des Team-K-Abgeordneten Franz Ploner zum Stand der Arbeiten an Südtirols Glasfasernetz geantwortet. Demnach haben in Südtirol mittlerweile 98,4 Prozent der Gebäude „die infrastrukturellen Voraussetzungen“ für den Zugang zu schnellem Internet. Für 70,5 Prozent der Endnutzer:innen besteht sogar die technische Möglichkeit für ultraschnelles Internet. Landesweit seien nur „949 Anschriften in 69 Gemeinden als Gebiete mit Marktversagen einzustufen“, heißt es in der Antwort.
Der große Aufreger vor 20 Jahren
Mangelhafte Internetverbindungen sind in Südtirol kaum mehr ein Thema. Allerdings hat die Entwicklung länger gedauert als die Landespolitik ursprünglich geplant hatte.
Vor 20 Jahren gehörten langsame Internetverbindungen zu den ganz großen Aufregern quer durchs Land, vor allem abseits der großen Ballungszentren (die SWZ hat wiederholt berichtet). Denn während sich die wichtigen Telekommunikationsbetreiber in den Ballungszentren mit großem Kundenpotenzial um den Internetausbau kümmerten, wurde die weniger lukrative Peripherie stiefmütterlich behandelt.
Handwerksbetriebe klagten, dass sie wertvolle Arbeitszeit beim Empfangen oder Senden von umfangreichen Datenmengen verlieren. Hotels mussten mit dem Unmut von Großstadtgästen fertig werden, die vom Schneckeninternet enttäuscht waren. Und auch Unternehmen aus anderen Sektoren sprachen über Wettbewerbsnachteile.
Deswegen beschloss die Landesregierung, mit öffentlichem Geld überall dort die Internetverbindungen auszubauen, wo der freie Markt versagte. 2004 gab die Landesregierung das Ziel aus, bis 2009 alle heimischen Betriebe mit mehr als drei Mitarbeitenden, 95 Prozent der Betriebe mit drei oder weniger Mitarbeitenden und 90 Prozent der Privathaushalte mit Breitbandinternet zu versorgen. Das Ziel wurde verfehlt, auch weil die Anforderungen an die Internetverbindungen wegen der wachsenden Datenmengen ständig stiegen. Reichten zunächst Kupfer- und Funkverbindungen, wurden nach und nach leistungsfähige Glasfaserleitungen so gut wie unverzichtbar.
250 Millionen vom Land, 106 Millionen aus dem PNRR
Freilich kostete die landesweite Verlegung von Glasfaserleitungen Zeit und Geld, auch weil in Berggebieten die Erschließung aufwändiger ist. Aber jetzt scheint das lang gehegte Ziel erreicht. Südtirol ist gut mit schnellen Internetverbindungen versorgt, die mittlerweile so selbstverständlich sind wie funktionierende Straßen. Landeshauptmann Kompatscher schreibt: „Insgesamt kann festgestellt werden, dass die grundlegende digitale Infrastruktur im Wesentlichen geschaffen wurde. Die verbleibenden Maßnahmen betreffen vor allem die Feinerschließung, die Aktivierung einzelner Anschlüsse sowie die Versorgung jener Gebiete, deren Ausbau aufgrund topographischer, technischer oder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen einen erhöhten Realisierungsaufwand erfordert.“
Insgesamt haben das Land und die Landesgesellschaft Infranet in den vergangenen Jahren rund 250 Millionen Euro in Südtirols Glasfasernetz investiert, heißt es in der Antwort auf die Landtagsfrage. Dazu kommen Investitionen von privaten Anbietern sowie staatliche Fördergelder, unter anderem 106,5 Millionen Euro an PNRR-Mitteln.


















