Reinswald – Im Sarntal stehen die Zeichen auf Erneuerung. Mit einem Investitionsvolumen von rund 16 Millionen Euro planen die Reinswalder Bergbahnen den Neubau ihrer Hauptkabinenbahn. Es handelt sich laut Unternehmen um die größte Investition in der Geschichte der Reinswalder Bergbahnen. Um das Projekt zu finanzieren, setzt Präsident Julian Thaler auch auf die Bevölkerung vor Ort. Über eine Aktienzeichnung sollen sich Sarnerinnen und Sarner an der Reinswalder Bergbahnen AG beteiligen können.
Reinswald lädt zur Aktienzeichnung
Der Grund für die Neuplanung: Die bestehende Kabinenbahn wird 2027 30 Jahre alt. Nach Angaben der Reinswalder Bergbahnen steht damit die gesetzlich vorgeschriebene Generalrevision an. Statt lediglich in die bestehende Anlage zu investieren, soll eine moderne Zehner-Kabinenbahn entstehen – leistungsfähiger, komfortabler und zukunftsorientiert.
Um das Projekt zu stemmen, setzen die Verantwortlichen auf die Gemeinschaft vor Ort. Unter dem Motto „Wer das Sarntal liebt, sollte auch ein Stück davon besitzen“ wendet sich Präsident Julian Thaler direkt an die Sarnerinnen und Sarner. Über die Möglichkeit einer Aktienzeichnung sollen Einheimische zu Miteigentümern der Reinswalder Bergbahnen werden.
Dabei geht es den Betreibern nicht allein um die Finanzierung der Investition. Mit einer Beteiligung sollen die Menschen im Tal auch Mitverantwortung für die Zukunft des Ski- und Wandergebiets übernehmen. Wichtige Entscheidungen sollen weiterhin vor Ort getroffen werden und Reinswald auch künftig „in Sarner Händen“ bleiben.
Auch wirtschaftlich hat das Skigebiet Bedeutung für das Tal. Rund 50 Landwirte, 26 Skilehrerinnen und Skilehrer sowie 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind laut den Reinswalder Bergbahnen direkt mit den Bergbahnen verbunden. Hinzu kommen zahlreiche Betriebe aus Tourismus, Gastronomie, Handel und Handwerk.
Ein Modell mit Tradition
Was im Sarntal aktuell für Aufsehen sorgt, ist in Südtirol kein Einzelfall. Immer wieder wurden Seilbahn- und Liftprojekte von lokalen Akteuren getragen oder durch eine breite Beteiligung der Bevölkerung ermöglicht. Einige Beispiele zeigen, wie tief die lokale Verankerung in der Südtiroler Seilbahngeschichte reicht:
- Kronplatz Seilbahn (Bruneck, 1960): Ernst Lüfter und eine Gruppe engagierter Brunecker Bürger gründeten 1960 die Kronplatz Seilbahn GmbH. Ein Jahr später wurde die Gesellschaft in eine AG umgewandelt. Die Initiative aus der Brunecker Bürgerschaft heraus sollte die Erschließung des Kronplatzes von der Brunecker Seite aus ermöglichen.
- Klausberg Seilbahn (Ahrntal, 1970): Zehn Ahrntaler legten mit der Gründung der Gesellschaft den Grundstein für die Erschließung des Skigebiets. Aus der kleinen Gründungsgruppe entwickelte sich über die Jahrzehnte eine breite Eigentümerstruktur. Zuletzt wurden 153 Aktionäre ausgewiesen, darunter vor allem Klein- und Kleinstaktionäre. Größter Einzelaktionär ist die Gemeinde Ahrntal mit acht Prozent.
- Obereggen (Eggental, 1970): Elf junge Männer gründeten 1970 die Aktiengesellschaft Obereggen, um aus dem kleinen Weiler am Latemar ein Skigebiet zu machen. Finanziert wurde das Vorhaben über eine Sammelaktion, bei der Klinken geputzt wurden. Mitgründer Vinzenz Zelger war einer, der von Haustür zu Haustür ging und für das Projekt warb. So hieß es nach der Sonntagsmesse schon mal: „Bisch du a ba den Vinzenzverein?“. 1972 eröffnete das Skigebiet dank dieser breit gestreuten Kleinstanteile.
- Ratschings-Jaufen (1972): 1972 wurde unter Federführung des späteren Ehrenpräsidenten Vinzenz Schölzhorn die „Innerratschings-Jaufen GmbH“ gegründet. Die Gesellschaft ist historisch eng mit der lokalen Bevölkerung und der Entwicklung des Tales verbunden.
- Dorflift Deutschnofen: Als der Dorflift vor der Schließung stand, gründete eine Gruppe Deutschnofner unter Heinrich Sparber eine Genossenschaft, um ihn zu retten. Bevölkerung, Gemeinde und Unternehmen unterstützten die Initiative: 530 Millionen Lire wurden gesammelt. Aus neun Gründungsmitgliedern wurden 132 Genossenschaftsmitglieder. Das Beispiel zeigt, dass lokale Beteiligung nicht nur beim Aufbau, sondern auch beim Erhalt von Liftinfrastruktur eine Rolle spielen kann.


















