Bozen – Regionale Produkte spielen im Tourismus eine wichtige Rolle, doch honorieren Gäste sie tatsächlich bei der Hotelauswahl? Dieser Frage ist das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen (Wifo) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) auf den Grund gegangen. Im Mittelpunkt stand dabei die Zahlungsbereitschaft deutscher und italienischer Gäste für regionale Lebensmittel bei der Hotelauswahl.
Im Sommer 2025 wurden über 2.000 Personen ab 40 Jahren aus Deutschland und Italien online befragt, die bereits Urlaub in Südtirol gemacht haben oder dies für die nahe Zukunft planten. Die Südtirol-Urlauber:innen mussten in zwölf Entscheidungssituationen jeweils zwischen drei unterschiedlichen Hotelangeboten wählen. Diese waren in der Aufmachung realistischen Buchungsportalen wie booking.com nachempfunden.
Es gibt weit wichtigere Kriterien
Die Ergebnisse zeigen, dass die Regionalität im Allgemeinen eine hohe Bedeutung für die deutschen und italienischen Gäste hat. Bei der konkreten Auswahl eines Hotels fällt die Herkunft der Speisen jedoch erst nach dem Preis, dem Komfort und den Kundenbewertungen ins Gewicht.
In beiden Ländern ist der Preis der Übernachtung mit rund 50 Prozent das dominierende Kriterium. Es folgen die Zimmerkategorie mit einer Wichtigkeit von 15 bis 20 Prozent und die Kundenbewertungen mit rund elf Prozent. Die Herkunft der Speisen liegt mit 8,1 Prozent für italienische Gäste und 8,8 Prozent für deutsche Gäste an vierter Stelle.
So hoch ist die Zahlungsbereitschaft für Extras
Das Wifo konnte auch die Zahlungsbereitschaft für die einzelnen Merkmale berechnen, jeweils bezogen auf den Preis einer Übernachtung für zwei Personen. Am stärksten wirkt sich dabei ein Superior-Zimmer aus, für das eine zusätzliche Zahlungsbereitschaft von rund 15 Euro pro Nacht ermittelt wurde. Eine kostenlose Stornierung wird hingegen mit etwa sechs bis sieben Euro bewertet.
Die zusätzliche Zahlungsbereitschaft für regionale Lebensmittel fällt moderat aus und ist lediglich für das Attribut „Produkte von Südtiroler Bauernhöfen“ empirisch nachweisbar: Hier ergeben sich plus 7,90 Euro bei deutschen Gästen und plus 5,10 Euro bei italienischen Gästen.
„Herkunft nachvollziehbar aufzeigen“
Unabhängig von der konkreten Buchungsentscheidung wurden die Gäste gefragt, welche Informations- und Erlebnisangebote sie sich im Zusammenhang mit regionalen Produkten wünschen. Am häufigsten wurden dabei Verkostungen in der Umgebung, Besichtigungen von Bauernhöfen und Kellereien sowie Informationsangebote zu lokalen bzw. bäuerlichen Produkten genannt.
Wifo-Direktor Georg Lun sagt: „Viele Gäste verbinden Regionalität ganz selbstverständlich mit Südtirol. Deshalb ist es wichtig, die Herkunft der verwendeten Produkte nachvollziehbar aufzuzeigen. Insbesondere dort, wo die bäuerliche Herkunft sichtbar wird, lässt sich ein konkreter Mehrwert messbar nachweisen.“ Authentizität sei dabei entscheidend.

















