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Pumpspeicherwerk Ulten: Potenzialstudie vorgestellt

ENERGIE – Was würde der Bau des Ultner Pumpspeicherkraftwerks für die Wirtschaft, das Tal und die Bevölkerung bringen? Eine Studie der Uni Bozen gibt aufschlussreiche Antworten.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
2. März 2026
in News
Lesezeit: 3 mins read
Das Strom-Dilemma: Ohne Speicher keine Wende?

Das Ultner Projekt: Die geplante Trasse des Stollens zwischen Zoggler- und Arzkar-Stausee (Quelle: Alperia)

Bozen/Ulten – Während das ungefähre Datum der Volksbefragung immer noch nicht bekannt ist, wurde eine neue Studie zum Pumpspeicherkraftwerk in Ulten veröffentlicht. Durchgeführt wurde sie vom Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der Uni Bozen. Auftraggeber war die Landesenergiegesellschaft Alperia, die das Pumpspeicherwerk um geschätzt 700 Millionen Euro bauen will (siehe SWZ-Artikel).

In der Studie wurden die wirtschaftlichen und ökologisch-sozialen Auswirkungen des Kraftwerks analysiert. „Die Ergebnisse zeigen klare wirtschaftliche Vorteile auf, verdeutlichen aber auch, dass einige Faktoren im Vorfeld besonders berücksichtigt werden müssen“, fasst Alperia selbst zusammen.

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Untersucht wurden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Investitionen, das Potenzial für den lokalen Tourismus, der ökosoziale Mehrwert der Kompensationsmaßnahmen des sogenannten Ultner Pakets sowie Auswirkungen auf den Verkehr. Zusätzlich wurden vergleichbare Großprojekte in ganz Europa analysiert.

Das wirtschaftliche Potenzial

Für die gesamte Provinz wird erwartet, dass die Investition für die Südtiroler Unternehmen potenziell einen zusätzlichen jährlichen Umsatz in Höhe von 152 Millionen Euro generieren kann. Bei einer fünfjährigen Bauzeit wären das insgesamt 760 Millionen Euro. „Davon profitieren würden nicht nur das Baugewerbe, sondern insgesamt 37 Sektoren in ganz Südtirol – von Immobilien, Transport oder Finanzwesen bis hin zum Gastgewerbe“, heißt es.

Insgesamt bräuchte es laut Studie in der Bauphase mehr als 1.000 Arbeitskräfte – bestehende wie neue –, die über ihre Löhne wiederum für zusätzlichen lokalen Konsum sorgen. Nach Inbetriebnahme der Anlage wird auf Provinzebene mit einer zusätzlichen jährlichen Wertschöpfung von 58 Millionen Euro gerechnet.

Für die in Ulten ansässigen Unternehmen wird von einem zusätzlichen Umsatz in Höhe von rund 39 Millionen Euro ausgegangen. Das ergibt in fünf Jahren 195 Millionen Euro, von denen insgesamt 22 Sektoren profitieren könnten. „Somit würde rund ein Viertel des geschätzten Produktionswerts direkt im Tal generiert“, schreibt Alperia in einer Pressemitteilung.

Der Leiter der Studie, Massimiliano Bonacchi, erklärt: „Das wirtschaftliche Potenzial dieses Projekts ist ohne Zweifel erheblich. Seine konkrete Realisierung und Verteilung wird jedoch von den operativen Entscheidungen sowie der Fähigkeit der einzelnen Akteure abhängen, sich entsprechend zu aktivieren und zu positionieren.“

Mehr Nächtigungen, aber gut zu planen

Laut aktuellem Planungsstand werden bis zu 370 Arbeitskräfte auf der Baustelle tätig sein. Daraus ergeben sich in Spitzenjahren bis zu 92.500 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr, zeigt die Studie. Damit könne der aktuelle Auslastungsgrad der 120 Ultner Beherbergungsbetriebe von aktuell im Jahresdurchschnitt 35 auf bis zu 48 Prozent gesteigert werden. Die direkten Ausgaben der involvierten Arbeitskräfte für Kost und Logis werden für fünf Jahre Bauzeit mit sehr konservativen Annahmen auf 18 Millionen Euro geschätzt.

Dabei muss laut der Uni-Forscherin Sarah Russo allerdings berücksichtigt werden, dass die Bettenauslastung im Sommer bereits sehr hoch sei. Um das Potenzial ausnutzen zu können und herkömmliche Gäste nicht abzuschrecken, legt das Forschungsteam den Verantwortlichen nahe, in enger Absprache mit den lokalen Stakeholdern und frühzeitig zu planen, wo die Arbeitskräfte untergebracht werden – und dabei auf eine gute Balance zwischen den Bedürfnissen der Hoteliers, der Bevölkerung und des Bauunternehmens zu achten.

Die Sache mit dem Verkehr

Heikel könnte sich ohne eine entsprechende Organisation auch die Verkehrsbelastung durch die Baustelle entwickeln, warnt das Forschungsteam. Laut einer Simulation ergibt sich während der intensivsten Perioden der Bauzeit eine Belastung von durchschnittlich 16 Schwerfahrzeug-Durchfahrten pro Tag.

„Wie bewältigbar das für das Tal ist, hängt davon ab, wann die Fahrten durchgeführt werden“, sagt Massimiliano Bonacchi, der nahelegt, Stoßzeiten von Arbeits- und Urlaubsverkehr zu meiden.

Für den Leichtverkehr sei dagegen essenziell, dass möglichst viele Beschäftigte in der Nähe der Baustelle untergebracht werden, um keinen zusätzlichen Verkehr zu schaffen.

Was schaut für die Ultner raus?

Was das sogenannte Ultner Paket betrifft, hat das Forschungsteam die Auswirkungen der geplanten Benefits von Alperia für die Bevölkerung, Unternehmen und das Skigebiet Schwemmalm berechnet. Demnach sollte sich für private Alperia-Kunden im Tal eine Ersparnis der Energiekosten von durchschnittlich 73 Prozent ergeben, beim Skigebiet Schwemmalm ist von rund 70 Prozent die Rede. Für Betriebe ergibt sich ein Wert von bis zu 2.300 Euro jährlich, der je nach Branche und Größe erheblich variiert.

Alperia-Generaldirektor Luis Amort betont: „Natürlich sind wir bereit, über dieses Paket noch zu diskutieren.“

Nach Analyse ähnlicher Großprojekte in Europa hat das Forschungsteam der Uni folgende entscheidende Faktoren festgestellt, um das Potenzial der Investitionen nutzen zu können und einen gesellschaftlichen Konsens zu erreichen: Transparenz, ein kontinuierlicher Dialog und eine echte Einbindung der Bevölkerung.

Südtiroler Wirtschaftszeitung

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