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Pilotprojekt: Wenn Wirtschaft im Kreis denkt

KREISLAUFWIRTSCHAFT – Nach zwei Jahren zieht das EU-Projekt Inno.Circle Bilanz: 31 KMU aus Tirol, Südtirol und Salzburg haben gezeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
31. März 2026
in News
Lesezeit: 3 mins read
Pilotprojekt: Wenn Wirtschaft im Kreis denkt

31 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus Tirol, Südtirol und Salzburg haben erprobt, wie sich Kreislaufwirtschaft in der Praxis umsetzen lässt. (Foto: shutterstock/ Roman Samborskyi)

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Innsbruck – Nach zwei intensiven Jahren endet das EU-Projekt Inno.Circle unter der Federführung der Standortagentur Tirol – und hinterlässt konkrete Ergebnisse. Insgesamt 31 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus Tirol, Südtirol und Salzburg haben neue Wege erprobt, um Kreislaufwirtschaft im betrieblichen Alltag umzusetzen. Beim Circular.Day wurden die wichtigsten Erkenntnisse sowie praxisnahe Handlungsempfehlungen präsentiert.

Das Ziel des durch das EU-Förderprogramm Interreg unterstützten Projekts war klar: Unternehmen dabei zu unterstützen, Produkte und Prozesse so zu gestalten, dass Materialien möglichst lange im Umlauf bleiben und Ressourcen effizient genutzt werden. Das Gesamtbudget belief sich auf 857.254,90 Euro, wovon 663.075,51 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammten. Koordiniert wurde das Programm von der Standortagentur Tirol in Kooperation mit Energieagentur Tirol, Klimabündnis Tirol, IDM Südtirol, Eurac Research und Innovation Salzburg GmbH. Laut der Website von Inno.Circle haben folgende Südtiroler Unternehmen am Coaching-Programm teilgenommen: Tip Top Fenster & Systeme, Workplus GmbH, Riwega GmbH, Moriggl Risan GmbH, Lobis Böden GmbH und Alema.Bau GmbH.

Coaching, Tools und Vernetzung

Im Zentrum von Inno.Circle stand ein praxisorientiertes Coachingprogramm, das Unternehmen Schritt für Schritt an das Thema Kreislaufwirtschaft heranführte. Digitale Tools, strukturierte Module und interaktive Dialogformate bildeten die Grundlage. Ergänzt wurde das Angebot durch einen kuratierten Know-how-Pool sowie Formate wie die „Circularity Challenge“, bei der gemeinsam mit der Universität Innsbruck konkrete Fragestellungen aus der Unternehmenspraxis bearbeitet wurden.

„Kreislaufwirtschaft lässt sich nur umsetzen, wenn Unternehmen über Branchengrenzen hinweg kooperieren.“ Marcus Hofer

Dass Innovation vor allem im Austausch entsteht, unterstreicht Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol: „Kreislaufwirtschaft lässt sich nur umsetzen, wenn Unternehmen über Branchengrenzen hinweg kooperieren. Inno.Circle hat gezeigt, dass genau dort Innovation entsteht – im gemeinsamen Nachdenken und Ausprobieren.“

Besonders im Fokus stand der ganzheitliche Blick auf den Lebenszyklus von Produkten – von der Materialbeschaffung über das Design bis hin zur Wiederverwendung.

Freuten sich über den erfolgreichen Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekts INNO.CIRCLE: Anna Köhl (Klimabündnis Tirol), Giovanni Libardoni (Eurac Research), Kristina Bogner (Klimabündnis Tirol), David Brötzner (Innovation Salzburg), Anett Brandl (Energieagentur Tirol), Ulrich Eberhard Prechsl (IDM Südtirol), Julia Scharting (Standortagentur Tirol), Martin Hauer (Universität Innsbruck), Marina Fusco (Universität Innsbruck), Christian Hoffmann (Eurac Research), Maria Rehbogen (Zukunftsagentur Bau), Valerio Francesco Scartezzini (IDM Südtirol), Werner Balika (Innovation Salzburg) und Simon Pezzutto (Eurac Research, v.li.) (Foto: Inno.Circle)

Vom Konzept zur Umsetzung

Die teilnehmenden Unternehmen – viele aus dem produzierenden Sektor – erhielten konkrete Impulse, um ihre eigenen Prozesse zu hinterfragen und neu auszurichten. In Workshops und Coachings wurden Potenziale identifiziert, wie Rohstoffe effizienter genutzt und Produkte nachhaltiger gestaltet werden können.

„Kreislaufwirtschaft ist für Unternehmen nicht nur ein Umweltanliegen, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Frage. Wer Ressourcen und Materialien bewusster einsetzt, kann Abhängigkeiten reduzieren, Prozesse robuster aufstellen und langfristig wirtschaftliche Vorteile erzielen.“ Ulrich Prechsl

Ein entscheidender Hebel war die gezielte Vernetzung mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Start-up-Szene. Beispiele wie Bierol, eine Tiroler Craft-Brauerei, oder Second Ascent, eine Reparaturwerkstatt für Outdoor-Textilien, zeigen, wie Kreislaufansätze bereits erfolgreich in die Praxis übersetzt werden.

Dass sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht ausschließen, betont Ulrich Prechsl, Bereichsleiter Nachhaltigkeit bei IDM Südtirol: „Kreislaufwirtschaft ist für Unternehmen nicht nur ein Umweltanliegen, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Frage. Wer Ressourcen und Materialien bewusster einsetzt, kann Abhängigkeiten reduzieren, Prozesse robuster aufstellen und langfristig wirtschaftliche Vorteile erzielen.“

Impulse für Regionen und Politik

Inno.Circle denkt über einzelne Betriebe hinaus. Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist ein Leitfaden für Regionen, der zeigt, wie vergleichbare Coachingprogramme aufgebaut und umgesetzt werden können. Parallel dazu wurden gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Verwaltung konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und öffentliche Institutionen entwickelt.

„Der gesellschaftliche Wandel braucht begleitende Maßnahmen – von Bildung bis Beschaffung. Inno.Circle leistet hier wertvolle Übersetzungsarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.“ Kristina Bogner

Kristina Bogner vom Klimabündnis Tirol ordnet die Bedeutung ein: „Der gesellschaftliche Wandel braucht begleitende Maßnahmen – von Bildung bis Beschaffung. Inno.Circle leistet hier wertvolle Übersetzungsarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.“

Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse langfristig in regionale Strukturen zu integrieren: Coachingformate sollen fortgeführt, weitere KMU begleitet und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung weiter intensiviert werden.

Circular.Day als Bühne für Lösungen

Der Abschluss des Projekts wurde beim Circular.Day in Innsbruck gefeiert – einer gemeinsamen Veranstaltung von INNO.CIRCLE und dem Interreg-Projekt „Attention“. Im Mittelpunkt standen Best-Practice-Beispiele und die Frage, welche Rahmenbedingungen Unternehmen benötigen, um Kreislaufwirtschaft breiter umzusetzen.

„Veränderung entsteht dort, wo Unternehmen bewusst innehalten und neue Perspektiven zulassen. Genau darin lag die Stärke dieses Projekts.“ Christian Hoffmann

Auch aus wissenschaftlicher Perspektive wird der Mehrwert deutlich. Christian Hoffmann von Eurac Research bringt es auf den Punkt: „Veränderung entsteht dort, wo Unternehmen bewusst innehalten und neue Perspektiven zulassen. Genau darin lag die Stärke dieses Projekts.“

Während Inno.Circle konkrete Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis präsentierte, brachte das Projekt „Attention“ zusätzliche Perspektiven aus dem Bereich des zirkulären Bauens ein. Auch die Tirol Kliniken lieferten Einblicke in die Anwendung von Kreislaufprinzipien im Gesundheitssektor.

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