Das WIFO der Handelskammer hat kürzlich sein traditionelles Konjunkturbarometer veröffentlicht. Dieses fußt unter anderem auf der Befragung zahlreicher Unternehmen aller Sparten über den bisherigen Geschäftsverlauf, die Auftragslage und die Aussichten für die nächsten Monate. Das Ergebnis ist nicht gut, aber angesichts des Umfeldes recht passabel: Die Wirtschaftsleistung soll im laufenden Jahr stagnieren, während sie auf gesamtitalienischer Ebene deutlich sinken (vorsaussichtlich um 2,2 Prozent) und auch in Deutschland nur noch ganz leicht um 0,7 Prozent zunehmen wird. Das WIFO gibt sich zuversichtlich, dass es hierzulande keine Rezession gibt, sondern nur eine Stagnation, und dass zumindest eine „rote Null“ herausschaut.
Die Seriosität des WIFO steht außer Diskussion, und selbstverständlich ist auch, dass die Handelskammer die Aufgabe hat, im Zweifel ein Glas als halbvoll einzustufen und nicht als halbleer. Allerdings haben sich die Aussagen der Befragten schon 2009 als zu optimistisch erwiesen, und am Ende gab es nicht wie prognostiziert einen Stillstand, sondern einen BIP-Schwund um immerhin 2,6 Prozent. Und im Gegensatz zu damals lassen verschiedene Zeichen heute darauf schließen, dass die Probleme zunehmen. Insbesondere die Lage auf gesamtstaatlicher Ebene hat sich weiter eingetrübt, Steuererhöhungen belasten Unternehmen sowie private Haushalte, und die Arbeitsmarktzahlen sind schlechter als im Krisenjahr 2009.
Als negativer Faktor kommt hinzu, dass der Landeshaushalt empfindlich schrumpft. Und das hat Folgen, wie das ASTAT in seiner im Frühjahr erschienenen Strukturanalyse der Südtiroler Wirtschaft nachgewiesen hat, zumal sich ein Euro, den die öffentliche Hand ausgibt, zu 80 Prozent im BIP niederschlägt. Sollten wirklich 350 Millionen eingespart werden müssen, machte sich das mit einem negativen Faktor von 1,6 Prozent beim BIP bemerkbar, das heißt, wir bräuchten ein bereinigtes Wachstum in diesem Ausmaß, um auf die angekündigte Null zu kommen. Aber das Land behilft sich mit Krediten und verschiebt die Probleme damit vorerst einmal auf 2013. Nur: Irgendwann muss die Rechnung bezahlt werden, das lehrt das italienische Schuldendilemma. Und später ist dabei meist schlimmer.

















