Bozen – Der Businessplan stand, die Idee war ausgereift, das Start-up gegründet. Was fehlte, war ein Partner, der dem jungen Unternehmen beim Wachsen half. Also schaute sich das Südtiroler Start-up, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, das „Incubation-Programme“ des Noi Techparks an. Das Programm also, das Start-ups dabei helfen soll, durchzustarten. Doch wer in den Inkubator will, muss zahlen. „Für uns waren diese monatlichen Kosten einer der Hauptgründe, weshalb wir uns am Ende nicht für den Inkubator beworben haben“, sagt der Start-upper gegenüber der SWZ.
In seiner Erzählung steckt eine Grundsatzfrage: Wie viel darf oder soll ein öffentlich finanzierter Innovationspark wie der Noi Techpark von Start-ups für seine Dienstleistungen verlangen? Darüber wurde kürzlich unter anderem auf der Plattform LinkedIn diskutiert. Ein Gründer teilte ein Bildschirmfoto der Gebühren des Noi Techparks und schrieb dazu: „Du bist ein Start-up? Dann zahl mal. Aber entschuldigung … sollte es nicht genau umgekehrt sein?“ Start-upper:innen hätten „null Gehalt, maximales Risiko, totalen Druck“. „Und was macht das System? Es drückt ein monatliches Abo auf“, heißt es im Post. Eine gerechtfertigte Kritik?
Eine Priorität des Landes
2017 gegründet, soll der Noi Techpark Innovation hierzulande fördern. „Raum für Ideen zu öffnen und Südtirol zu einem strategischen Innovationsstandort zu machen“, wird das Ziel des Techparks im letzten Geschäftsbericht erläutert. Über die Jahre ist das Innovationszentrum deutlich gewachsen, die Infrastruktur in Bozen wurde erweitert, die Ingenieursfakultät der Uni Bozen kam hinzu, in Bruneck wurde ein zweiter Standort eröffnet. Regelmäßig beteuert die Landespolitik die Relevanz der Innovationsschmiede für Südtirol.
„Der Inkubator richtet sich an Start-ups, die noch am Anfang stehen – in einer Phase, in der nahezu alle Start-ups mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben. Da dreht man jeden Cent um.“ Start-upper
Die öffentliche Hand lässt sie sich auch etwas kosten: Insgesamt 16 Millionen Euro erhält die Noi AG für die Finanzierung der laufenden Aktivitäten (14,9 Millionen Euro) und der Investitionen (1,1 Millionen Euro) in diesem Jahr. Etwa 100 Mitarbeitende sind an den beiden Standorten in Bozen und Bruneck tätig.
Der Inkubator und Accelerator (das Programm für bereits fortgeschrittenere Start-ups) kosten im laufenden Jahr laut Noi AG 664.000 Euro (plus indirekte Kosten). Die Einnahmen durch die Programme belaufen sich hingegen auf 165.600 Euro (davon 93.600 durch Dienstleistungen, der Rest durch Miete und Raumnebenkosten).
2.400 Euro bzw. 5.000 Euro pro Jahr
Start-ups, die in den Inkubator aufgenommen werden, zahlen 200 Euro pro Monat bzw. 2.400 im Jahr; fortgeschrittenere Start-ups, die Teil des sogenannten „Accelerators“ werden, 417 Euro pro Monat bzw. 5.004 Euro im Jahr. Büros können bei Bedarf gemietet werden.

Die Start-ups erhalten vom Noi eine ganze Palette an Dienstleistungen, darunter Performance-Analysen, Beratung durch Mentorinnen oder Tutoren, Workshops und Unterstützung bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Hubert Hofer, Noi-Direktor des Bereichs „Start-ups, Funding & Community“, sagt: „Mit den Einnahmen des Inkubators decken wir nur einen Teil der Kosten.“ Hofer rechnet vor: Eine einzelne Coaching-Einheit koste zwischen 100 und 150 Euro, jedes Start-up erhalte 25 Einheiten pro Jahr. Diese allein würden zwischen 2.500 und 3.750 Euro kosten.
Tatsächlich scheinen die Gebühren von 200 Euro nicht sonderlich hoch im Verhältnis zu dem, was die jungen Unternehmen dafür erhalten. Dem stimmt auch der eingangs erwähnte Start-upper zu, gibt aber zu bedenken: „Der Inkubator richtet sich an Start-ups, die noch am Anfang stehen – in einer Phase, in der nahezu alle Start-ups mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben. Da dreht man jeden Cent um.“ Fixe Gebühren zu kassieren, sei da wenig sinnvoll, auch wenn sie nicht hoch seien. „Sie wirken eher abschreckend.“
Viele entscheiden sich für den Noi
Die lange Liste an Start-ups, die derzeit oder in der Vergangenheit vom Noi betreut werden bzw. wurden, lassen darauf schließen: Die monatliche Gebühr scheint die meisten nicht abzuschrecken. An jedem „Call for Start-ups“, jeder Bewerbungsrunde für Start-ups, nehmen deutlich mehr Teams teil, als aufgenommen werden können. Bei der letzten Runde gingen laut Hubert Hofer 36 Bewerbungen ein, elf erhielten eine Zusage. 40 Start-ups sind derzeit Teil eines der Programme.
„Wir haben früh eine Investitionsrunde abgeschlossen, weshalb Liquidität für uns kein großes Thema war. Aber es ist nachvollziehbar, dass sich manche Start-ups gegen den Inkubator entscheiden. Gerade am Anfang fehlt vielen das nötige Geld.“ Ivan Angerer

Ein Start-up, das sich momentan im Inkubator befindet, ist Clava Sports. Dieses entwickelt eine App, die Informationen und Ergebnisse aus dem Amateursport aufbereitet. Seit Juli 2024 ist es Teil des Inkubators und zahlt die entsprechenden Gebühren. „Der Noi hilft uns weiter, vor allem medial und mit seinem Netzwerk“, sagt Ivan Angerer, einer der Gründer von Clava Sports. Das Gründerteam hat sich gegen ein Büro in Bozen entschieden, ist aber regelmäßig im Austausch mit dem Innovationspark. Zu den Gebühren meint Angerer: „Wir haben früh eine Investitionsrunde abgeschlossen, weshalb Liquidität für uns kein großes Thema war. Aber es ist nachvollziehbar, dass sich manche Start-ups gegen den Inkubator entscheiden. Gerade am Anfang fehlt vielen das nötige Geld.“
Es ginge auch anders

In der Welt der Start-ups gibt es neben dem gebührenbasierten Modell einige weitere Modelle für Start-up-Inkubatoren, wie ein Blick über Südtirols Grenzen hinaus zeigt. Eines ist das sogenannte „Equity-Modell“: Ein Inkubator investiert Kapital und/oder Dienstleistungen im Austausch für Unternehmensanteile, meist fünf bis zehn Prozent. Der Inkubator gewinnt nur, wenn das Start-up gewinnt – er trägt also einen Teil des Risikos mit und schlüpft in die Rolle des Mitstreiters.
Der Vorteil für Start-ups: Sie haben keine fixen Spesen. „Allerdings unterschätzen Start-ups manchmal, dass sie dann einen Miteigentümer haben, der möglicherweise mitreden will“, sagt Tim von Törne. Der Unternehmer kennt die Start-up-Welt gut: Er hat mehrere Start-ups gegründet, in zahlreiche investiert und ist unter anderem als Coach am Noi tätig. Er ergänzt: „Ebenso kann es passieren, dass künftige Investoren es nicht gut finden, dass ein bestimmter Inkubator Miteigentümer ist.“
Auch Hubert Hofer vom Noi Techpark kennt Inkubatoren, die Anteile von Start-ups verlangen. Für die Noi AG wäre ein solches Modell rechtlich nicht umsetzbar, sagt er. „Wir sind eine Inhousegesellschaft der Provinz. Als solche dürfen wir nicht an anderen Gesellschaften beteiligt sein und deshalb auch keine Anteile von Start-ups verlangen.“ Der Auftrag des Techparks sei nicht vereinbar mit dem anteilbasierten Modell: „Ein privater Inkubator kann ein paar Start-ups aussuchen und diese groß machen. Wir haben einen anderen Auftrag: Wir müssen die Start-up-Welt in Südtirol als Ganzes betreuen und weiterentwickeln.“
Leipziger Inkubator: „Kein Geld und auch keine Anteile“
Eine zweite Variante, die in der Szene zu finden ist, sind erfolgsbasierte Gebühren: Der Inkubator bekommt bei solchen Modellen beispielsweise einen gewissen Prozentsatz des Kapitals, das das Start-up während oder kurz nach dem Programm von Investoren einsammelt. Auch solche Modelle seien für eine öffentliche Einrichtung nicht umsetzbar, sagt Hofer.

Daneben gibt es Inkubatoren, die ihre Dienstleistungen komplett kostenlos anbieten. Einer von ihnen ist das Leipziger Spinlab. „Wir verlangen kein Geld und auch keine Anteile“, sagt Eric Weber, Gründer und CEO des Spinlabs. Start-ups, die in den Inkubator aufgenommen werden, erhalten Coachings, Workshops, Unterstützung bei Finanzierungsfragen usw. Finanziert wird das Spinlab durch öffentliche Förderprogramme sowie Unternehmen, darunter Porsche und KPMG.
„Theoretisch könnte das Land das Incubation-Programm auch kostenlos anbieten, denn die Gebühr ist ohnehin nur symbolisch.“ Hubert Hofer
Weber meint: „Eigentlich kann man als öffentlicher Inkubator kein Interesse daran haben, Gebühren zu verlangen. Dadurch sortiert man aus und lässt sich die besten Start-ups vielleicht entgehen.“ Er führt aus: „Unser Anspruch ist: Wir müssen attraktiv sein, um die besten Start-ups in unser Programm zu holen. Dafür bezahlen uns die Unternehmen.“ Start-ups hingegen, die bereits in einer fortgeschritteneren Phase sind und über Liquidität verfügen, müssen auch am Spinlab für Dienstleistungen bezahlen.
Wäre ein solches Modell also auch für den Noi Techpark denkbar? Schließlich halten sich die Einnahmen durch Start-ups ohnehin in Grenzen – und die Tür würde damit allen Start-ups geöffnet.
Theoretisch auch in Bozen denkbar
„Theoretisch könnte das Land das Incubation-Programm auch kostenlos anbieten, denn die Gebühr ist ohnehin nur symbolisch“, sagt Hubert Hofer vom Noi Techpark. In der Vergangenheit war der Inkubator sogar kostenlos, doch davon sei man abgerückt, erklärt Hofer. „Die Ernsthaftigkeit, die uns entgegengebracht wurde, war nicht die, die wir brauchten, um die Start-ups erfolgreich zu machen.“ Hofer erinnert sich etwa an Sitzungen, zu denen die Start-ups nicht erschienen sind. „Der Verwaltungsrat und das Noi Board waren sich einig, dass Gebühren eingeführt werden müssen. Was nichts kostet, ist nichts wert.“
Tim von Törne meint zu den Gebühren: „Vielleicht trennt man durch diese kleine Hürde jene Start-ups, die es einfach probieren wollen, von denen, die es wirklich wollen.“ Auch sei der Anreiz, die eigene Businessidee weiterzuentwickeln, größer, wenn dafür gezahlt werde.
Die Geldsorgen der Start-ups kann Hubert Hofer trotzdem nachvollziehen. Doch ein „bisschen schmerzen“ dürfe ein solches Programm schon, gerade wenn eine Institution den Start-ups beibringen wolle, unternehmerisch zu denken. „Das ist eine Investition – und der Gewinn ist ungleich größer“, ist Hofer überzeugt.
Und das eingangs erwähnte Start-up, das sich gegen den Noi Techpark entschieden hat? Das ist derzeit mit einem Inkubator im Ausland im Gespräch, der keine fixen Gebühren verlangt.


















