Manche internationalen Großbanken scheinen aus der Finanzkrise von 2007 nichts gelernt zu haben. Die amerikanische JP Morgan musste letzte Woche einräumen, dass sich die Investmentabteilung mit Kreditausfallversicherungen verzockt hat und dass daraus im Laufe von nur sechs Wochen ein Verlust von mindestens zwei Milliarden Dollar (über 1,5 Milliarden Euro) entstanden ist. Der Börsenkurs der größten US-Bank brach daraufhin um fast zehn Prozent ein, und sie verlor 15 Milliarden Dollar an Marktwert. Die Ratingagentur Fitch stufte die Bonitätsnote der bislang als Musterknabe geltenden JP Morgan um eine Stufe von AA- auf A+ herab, und einige der verantwortlichen leitenden Mitarbeiter müssen ihren Hut nehmen.
Der Fall hat erneut den Ruf laut werden lassen, dem Treiben, das Wirtschaft und Gesellschaft gefährdet, durch den Erlass klarer Regeln ein Ende zu setzen. Es werden Normen verlangt, die über die angepeilte Finanztransaktionssteuer hinaus Limits setzen. Die Forderung scheint berechtigt angesichts des Umstandes, dass die hochriskanten Geschäfte wegen ihres Umfangs ein Gefahrenpotenzial aufweisen, das weit über die interne Bilanz hinausreicht.
Szenenwechsel in die Politik. Hier ist das Zocken ebenfalls weit verbreitet und bedeutet: Schulden machen, was das Zeug hält, um Sozialsysteme und Wirtschaft am Laufen zu halten. Aber im Gegensatz zu dem, was international für Banken noch nicht gelungen ist, hat die EU den Zockern Grenzen gesetzt: Sie dürfen keine weiteren Schulden machen, denn die Verbindlichkeiten sind teilweise so hoch, dass ein Banktrott droht, weil den Staaten niemand mehr Geld leihen will bzw. nur noch gegen horrende Zinsen. Allerdings wollen die Menschen trotz aller Gefahren und wider alles bessere Wissen um sie (Stichwort: Euro-Rettungsschirm) nicht sparen. Kaum ist die unmittelbare Gefahr gebannt, dass manche Staaten zahlungsunfähig werden, treten schon wieder Politiker auf, die damit punkten, die Sparregeln zu lockern, um Raum für neue Schulden zu bekommen, obwohl sich gezeigt hat, dass genau das ins Verderben führt.
Die Banker wollen die bittere Medizin nicht schlucken. Und manche Politiker und mit ihnen viele Wähler scheinen gleich unvernünftig zu sein.

















