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Neue Wege für Apfel- und Weinabfälle

PROJEKT – Die Uni Bozen und das Versuchszentrum Laimburg wollen Reste aus der Apfel- und Weinproduktion sowie andere pflanzliche Nebenprodukte wiederverwerten.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
5. März 2026
in News
Lesezeit: 2 mins read
Neue Wege für Apfel- und Weinabfälle

Foto: Shutterstock / Johannes Ziegler Photo

Bozen – Bei der Apfel- und Weinverarbeitung fallen große Mengen an Reststoffen wie Trester, Apfelschalen und Kernen an. Bislang werden diese überwiegend als Abfall behandelt. Im Rahmen des Projekts „ZeroResidue“ entsteht jetzt eine neue Infrastruktur am Noi Techpark in Bozen, die darauf abzielt, Abfälle aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie in eine wertvolle Ressource umzuwandeln. Das Projekt soll Abfälle in Erzeugnisse verwandeln, die in der Biomedizin, der Lebensmittelindustrie, der Önologie und der Kosmetik Verwendung finden.

Hinter dem EU-geförderten Projekt stehen die Universität Bozen und das Versuchszentrum Laimburg. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in Südtirol zu stärken.

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Nun soll eine Forschungs- und Experimentierplattform aufgebaut werden, die es ermöglicht, Verfahren zur Aufwertung von Reststoffen zu testen und weiterzuentwickeln. Diese Infrastruktur schlägt eine Brücke zwischen angewandter Forschung und möglichen industriellen Anwendungen.

„Vollständig verwerten“

Alberto Ceccon, Leiter des Labors für NMR-Spektroskopie am Versuchszentrum Laimburg, erklärt: „Viele pflanzliche Reststoffe enthalten verborgene Ressourcen wie Moleküle und Verbindungen von großem Interesse. Das Problem bestand bisher nicht nur darin, ihren Wert zu erkennen, sondern über eine Struktur zu verfügen, die dieses Wissen in Verarbeitungsprozesse und Produkte umsetzen kann.“

Koordinator des Projektes ist Emanuele Boselli, Professor für Önologie an der Uni Bozen und Leiter des Oenolab. Er sagt: „Mit dem Projekt wollen wir zeigen, dass agroalimentäre Reststoffe dank eines multidisziplinären Teams vollständig verwertet werden können – anders als bei herkömmlichen Ansätzen, die oft nur einzelne Nebenprodukte betrachten. So lassen sich neue Moleküle, Inhaltsstoffe und Materialien zurückgewinnen, die eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ermöglichen.“

Emanuele Boselli (links) und Alberto Ceccon (Foto: Laimburg Research Centre / A. Martinelli)

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Denkbar sei etwa die Gewinnung von Extrakten aus Apfelblüten für die Kosmetikindustrie sowie Ballaststoffe, Vitamine oder pflanzliche Öle, die als natürliche Konservierungs- oder Farbstoffe eingesetzt werden können. Zudem könnten daraus auch Nahrungsergänzungsmittel hergestellt werden, die sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.

Auch Biostimulanzien für eine nachhaltigere Landwirtschaft können aus pflanzlichen Abfällen gewonnen werden, heißt es. Der verbleibende Biomasseanteil nach Durchführung der Extraktion soll energetisch genutzt werden, um den Verwertungskreislauf vollständig zu schließen.

Ein weiteres konkretes Beispiel für das Potenzial pflanzlicher Reststoffe liefert das bereits laufende Projekt „Sustain“. Das Forschungsteam untersucht die Verwertung von Traubentrestern und extrahiert aus ihnen sogenannte Polyphenole. Diese Inhaltsstoffe können dazu beitragen, das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer zu verlangsamen. Polyphenole kommen in den Trestern – also im Reststoff – zu höheren Anteilen vor als im Fruchtfleisch der Trauben oder im Wein selbst.

Südtiroler Wirtschaftszeitung

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