Eppan – „Der globale Wandel fordert neue Strategien vom Südtiroler Weinbau“: So lautete das Motto der 64. Südtiroler Weinbautagung, die am Freitag in Eppan stattfand und vom Absolventenverein landwirtschaftlicher Schulen organisiert wurde.
Klimawandel, verändertes Konsumverhalten, steigender Kostendruck und ein zunehmend gesättigter Weltmarkt würden die Weinwirtschaft in ganz Europa vor grundlegende Herausforderungen stellen. Bei der Veranstaltung wurde erörtert, wie sich diese globalen Entwicklungen konkret auf Südtirol auswirken und welche Strategien künftig gefragt sind.
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Vortrag von Simone Loose, Professorin an der Hochschule Geisenheim und eine führende Expertin für Weinökonomie. Sie machte deutlich, dass sich die internationale Weinwirtschaft derzeit nicht in einer kurzfristigen Krise, sondern in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel befinde. Auslöser seien unter anderem ein rückläufiger Weinkonsum in traditionellen Absatzmärkten, der demografische Wandel, steigende Produktionskosten, zunehmender internationaler Wettbewerb sowie wachsende Anforderungen an Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit.
Insbesondere Europa sei mit strukturellen Übermengen konfrontiert. Gleichzeitig würden jüngere Zielgruppen weniger oder selektiver Wein trinken. „Wenn sich Konsumgewohnheiten und Zielgruppen verändern, reicht es nicht, guten Wein zu machen – er muss auch klar positioniert und verständlich vermarktet werden“, meinte Simone Loose. Besonders betroffen seien Regionen mit kleinteiligen Betriebsstrukturen, hohen Produktionskosten und langfristig gebundenen Rebflächen: typische Merkmale, die auch den Südtiroler Weinbau prägen.
Strategien für Südtirol
Laut Loose ist Südtirol im internationalen Vergleich grundsätzlich gut aufgestellt: Starke Genossenschaften, eine klare Herkunftsstrategie und hohe Qualitätsstandards hätten den Weinbau bisher widerstandsfähig gemacht. Künftig werde entscheidend sein, wie gut sich Produktion und Markt in Einklang bringen lassen – also wie viel Wein der Markt aufnehmen kann, welche Sorten gefragt bleiben und wie Kunden gehalten, reaktiviert und neu gewonnen werden können.
Darüber hinaus unterstrich die Expertin die Bedeutung von Transparenz, von erlebnisbasierter Nachfrageaktivierung (Weintourismus, Veranstaltungen usw.), sowie von professioneller Datensammlung und strategischer Planung. Entscheidungen über Pflanzungen, Investitionen oder Produktionsausweitungen müssten stärker im gesamtwirtschaftlichen Kontext und auf Basis der Vermarktungsmöglichkeiten betrachtet werden.



















