Bozen/Sterzing – Es war heuer bereits die zweite Vereinbarung, die Landeshauptmann Arno Kompatscher und Leitner-Chef Anton Seeber vergangene Woche unterzeichnet haben. Die erste Vereinbarung vom Februar und die nunmehrige Vereinbarung von Ende August dienen beide der Erweiterung der Leitner-Zentrale in Sterzing. Zirka hundert neue Arbeitsplätze sollen dort entstehen.
Nachdem die Leitner-Gruppe jahrelang ziemlich umfangreich in Nordtirol investiert hat, fahren nun die Bagger dort auf, wo die international erfolgreiche Gruppe einst geboren wurde: in Sterzing. Leitner befindet sich damit in bester Gesellschaft. Im Mai erfolgte in Brixen der Spatenstich für den architektonisch imposanten neuen Hauptsitz der Durst-Gruppe, nachdem Durst zuvor jahrelang seine Aktivitäten in Osttirol ausgebaut hatte. Einen Steinwurf entfernt steht die gewaltige Baustelle für das neue Firmengebäude der Duka-Gruppe. In Burgstall hat Dr. Schär – nach Investitionen in Produktionsstätten im Trentino sowie in ein Forschungszentrum in Triest – heuer seinen repräsentativen Unternehmenssitz eröffnet. In Bozen hat die in Italien, Österreich und Rumänien tätige Markas vor wenigen Wochen den Grundstein für die neue, zehnstöckige Gruppen-Zentrale gelegt. Die Nachricht, dass Technoalpin auf dem Ex-Dupont-Gelände in Bozen Süd unweit des vor wenigen Jahren realisierten (und schon zu kleinen) Firmensitzes weiterwachsen will, kam nach jüngsten Investitionen in Tirol und im Trentino einigermaßen überraschend. Der Mulchgeräte-Hersteller Fischer, der eine Exportquote von 90 Prozent aufweist (siehe Porträt auf Seite 4 dieser SWZ), wird voraussichtlich 2018 in Tramin bauen, obwohl Angebote aus dem Trentino vorlagen.
Auch internationale Unternehmensgruppen wie GKN in Bruneck (neue Betriebsstätten in Sand in Taufers und Welsberg) oder Röfix in Partschins (das Genehmigungsverfahren für einen Neubau läuft) investieren derzeit in Südtirol. Wenn aber „waschechte“ Südtiroler Vorzeigeunternehmen in ihre Wurzeln investieren, obwohl sie mittlerweile in aller Welt zu Hause sind, dann wirkt das noch ein bisschen wohltuender für die Seele eines Wirtschaftsstandortes, der sich regelmäßig den leergefegten Arbeitsmarkt, den teuren Baugrund und die unerträgliche Bürokratie vorwerfen lassen muss. Die Bauprojekte – teilweise äußerst repräsentativ – sichern und schaffen Arbeitsplätze (auch bei Südtiroler Zulieferern und Dienstleistern), lassen sich vor allem aber als Bekenntnis zum Standort Südtirol interpretieren. Dabei ist es nicht lange her, dass heimische Erfolgsunternehmer schilderten, wie sie sich anderswo willkommener fühlten als im Vollbeschäftigungsland Südtirol und wie ungleich unbürokratischer Investitionsprojekte anderswo abgewickelt wurden.
Nun scheint sich das Klima geändert zu haben. Im Gespräch mit der SWZ erwähnte Durst-Chef Harald Oberrauch im Zusammenhang mit dem Neubau in Brixen das „Vertrauen vonseiten der Politik“. Leitner-Chef Anton Seeber hob vergangene Woche hervor, „wie schnell und konkret unsere Initiative vorangebracht wurde,“ und ergänzte vielsagend: „An anderen Standorten im Ausland haben wir ähnlich gute Erfahrungen gemacht“. Will heißen: Andere tun es schon länger, nun bemüht sich auch Südtirol um „seine“ Unternehmen. „Wir haben eine schnelle und unbürokratische Lösung gefunden, damit sich eines der Südtiroler Vorzeigeunternehmen weiterentwickeln kann“, zitiert die Landespresseagentur einen zufriedenen Landeshauptmann.
Federico Giudiceandrea, der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol (UVS), bestätigt auf SWZ-Anfrage, dass sich „der Dialog mit Politik und Verwaltung sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene verbessert hat“. Es werde versucht, die Notwendigkeiten der Unternehmen zu verstehen. „Es gibt Signale, und weitere werden hoffentlich folgen“, so Giudiceandrea.
Derweil schließen die investierenden Unternehmen eine Wette auf die Zukunft ab – eine Wette, dass sie auch künftig von diesem Südtirol aus, trotz aller Standortschwächen und dank ebenfalls vorhandener Standortstärken, erfolgreich auf dem Weltmarkt konkurrieren können.


















