Nals/Wien – Es ist ein Schritt, der in der österreichischen Start-up-Szene Gewicht hat: Johann „Hansi“ Hansmann, einer der bekanntesten Business Angels im deutschsprachigen Raum, entwickelt seine Hans(wo)men Group gemeinsam mit Lisa Pallweber zum Hansmann Family Office weiter. Rund 150 Millionen Euro Assets under Management stehen dahinter.
Für Südtirol ist die Nachricht auch deshalb interessant, weil eine zentrale Rolle in dieser neuen Struktur eine Nalserin spielt: Lisa Pallweber. Sie studierte Wirtschaft an der Bocconi in Mailand, arbeitete später unter anderem bei Speedinvest und Uniqa-Ventures und wechselte Anfang 2022 zu Hansmann. 2023 wurde sie von Forbes in die „Top 30 Under 30“-Liste im DACH-Raum aufgenommen. Nun gehört sie zum kleinen Team, das aus der bekannten Angel-Investment-Struktur ein breiter aufgestelltes Family Office formt.
Vom Business Angel zum Family Office
Hansmann selbst beschreibt den Schritt nicht als Bruch, sondern als organische Weiterentwicklung. „Es gab keinen einzelnen Auslöser. Aber wir haben gemerkt, dass unsere Aktivitäten längst breiter geworden sind“, sagt er im Interview mit Trending Topics. Man investiere nicht mehr nur in Venture Capital, sondern interessiere sich auch für Private Equity, profitable Unternehmen und „im Grunde für alles, was mit Unternehmertum zu tun hat“.
Die neue Struktur umfasst vier Bereiche: Venture Capital, Private Equity, Immobilien und Philanthropie. „Wir machen das weiterhin mit einem kleinen Team: Hansi, Laura, Andrei und ich“, sagt Pallweber. Der größte Teil der Zeit fließe nach wie vor in Start-ups. Private Equity werde derzeit vor allem über Co-Investments abgedeckt, Immobilien in Spanien über einen Partner vor Ort betreut. Philanthropie wolle man vollständig intern aufbauen.
Wirkung als Investmentlogik
Gerade dieser Bereich zeigt, dass es nicht nur um klassische Vermögensverwaltung geht. Pallweber sagt, Philanthropie solle „genauso professionell“ behandelt werden wie ein Start-up-Investment – mit Fokus auf das Team, klaren Zielen, KPIs, laufendem Austausch und messbarer Wirkung. Hansmann kündigt an: „Wir werden jährlich philanthropische Beiträge im siebenstelligen Bereich leisten.“
Im Venture-Capital-Bereich bleibt das Family Office direkt in Start-ups und über Fonds investiert. Derzeit ist es laut Hansmann in rund 25 einzelnen Fonds beteiligt. Fondsinvestments sieht er aber nicht in erster Linie als Renditewette: „Wir tätigen Fondsinvestments nicht in erster Linie wegen der erwarteten Rendite; in unserem eigenen Portfolio sind die Renditen oft besser als bei Fonds.“ Es gehe vielmehr um Zugang zu bestimmten Märkten, Netzwerken und Branchen.
Weniger Deals, mehr Tiefe
Bei direkten Start-up-Investments soll die Zahl der Deals künftig leicht sinken. Derzeit mache man drei bis vier Lead-Investments pro Jahr plus einige Co-Investments, sagt Pallweber. Künftig werde es etwas weniger, „damit wir mehr Fokus auf die Lead-Investments legen können“.
Ein Vorteil gegenüber klassischen VC-Fonds liegt laut Pallweber in der zeitlichen Flexibilität. „Wir bleiben normalerweise bis ganz zum Schluss investiert und beteiligen uns mindestens pro rata an jeder Runde“, sagt sie. Ein Fonds könne das oft nicht, weil seine Investitionsperiode nach vier oder fünf Jahren endet. Family Offices könnten dagegen langfristiger und flexibler nachlegen – gerade dann, wenn Start-ups vorübergehend Bridge-Finanzierungen brauchen.
Zwischen Immobilien und KI-Blase
Neben Start-ups und Private Equity spielen auch Immobilien und Public Markets eine Rolle. Bei ETFs verfolgt das Family Office laut Pallweber eine schlichte, langfristige Strategie: „ein relativ schlichtes, sehr kostengünstiges, langfristig orientiertes ETF-Portfolio. Keine aktiven Trades, keine Experimente.“ Immobilien sieht Hansmann als langfristig stabilen Vermögensbaustein; in Spanien besitzt das Family Office bereits mehrere Wohnungen, ein kleines Hotel, eine Eventlocation und Lagerflächen.
Zugleich blickt Hansmann nervös auf die Märkte. „Die Märkte sind unglaublich hoch, teilweise auf absoluten Rekordständen“, sagt er. Eine Korrektur hält er für wahrscheinlich: „Ich rechne mit 30 bis 40 Prozent. Rational kann ich das nicht exakt begründen, aber mein gesamtes Nervensystem sagt mir, dass er kommt.“
Auch eine mögliche KI-Blase beschäftigt Hansmann. „Bei KI sieht man Ähnliches: Viele Unternehmen funktionieren für Kundinnen und Kunden noch gar nicht richtig, es gibt noch kein echtes Business, und trotzdem werden 20, 30 oder 50 Milliarden aufgenommen – oft vor allem, um Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen.“
Die alte Marke bleibt
Die Hans(wo)men Group verschwindet dennoch nicht. Sie bleibt laut Pallweber als Gruppe für die Lead-Investments von rund 25 bis 30 Unternehmen bestehen; das Hansmann Family Office wird zur Dachmarke darüber. Auch das Frauenthema, das im „wo“ der Hans(wo)men Group sichtbar gemacht wurde, bleibe erhalten: „Wir investieren weiterhin in diverse Gründungsteams, und auf philanthropischer Ebene wollen wir Gleichstellung ausdrücklich stärken“, sagt Pallweber. „Das Thema zieht sich also auf mehreren Ebenen durch unsere Philosophie.“

















