Bozen – Für den heutigen Montagvormittag war ein Telefongespräch mit Hermann Atz für eine politische Analyse geplant. Doch was Atz auf die Fragen der SWZ geantwortet hätte, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Der Apollis-Mitgründer ist am Samstag bei einem Kletterunfall am dritten Sellaturm ums Leben gekommen. Die Nachricht hat am Wochenende Betroffenheit ausgelöst.
Tatsächlich war Hermann Atz eine Institution in Südtirol, wenn es um die Analyse des politischen Geschehens ging. Der Politologe hatte gemeinsam mit Helmuth Pörnbacher in den 1990er-Jahren das Meinungsforschungsinstitut Apollis gegründet und zu einer festen Realität in Südtirol geformt. Während Pörnbacher im Hintergrund arbeitete, war Atz das Gesicht von Apollis.
Sachlich, aber klar
Für uns Medienleute war Hermann Atz ein geschätzter Interviewpartner, weil er stets sachlich und neutral kommentierte, ohne sich dabei in nichtssagende Oberflächlichkeit zu flüchten. Hermann Atz analysierte scharf, zugleich gelang es ihm wie kaum jemand anderem, die eigenen Sympathien für die eine oder andere politische Kraft auszublenden.
Parteien und Politiker:innen der Opposition beobachtete Hermann Atz genauso kritisch wie jene der Mehrheit. Wenn er um eine Meinung gefragt wurde, antwortete er stets frei von jeglicher parteipolitischer Färbung. Genau diese Haltung ist eine Seltenheit in der Politikbeobachtung.
Wenn in Redaktionssitzungen deshalb über mögliche Gesprächspartner:innen für politische Analysen beraten wurde, fiel sein Name immer als erster, bei allem Bemühen um Vielfalt in der Berichterstattung.
Projektleiter des SWZ-Politbarometers
Hermann Atz war auch Projektleiter des SWZ-Politbarometers, welches seit 2021 regelmäßig die politische Stimmung in Südtirol einfängt. Auflage Nummer acht steht unmittelbar vor der Veröffentlichung, nachdem das Meinungsforschungsinstitut Apollis in den vergangenen Wochen wieder im Auftrag der SWZ die repräsentative Umfrage durchgeführt hat. Das aktuelle SWZ-Politbarometer ist ein bisschen das Vermächtnis des Hermann Atz. Nur das erwähnte Telefonat, wo wir Hermann Atz um seine Einschätzung zu einigen Detailergebnissen gebeten hätten, kam nicht mehr zustande.
Seine Analysen werden fehlen – uns Journalistinnen und Journalisten genauso wie den Südtiroler Politikinteressierten.


















