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Nachruf: Gramm, das Schwergewicht

NACHRUF – Mit 18 wurde er Unternehmer. Als er mit 61 in Rente gehen wollte, kam die Handelskammer. Aus dem Tun und Denken von Benedikt Gramm lässt sich viel Wertvolles lernen.

Christian Pfeifer von Christian Pfeifer
21. Januar 2026
in News, Südtirol
Lesezeit: 3 mins read
Nachruf: Gramm, das Schwergewicht

Benedikt Gramm (links) mit Heiner Oberrauch bei der Eröffnung der „Benedikt Gramm Lounge“ im Haus der Familie am Ritten im Oktober 2024.

Bozen – Benedikt Gramm ist 93-jährig verstorben. Die Würdigungen ließen nicht lange auf sich warten, vor allem – aber nicht nur – aus Wirtschaftskreisen. Immerhin stand Benedikt Gramm von 1994 bis 2008 gut 14 Jahre lang als Präsident der Handelskammer im öffentlichen Rampenlicht. Doch Benedikt Gramm war viel mehr als das.

Unternehmensgründer mit 18 Jahren

Zum Beispiel war er Start-upper, wenngleich das damals einfach „Gründer“ hieß. 1950 gründete Benedikt Gramm mit nur 18 Jahren das Großhandelsunternehmen Gramm, das heute von seinem Sohn Werner Gramm geführt wird. Benedikt Gramm hatte seinen Vater verloren, als er neun Jahre alt gewesen war, weshalb er seiner Mutter Maria Gramm-Tutzer schon in jungen Jahren im Lebensmittelladen zur Hand gegangen war. Von ihm kam auch der Impuls, in Bozen den ersten Selbstbedienungsladen Südtirols zu eröffnen. Was heute normal ist, war damals eine Neuheit, die der junge Gramm in Innsbruck gesehen hatte.

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Für sich selbst entschied Benedikt Gramm bald, dass er sich nicht mit einem Dasein in einem Lebensmittelladen zufriedengeben wollte. Also machte er sich schon mit 18 selbstständig und begann, Schokolade und andere Produkte aus der Schweiz zu importieren. „Ich wollte Qualitätsprodukte, und gleich nach dem Krieg hatte nur die neutrale Schweiz solche Qualitätsprodukte. In Deutschland und Österreich ging es in erster Linie darum, satt zu werden“, erzählte er einmal der SWZ.

Weil man damals die Volljährigkeit erst mit 21 Jahren erreichte, war das Unternehmerdasein als „Minderjähriger“ ein Spießrutenlauf.

Benedikt Gramm kämpfte Anfang der 1950er Jahren mit der Kontingentierung der Importware – der heutige freie Markt war undenkbar. Aber er kämpfte auch mit der Bürokratie: Weil man damals die Volljährigkeit erst mit 21 Jahren erreichte, war das Unternehmerdasein als „Minderjähriger“ ein Spießrutenlauf.

Die Geschäfte liefen gut, Gramm wusste den aufkommenden Tourismus zu nutzen, und er expandierte über die Südtiroler Landesgrenzen hinaus. „Die Zeiten ändern sich, und sie werden sich weiter ändern“, philosophierte er einmal in einem SWZ-Interview. „Die unternehmerische Kunst ist es, innovativ zu sein und die Entwicklungen vorwegzunehmen.“ Wie wahr.

Plötzlich Präsident der Handelskammer

Als Benedikt Gramm Anfang der 1990er-Jahre nach über 40 Unternehmerjahren kürzertreten wollte, begannen für ihn völlig unerwartet und ungeplant anderthalb Jahrzehnte als öffentliche Person. Am 25. Jänner 1994 wurde Benedikt Gramm zum Präsidenten der Handelskammer bestellt. Die Führung des Unternehmens übergab er 1996 an seine Söhne Werner und Robert.

Unter seine Amtszeit als Handelskammerpräsident fallen unter anderem die Planung und Errichtung des neuen Sitzes am Bozner Verdiplatz, die Gründung der Exportorganisation EOS (die 2016 in die IDM fusioniert wurde), die Einrichtung des Merkantilmuseums und die Zusammenführung von Wifi, Wifo und Schiedsgericht. Unter Gramm entwickelte sich die Handelskammer von der schwerfälligen Institution zu einem Dienstleister für die Unternehmen. Im Juni 2008, mit 76, gab Gramm die Präsidentschaft ab. Auf ihn folgte Michl Ebner.

Das Engagement für das Haus der Familie

Interimsmäßig fungierte Benedikt Gramm 2008 und 2009 auch als Präsident der Brennerautobahngesellschaft. Und er war 28 Jahre lang Präsident des Bildungszentrums „Haus der Familie“ am Ritten. 1984 hatte der Priester Willi Rotter den Unternehmer um Unterstützung gebeten, um ein Bildungshaus für Familien zu bauen. Benedikt Gramm sagte zu, wurde Gründungspräsident und blieb es bis 2012. Heute trägt im zu Ehren die Lounge im Haus der Familie den Namen „Benedikt Gramm Lounge“.

Benedikt Gramm war übrigens auch Gründungsmitglied des Katholischen Familienverbandes (KFS).

Er redete lieber über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Südtirol als über sich selbst.

Kurzum, Benedikt Gramm hatte viele Facetten. Er war einer, der sich durch seine positive Art und durch seine Lust zum Anpacken auszeichnete. Selbst nahm er sich trotzdem nie allzu wichtig. „Ich bin dankbar für das, auf was ich zurückblicken darf. Und ich bin allen Personen dankbar, die mich dabei ge- und unterstützt haben. Mein Erfolg ist ganz sicher nicht allein mein Verdienst“, sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags zur SWZ. Bei jenem Gespräch, es war im Jahr 2012, zeigte sich auch, wie sehr er seine Rolle als Handelskammerpräsident – obwohl schon ein paar Jahre her – verinnerlicht hatte. Er redete lieber über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Südtirol als über sich selbst.

Aussagen, die zum Reflektieren anregen

Über Wirtschaft und Gesellschaft philosophierte Benedikt Gramm gern. An einige Aussagen von ihm, die er bei verschiedenen Gesprächen mit der SWZ getätigt hat, sei nachfolgend erinnert. Sie sind aktueller denn je, obwohl sie großteils viele Jahre alt sind. Und sie zeugen von Spuren, die Benedikt Gramm hinterlässt.

„Jeder Unternehmer soll und muss Erfolg haben, aber der Erfolg darf auch Grenzen haben. Geld können wir nicht mit ins Grab nehmen.“

„Unternehmer sollten sich immer vor Augen halten, dass zufriedene Mitarbeiter gleichzeitig die billigsten Mitarbeiter sind, weil sie mehr leisten.“

„Das Schönste für einen Unternehmer ist, wenn er sieht, dass die eigenen Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben, dass sie Erfüllung finden. Denn dann sind sie am leistungsfähigsten.“

„Unternehmer sollten sich immer vor Augen halten, dass zufriedene Mitarbeiter gleichzeitig die billigsten Mitarbeiter sind, weil sie mehr leisten.“

„Die Politik braucht den Mut zu Vereinfachungen. Wir brauchen verständliche Regeln, denn wie sollen die Bürger die Regeln anwenden, wenn sie sie nicht verstehen?“

Schlagwörter: 04-26free

Ausgabe 04-26, Seite 14

Christian Pfeifer

Christian Pfeifer

Erste journalistische Gehversuche bei der Tageszeitung "Alto Adige", seit 1995 bei der SWZ, seit 2015 deren Chefredakteur. Moderiert nebenberuflich das Wirtschaftsmagazin Trend im Fernsehen von Rai Südtirol. Findet Ausgleich bei seiner Familie und beim Sport, vorwiegend bei Tennis, Ski und Langlauf.

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